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Gastronomie

Beim Obazden ist Kreativität gefragt

Nachdem der Obazde neuerdings unter Schutz steht, müssen sich Wirte überlegen, wie es mit der Spezialität weitergehen soll.
von Lea Gillich und Regina Polster

Die Bedienungen Sanela Ramcilovic und Sarah Hörold mit dem „Obazden“ mit einer Maß Bier. Fotos: Lea Gillich, Regina Polster
Die Bedienungen Sanela Ramcilovic und Sarah Hörold mit dem „Obazden“ mit einer Maß Bier. Fotos: Lea Gillich, Regina Polster

Neumarkt.Im Sommer lässt man den Tag gerne im Biergarten ausklingen. Ein kühles Bier unter schattigen Bäumen, dazu eine Brotzeit – perfekt. In der Biergarten-Beliebtheitsskala ganz oben steht Obazda – und genau diesen hat die EU jetzt im Visier, und zwar im Auftrag der Lebensmittelindustrie und der Landesvereinigung der Bayerischen Milchwirtschaft (LVBM).

Denn: Der LVBM hat beantragt, den Obazden unter besonderen Schutz zu stellen – und ließ ihn als geografisch geschütztes Produkt ins Verzeichnis der Europäischen Kommission eintragen. Das bedeutet: Wer Obazden verkaufen möchte, muss beweisen, dass er sich an das vorgeschriebene Rezept hält – unter anderem steht dort, dass Obazda mindestens 40 Prozent Camembert oder Brie enthalten muss. Das wiederum müssen all jene, die den Käse verkaufen, kontrollieren lassen. Kostenpflichtig, versteht sich. 300 Euro pro Jahr. Das klingt nach einer Sommerposse – und führt bei vielen Wirten dazu, dass sie sich neue Namen für ihren Obazden ausdenken, anstatt zu zahlen. Unser Medienhaus hat sich bei den Neumarkter Wirten umgehört.

Während der Brauerei Gasthof Blomenhof 1571 noch keine Stellung zu dieser kuriosen Regelung beziehen möchte, haben andere Neumarkter Wirte schon ganz genaue Vorstellungen von der Rettung des nach eigenem Rezept hergestellten Obazden.

So wird beispielsweise der BioBerggasthof Sammüller in Zukunft die kostspieligen Kontrollen umgehen, indem besagte Spezialität schlicht in „Bayerischer Brotaufstrich ‚Obatzter Art‘“ einen neuen Namen findet. Laut Chefkoch Hubert Bösl entspreche der von ihnen hergestellte Obazde zwar den neuen Vorgaben. Ein Grund, Gebühren für Obzada-Kontrolleure zu entrichten, sei das aber noch lange nicht. Schließlich wolle man das altbewährte Rezept auch nicht preisgeben.

Für große Aufregung sorgte die Neuigkeit vor allem beim Gasthaus Kaiser in der Ingolstädter Straße: „Ich finde das so nicht in Ordnung!“, äußerte sich Chef Martin Bayerl aufgebracht. Ohnehin erfülle das beliebte Gericht den gestellten Ansprüchen - 300 Euro allein um den Namen weiterhin beibehalten zu dürfen, wolle man jedoch ebenfalls nicht aufwenden. Anders als beim BioBerggasthof Sammüller hat man sich im Gasthof Kaiser allerdings bisher nicht auf eine alternative Bezeichnung festlegen können.

„Oma hat immer frei Schnauze gekocht - und das war auch gut so.“ Mit dieser Aussage bezieht Almhof-Chef Georg Lukas klar Stellung bezüglich des Eklats um das schmackhafte Biergarten Urgestein. Seiner Meinung nach gehöre Kreativität in der Küche dazu, nie könne man eine gleiche Zusammensetzung des Obazden garantieren. Ihm fehlt das Verständnis für eine solche „Geldschneiderei“, wie er die kostenpflichtigen Kontrollen bezeichnet. Es stimme ihn traurig, dass die Gesetzgebung ansässige Wirte durch derlei Vorschriften mehr und mehr dazu zwinge, Produkte von der Großindustrie zu ordern.

„Ein guter Wirt macht gute Ware, dazu braucht es keine Kontrolleure“, argumentiert Albert Richthammer, Wirt des Mittleren Ganskellers. Bis auf das Gesundheitsamt schränke jede weitere Kontrolle die Gastronomie in ihrer Arbeit ein. Seiner Meinung nach reicht das Urteil des Gastes, denn „wer schlechten Obazden macht, verkauft ihn nicht.“ Er selbst führt zwar den Brotzeitklassiker nicht auf seiner Karte, würde diese jedoch aus Protest aus dem Speisenangebot seiner Gastwirtschaft entfernen – selbst wenn keine Kosten für die Untersuchung anfielen.

Glück hat der Obere Ganskeller: Wie Chefin Heike Kirsch per Zufall feststellte, entspricht die Schreibweise der besagten Kaltspeise in ihrer Karte sowieso nicht der Offiziellen. Denn dort stößt man statt auf den „Obazda“ auf einen „Obatzder“. Damit kann die Neumarkter Gaststätte eine aufwendige Namenssuche schlichtweg umgehen – was auf so manch andere Wirte noch zukommt.

Letztlich herrscht also Einigkeit unter den lokalen Wirten. Es werden neue Bezeichnungen für den traditionellen Obazden bevorzugt, statt sich kostspieligen Kontrollen zu unterwerfen.

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