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Region Neumarkt
Sonntag, 22. Juli 2018 23° 6

Landwirtschaft

Bauern haben tierische Probleme

Wildschweine, Krähen, Biber – Neumarkter Bauern und Jäger sehen sich mit Gegnern konfrontiert, die schwer zu fassen sind.
Von Helmut Sturm

Die Wildschweine können die Schweinepest übertragen – doch noch ist die Seuche nicht in Bayern angekommen. Foto: Gregor Fischer/dpa
Die Wildschweine können die Schweinepest übertragen – doch noch ist die Seuche nicht in Bayern angekommen. Foto: Gregor Fischer/dpa

Pilsach.Auf Initiative des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) versammelten sich am Mittwochabend die Jagdvorsteher und Eigenjagdbesitzer im großen Saal des Gasthauses „Am Schloß“ (Litzloher Straße). Bisweilen hoch her ging es beim Hauptthema des Abends über den aktuellen Stand der Afrikanischen Schweinepest. Dr. Martin Schmid vom Veterinäramt Neumarkt zeigte den geografischen Weg und den Verbreitungsgrad der hochansteckenden und schnell tödlich verlaufenden Virusinfektion für Schweine auf. „Einen Impfstoff dagegen gibt es nicht, eine Übertragung auf den Menschen allerdings auch nicht.“

Wie wird die Tierseuche ASP in Mitteleuropa übertragen? Zum einen über den direkten Kontakt infizierter Haus- oder Wildschweine, aber auch indirekt über Fahrzeuge, Kadaver, Speiseabfälle, Maschinen und Kleidung. Der Aufbruch erlegter Tiere im Wald sollte deshalb unbedingt vergraben werden, rät der Experte. „Hygiene und Abschottung gegen Wildschweine ist der effektivste Schutz für Hausschweine.“ Bei den Wildschweinen helfe nur eine wesentlich stärkere Bejagung.

Über die Effizienz der Jagdmethoden entlud sich dann eine leidenschaftliche Diskussion. Saufänge, kreis- und revierübergreifende Bewegungsjagden, aber auch Nachtsichtgeräte wurden thematisiert. „Schweine sind schlau – bei Vollmond läuft keines über eine freie Schneefläche und sie lernen blitzschnell“, sagte ein Teilnehmer.

„Bei der Bekämpfung der Schweinepest müssen alle zusammenarbeiten.“

Dr. Martin Schmid, Veterinäramt Neumarkt

Wie groß die Angst bei den Jagdbesitzern derzeit ist, zeigte sich beim Ruf nach der Politik und dem Schimpfen auf die Medien. Die Politiker schieben den Schwarzen Peter hin und her – aus Angst vor den Wählern, war zu hören und die Medien schadeten den Betroffenen mit einer „reißerischen Berichterstattung“, schimpfte ein Wildtierzerleger aus dem Landkreis.

Dr. Schmid fing die Diskussion wieder ein, gab weitere Hinweise auf Präventionsmöglichkeiten und machte aber kein Hehl daraus, was ein Ausbruch der Seuche für wirtschaftliche Folgen haben könnte. „Persönliche Eitelkeiten helfen da wenig, bei der Bekämpfung der ASP müssen alle zusammenarbeiten – Jagdbesitzer, Jäger, Landwirte und Behörden.“

Mit ihren Burgen sorgen die Biber für Überschwemmungen. Im Naturschutzgebiet des Deusmauerer Moors ist das gewünscht. Foto: Patrick Pleul/dpa
Mit ihren Burgen sorgen die Biber für Überschwemmungen. Im Naturschutzgebiet des Deusmauerer Moors ist das gewünscht. Foto: Patrick Pleul/dpa

Inhaltlich weniger dramatisch zeigte sich der Vortrag zum Thema Bibermanagement von Thomas Bayerl und Martin Federhofer schon deshalb, weil es weniger Betroffene gibt. Sie informierten über Verbreitung und Bestände der Biber und was im Schadensfall zu machen sei. Kritisiert wurden die hohen Auflagen vor einer Entschädigung. Das führe dazu, dass viele Geschädigte keine Meldung mehr abgeben und die Behörden dann fälschlicherweise von einen Rückgang der Biberschäden ausgehen. Bei bestimmten Voraussetzungen dürften Biber auch „entnommen“ werden. Im Deusmauerer Moor dürfe der Biber seine Burgen bauen, sagte BBV-Obmann Michael Gruber. Ihre Aktivitäten an den Rändern richteten allerdings Schäden an.

Richtiggehend harmonisch verlief die Information des Leiters des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Harald Gebhard, über die Bedeutung forstlicher Gutachten. Sie dienen hauptsächlich der Bewahrung oder der Herstellung eines standortgemäßen und möglichst naturnahen Zustandes des Waldes unter der Berücksichtigung des Grundsatzes: „Wald vor Wild“. Die verschiedenen Gutachten zeigen Tendenzen auf und dienen als Grundlage für das einvernehmliche Aufstellen gesetzeskonformer Abschusspläne für die Jagd.

Krähen tauchen meist in Schwärmen auf und können einigen Schaden in der Landwirtschaft anrichten. Foto: Peter Kneffel/dpa
Krähen tauchen meist in Schwärmen auf und können einigen Schaden in der Landwirtschaft anrichten. Foto: Peter Kneffel/dpa

Angesichts der vorgerückten Stunde nahm der Erfahrungsaustausch über Krähenschäden nur noch einen kleinen Raum ein. Doch zwei Landwirte schilderten eindrücklich die Folgen der immer größer werdenden Schwärme. Auf der Fläche von einem Hektar hätten die Vögel junge Maispflanzen ausgerissen, berichtete der eine. Der andere musste Verluste bei seinen Silagen hinnehmen, weil die Krähen die Folie angepickt hatten, Sauerstoff eindrang und die Silage verdarb.

„Krähen schrecken vor nichts zurück“, lautete das Fazit. Selbst nach dem erlaubten Abschuss kehrten die Vögel nach ein paar Wochen wieder zurück. Die Schwärme umfassen zwischen 500 bis 600 Tiere. Weder Vogelscheuchen oder Einsätze von Falken noch Ablenkungsfütterungen helfen dauerhaft.

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