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Energie

Berching sucht optimale Trasse

Der Planungskorridor für die Juraleitung P53 führt durch Berching. Mit einer Resolution soll ihr Verlauf optimiert werden.
Von Markus Rath

Der Verlauf der aktuellen 220-kV-Leitung: Sie führt zwischen Pollanten und Wegscheid hindurch und dann auf die Anhöhe zwischen Winterzhof und Raitenbuch. Foto: Hans-Peter Gleisenberg
Der Verlauf der aktuellen 220-kV-Leitung: Sie führt zwischen Pollanten und Wegscheid hindurch und dann auf die Anhöhe zwischen Winterzhof und Raitenbuch. Foto: Hans-Peter Gleisenberg

Berching.Die Juraleitung P53 führt auch durch das Berchinger Gemeindegebiet. Nachdem seit 23. Mai erste Trassenkorridore durch die mit dem Projekt beauftragte Firma TenneT veröffentlicht wurden, hat der Stadtrat eine Resolution gefasst, um die Interessen der Gemeinde und der betroffenen Ortsteile zu wahren. „Für uns gilt: Der Schutz des Menschen beziehungsweise seine Gesundheit stehen an erster Stelle“, sagte Bürgermeister Ludwig Eisenreich dem Neumarkter Tagblatt. Deshalb gelte für die Stadt Berching auch die Prämisse: „Weg von der Wohnbebauung.“ Gleichzeitig sei eine abschnittsweise Trassenoptimierung nach dem St.-Florians-Prinzip wenig hilfreich. Einzelne Ortsteile oder die Schutzgüter Mensch und Natur dürften nicht gegeneinander ausgespielt werden.

Ersatz für bestehende Leitung

Wissen muss man in diesem Zusammenhang, dass die Stromtrasse P53 nur bedingt mit den umstrittenen Stromtrassen Südlink und Südostlink zu tun hat, die Windenergie aus Norddeutschland in den Süden transportieren sollen. Denn die Leitung vom bei Fürth gelegenen Raitersaich nach Altheim bei Landshut ist eine 160 Kilometer lange Bestandstrasse und versorgt bereits seit den 1940er Jahren die Regierungsbezirke Mittelfranken, Oberpfalz, Oberbayern und Niederbayern mit Strom. Laut TenneT wird ihre Versorgungs- und Transitfunktion aufgrund des erfolgreichen Ausbaus der erneuerbaren Energien und der geplanten Abschaltung der Kernkraftwerke bis ins Jahr 2022 in den nächsten zehn Jahren deutlich zunehmen.

Eine Ertüchtigung der bestehenden Leitung und Masten wurde laut TenneT intensiv geprüft und ist nicht möglich, da die Kapazität bereits ausgeschöpft wurde, die aktuellen Masttypen keine Spannungsumstellung mit zusätzlichen Leiterseilen erlauben. Zudem müsste die Leitung bei einem Ausbau der bestehenden Systeme während der Ertüchtigungsphase komplett vom Netz genommen werden. Dies ist aufgrund ihrer zentralen Versorgungsfunktion für den aktuellen Nord-Süd-Transport und die Regionen nicht möglich.

Alte Trasse ist das Vorbild

Den Ersatzneubau der Stromleitung will TenneT nach eigener Aussage möglichst in Anlehnung an die bestehende Trasse planen. Gleichzeitig bietet sich mit dem Ersatzneubau die Möglichkeit, wesentliche Verbesserungen für Mensch, Natur und Landschaft zu erreichen. Denn nach Inbetriebnahme der neuen Leitung erfolgt der Rückbau der alten Freileitung. Die Besonderheit im Raum Berching: Fast trassengleich verläuft noch eine 110-kV-Leitung, die sich im Besitz der Deutschen Bahn AG befindet.

