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Justiz

Beim Rendezvous gab es auch einen Joint

Eine 18-Jährige Schülerin stritt ab, etwas mit Marihuana zu tun zu haben. Der Richter glaubte aber dem Zeugen.

Aussage gegen Aussage stand am Mittwoch am Amtsgericht. Foto: dpa

Neumarkt.Aussage gegen Aussage, wie man so schön sagt, stand am Mittwoch am Amtsgericht. Eine 18-jährige Schülerin aus Neumarkt soll sich über ein paar Wochen hinweg im vergangenen Jahr mit einem etwa 25-jährigen Arbeitssuchenden getroffen haben – zusammen sollen sie laut Anklage Joints geraucht haben – mindestens dreimal.

In Wirklichkeit war es wohl eher öfter, wie der 25-Jähriger als Zeuge aussagte. Meist habe Er die Betäubungsmittel aus Nürnberg mitgebracht, etwa zehn Mal, „ein bis dreimal“ auch Sie. Zu zweit habe man sich auf dem Platz vor dem Neumarkter Bahnhof getroffen, eine halbe Stunde oder auch mal eine Stunde lang. Und die beiden hätten sich unterhalten, so gut die gegenseitigen Sprachschwierigkeiten dies erlaubten, sagte der Zeuge.

Ob es mehr als eine Freundschaft war, wollte Jugendrichter Dr. Marcel Dumke wissen: „Für mich war es mehr“, sagte der 25-Jährige, „aber sie wollte keine Beziehung haben. Ich habe ihr nur einen Kuss gegeben, mehr nicht“, sagte der 25-Jährige. Noch ein paar Mal habe man sich danach getroffen, „dann wollte sie nicht mehr.“ Vielmehr habe die 18-Jährige den Zeugen bei der Polizei angezeigt: „Sie hat sich beschwert, ich sollte sie sexuell belästigt haben“, sagte der Zeuge. Daraufhin habe er alle Social-Media-Chats gelöscht.

Ganz anders, kurz und bündig, lautete die Aussage der Angeklagten: Nur ein Mal habe sie sich kurz mit dem 25-Jährigen getroffen, dann habe sie ihm gesagt, er solle sie in Ruhe lassen. Auf dieser Version bestand die 18-Jährige auch, nachdem ihr Richter und Staatsanwältin angeboten hatten, das Verfahren gegen eine Arbeitsauflage von 20 Stunden und den Besuch eines sozialen Kurses einzustellen. Dazu allerdings hätte Staatsanwältin Katrin Wagner gerne ein Geständnis gehabt.

Die Angeklagte besprach sich vor dem Gerichtssaal längere Zeit mit ihrer Rechtsanwältin – um dennoch bei der alten Version zu bleiben: Sie habe sich gar nicht mit dem Zeugen getroffen, hieß es nun, vielmehr habe sie keine Zeit für so etwas gehabt - und sie ließ über ihre Rechtsanwältin einen Freispruch fordern.

Davon allerdings war Richter Dr. Marcel Dumke weit entfernt: „Ich bin überzeugt, dass die Aussage des Zeugen glaubhaft ist“, gab der Richter der Angeklagten mit auf den Weg. Dieser habe sich sogar selbst belastet, indem er aussagte, er habe selbst Joints dabei gehabt. Was das Kern- und das Randgeschehen betreffe, habe der 25-Jährige über seinen Dolmetscher „detailliert ausgesagt“. Diese Version, so der Richter, sei „durchaus plausibel“.

So wurde aus einer möglichen Einstellung des Verfahrens mit 20 Stunden Arbeitsauflage eine Verurteilung mit 30 Stunden Arbeitsauflage plus sozialer Kurs „FreD“ bei der Diakonie. Die Angeklagte nahm das Urteil am Ende an und verzichtete auf eine Revision. (ngs)

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