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Bahnverkehr

Bei Regen werden Reisende wieder nass

Aus technischen Gründen wird der Halt der Neumarkter S-Bahn im Hauptbahnhof wieder um 80 Meter zurück verlegt. Besserung ist erst 2017 in Sicht.
Von Lothar Röhrl

Dieses erfreuliche Bild von Anfang Juli ist wieder Vergangenheit: Ein S-Bahn-Zug der Linie 3 Neumarkt-Nürnberg, der in Nürnberg Hauptbahnhof – überdacht – auf Höhe der Treppe zum Ost-Tunnel hält.Fotos: Röhrl

Neumarkt.Es war im Juli die fast-perfekte Lösung: Einen Monat lang haben Züge der S-Bahn-Linie 3 von Neumarkt in Nürnberg Hauptbahnhof auf Gleis 30 so gehalten, dass aussteigende Reisende nicht nass wurden. Und dass der Weg zur ersten Treppe 80 Meter kürzer war als in den dreieinhalb Jahren S3 davor. Die Freude über diesen Service währte nur bis zum Montag dieser Woche, denn der vorgezogene Halt ist schon wieder Vergangenheit. Nach einer Übergangslösung jetzt im August wird ab Anfang September wieder so gehalten, wie bis Ende Juni üblich.

Ein Bahn-Pressesprecher erläuterte der MZ die Gründe. Diese sind so technischer Natur, dass sie im folgenden nur vereinfach wiedergegeben werden können: Die im Juli präsentierte neue Lösung hatte ihre Schattenseite, indem es zu Problemen bei der Bereitstellung der S3-Züge zurück Richtung Neumarkt gekommen ist. Die Zahl der verspätet bereitgestellten Züge sei zuletzt so stark gestiegen, dass eingegriffen werden musste.

Weil nun wieder Signale zurück verlegt werden müssen, kann jetzt im August Gleis 30 nur bedingt angefahren werden. Immer wieder werden in diesem Monat S3-Triebzüge auch Gleis zwei und drei des Nürnberger Hauptbahnhofs nach ihrer Fahrt aus Neumarkt ansteuern. Dort werden sie in dem Bereich des Bahnsteigs halten, der für S-Bahn-Züge mit einer Einstiegshöhe von 76 Zentimetern über der Oberkante einer Schiene gebaut worden ist.

Zwei verschiedene Bahnsteighöhen

Zur Erklärung: Während die neuen Triebzüge der Baureihe „Talent 2“ für Bahnsteighöhen von 76 Zentimetern konzipiert sind, sind im Nürnberger S-Bahn-Netz auf den Verbindungen vor allem nach Altdorf und Roth noch von Loks geführte Wagengarnituren unterwegs, die für eine Bahnsteighöhe von 96 Zentimetern ausgelegt sind. Um zum Beispiel gehbehinderten Reisenden das Ein- und Aussteigen ohne Überwinden einer 20 Zentimeter hohen Stufe zu vermeiden, halten die von „Talent 2“-Fahrzeugen gebildeten Triebzüge an den Bahnsteigen zu Gleis 1, 2 und 3 in den entsprechenden Bereichen. Diese Unterschiede sollen übrigens bis spätestens September 2017 verschwinden: Weil dann alle fünf S-Bahn-Linien“ – die nach Allersberg kommt als S5 dazu – von „Talent 2“ gefahren werden, werden die S-Bahnsteige einheitlich über 76 Zentimeter verfügen. Entsprechende Umbauarbeiten werden wohl schon ab Ende 2016 für etliche Gleisänderungen sorgen.

Vorher, ab Beginn September dieses Jahres, werden die S3-Züge wieder im nicht-überdachten Bereich des Gleises 30 halten. Dann gilt wieder für alle, die in Fernverkehrszüge Richtung Hamburg und Berlin umsteigen wollen, möglichst im vorderen Teil eines S-Bahn-Zugs einzusteigen. Denn so verkürzt sich der Weg zur ersten Treppe, die in den Osttunnel des Nürnberger Hauptbahnhofs führt, um 80 Meter. ` Durch diesen Osttunnel gelangen Reisende zu allen anderen Gleisen. Der Haken an diesem Tunnel, aber auch der Treppe ist, dass er keine Rolltreppe und auch kein Laufband hat, auf dem Reisende ihr Gepäck stellen könnten.

Wirklich schweres Hindernis im Weg

Diese Beförderungshilfen gibt es nur beim Mitteltunnel. Um diesen zu erreichen, müssen aus der S3 aussteigende Reisende an Gleis 30 und dann an Gleis 1 entlang gehen. Die Türen zum ersten Obergeschoss der Mittelhalle sind allerdings sehr schwer und fallen gleich wieder zu. Hat man dieses Hindernis überwunden, kann man mit Rolltreppe oder Aufzug eine Etage tiefer zum Mitteltunnel gelangen. Älteren Reisenden mit Gepäck wird also etwas abverlangt. Wer ab Neumarkt oder Amberg einen Regionalexpress nach Nürnberg nimmt, kommt dort immerhin so an, dass er im Bereich Mitteltunnel eine Rolltreppe oder ein Gepäck-Laufband vorfindet.

Die Verschlechterung des Service an Gleis 30 soll nicht Endzustand sein. „Wir arbeiten trotz der Wiederherstellung des alten Zustandes daran, dass wir möglichst bald wieder zum vorverlegten Halt zurückkommen können“, machte der Sprecher der DB wenigstens etwas Mut. Allerdings weiß auch er um das Hauptproblem von Nürnberg-Hauptbahnhof: Dieser platzt aus allen Nähten – wie viele andere deutsche Großstadt-Bahnhöfe auch.

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