In Raitenbuch rückt die bestehende Trasse sehr nah an die Ortschaft heran. Das soll beim Neubau vermieden werden. Foto: Markus Rath
In Raitenbuch rückt die bestehende Trasse sehr nah an die Ortschaft heran. Das soll beim Neubau vermieden werden. Foto: Markus Rath

Auch wenn Berching wegen seiner großen Gemeindefläche und den weit verstreut liegenden Ortsteilen bei weitem weniger Probleme hat, als die Nachbargemeinden Mühlhausen und Dietfurt hat Eisenreich zusammen mit dem Stadtrat drei neuralgische Punkte ausgemacht, an denen er bei TenneT Verbesserungen erreichen will: Raitenbuch, Ernersdorf und Pollanten.

Streitpunkt Pollanten

„Am schwierigsten beziehungsweise unmöglich zu realisieren ist die derzeitige Situation bei Pollanten“, betont Eisenreich. Hier führt die aus Mühlhausen kommenden Leitung aktuell durch ein „Nadelöhr“ zwischen Pollanten und Wegscheid hindurch. Hier kann kein Ersatzneubau erfolgen, weil der Raumwiderstand zu groß ist: Zum einen ist die Wohnbebauung bereits jetzt zu nah an die Stromleitung herangerückt, zum anderen plant die Stadt Berching dort noch weitere Baugebiete. Das große Problem: Der Korridor für die neue Stromleitung führt bereits kurz nach Mühlhausen und damit vor Pollanten in Richtung der östlichen Anhöhe.

Die Forderung aus Berching: Das hier geplante Gewerbegebiet muss beachtet und in irgendeiner Form umgangen werden, weil es im begrenzten Talkessel der Sulz die letzte Möglichkeit darstellt, ein Gewerbegebiet auszuweisen. Hoffnung macht Eisenreich in diesem Zusammenhang die Initiative der Bayerischen Staatsregierung, die für die Juraleitung ein Erdkabel-Pilotprojekt starten will.

Resolution zur Juraleitung

  • Gewerbegebiet:

    Der Landstrich zwischen Mühlhausen und Pollanten ist die einzige Möglichkeit für die Stadt Berching, im begrenzten Talkessel der Sulz ein neues Gewerbegebiet auszuweisen. Deshalb fordert der Stadtrat, dass diese Flächen irgendwie umgangen werden.

  • Wohnbebauung:

    Der in der Landesplanung geforderte 400-Meter-Abstand ist laut Stadt Berching unbedingt einzuhalten. Ist dies nicht möglich, soll auf eine Erdverkabelung ausgewichen werden.

  • Östlicher Berg:

    Hier soll die Trasse möglichst gerade zwischen den Windrädern hindurchgeführt werden. Bisher ist ein Heranrücken an Winterzhofen vorgesehen. Stadtrat Manfred Rackl soll einen Plan anfertigen.

  • Bahn-Leitung:

    Die neue Juraleitung und die bestehende 110-kV-Leitung der Deutschen Bahn AG sollen in einer Leitungstrasse vereint werden.

  • Kompaktmasten:

    Ihre Verwendung soll geprüft werden, um das Landschaftsbild besser zu schützen.

Erdkabel als Problemlöser

„Wir wissen noch nicht, wo die Reise wirklich hingeht“, sagt dazu TenneT-Pressesprecher Markus Lieberknecht. Das Unternehmen befinde sich aktuell in einer informellen Öffentlichkeitsbeteiligung vor dem tatsächlichen Planungsverfahren. „Wir wollen hier möglichst viele Hinweise von Bürgern und von den betroffenen Kommunen sammeln und dann bewerten. Wir kennen aber aktuell die Kriterien für die Erdverkabelung noch nicht“, sagte er. Es sei noch nicht klar, wann und in welchem Umfang auf die dann unsichtbare Stromtrasse ausgewichen werden soll. Lieberknecht: „Wir wollen aber sicher mit den Kommunen zu einer Lösung kommen und nicht gegen sie.“ Dafür hat das Unternehmen inzwischen auch ein Online-Planungstool freigeschaltet, mit dem Bürger ihre Hinweise direkt übermitteln und sogar eigene Trassenvorschläge einbringen können.

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