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Frust

Bauern wettern gegen Gülleverordnung

Ein Gesetz regelt die Verteilung von Düngemitteln auf dem Acker. Landwirte im Landkreis Neumarkt fürchten um ihre Existenz.
Von Andreas Friedl

Landwirte und Funktionäre zeigen ihre Unzufriedenheit.  Foto: Andreas Friedl
Landwirte und Funktionäre zeigen ihre Unzufriedenheit. Foto: Andreas Friedl

Günching.„Die neue Düngeverordnung ist eine massive Enttäuschung und eine teuere Angelegenheit noch dazu“, so die Aussage von Landwirten, die unter dieser, ab 1. Februar, gültigen Vorschrift ihre Gülle ausbringen müssen. Unter diesem Gesichtspunkt war das Neumarkter Tagblatt beim Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands (BBV), Michael Gruber, zu einem „Runden Tisch“ eingeladen. Mit dabei waren auch die Vorstandschaft des BBV sowie Vertreter der bayerischen Jungbauernschaft, Thomas Bayerl, Geschäftsführer des BBV Neumarkt/Amberg, und Martin Braun von der Firma Atech, Velburg.

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Ohne großes Vorwort kam Michael Gruber gleich zum Kern der Sache: „Gemäß der Düngeverordnung dürfen flüssige organische Düngemittel wie Gülle, auf bestelltes Ackerland ab 2020 und auf Grünland ab 2025 nur noch streifenförmig und bodennah aufgebracht werden.“ Zudem führte er an, dass beispielsweise bei einem Milchviehbestand von 70 Kühen, inklusive Nachzucht, in sechs Monaten etwa 1400 Kubikmeter Gülle anfallen. Diese müsse, sofern sie nicht ausgebracht werden könne, auch dann zeitweise gelagert werden und die Ausbringung sei an ein äußerst begrenztes Zeitfenster gebunden. „Im Jahr 2006 habe ich mir ein Güllefass gekauft, das circa 40  000 Euro verschlungen hat. Jetzt darf ich dieses nicht mehr verwenden“.

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Nachrüstungen kosten Geld

Dem fügte er an, dass sich die Nachrüstung mit einer Schleppschuhtechnik auf etwa 40 000 Euro und die Neuanschaffung, wie es der Gesetzgeber vorgeschrieben hat, auf circa 100 000 Euro belaufe. „Wer kann das noch finanzieren? Hierdurch werden alle kleinen landwirtschaftlichen Betriebe, die vom Gesetzgeber immer gefordert werden, zugrunde gehen.“

Daher rentiert sich die Sache für Gruber nicht mehr. Dem fügte Martin Braun von der Firma Atech aus Velburg hinzu: „Die Lieferzeit für ein neues Fass beläuft sich derzeit zwei bis zweieinhalb Jahren. Für einen Nachrüstungssatz, sofern dies überhaupt technisch möglich ist, dauert die Liegerzeit etwa ein Jahr.“ Ins gleiche Horn, sprich gegen diese erneuerte Düngeverordnung und ihre Auswirkungen, stießen auch die weiteren Anwesenden, die zudem befürchten, dass ein potenzieller Hofnachfolger diese hohen Kosten, einmal für die Lagerung und die Umstellung auf diese neuen Fässer zum Ausbringen von Gülle, tragen müsse und sich anschließend Gedanken mache, den Hof aufzugeben.

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„Über dieses Argument haben sich die Gesetzgeber wahrscheinlich keine Gedanken gemacht“, so Kreisbäuerin Sieglinde Hollweck. Weiter legte Gruber nach: „Wenn ich meine Gülle durch den Maschinenring ausbringen lassen muss, was ja auf Grund meiner Lage nötig ist, kostet mir das im Jahr etwa 14 000 Euro.“ Sein Vertreter beim BBV, Konrad Maget: „Wir, die Landwirte sind vorher nicht über diese Gesetzesänderungen gefragt worden. Theoretiker haben über Praktiker entschieden.“ Alle Anwesenden waren sich hier einig, dass unter anderem die Befreiungsmöglichkeiten von der streifenförmigen Ausbringtechnik bis zur Anerkennung alternativer Verfahren erweitert werden müssen.“

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