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Sonntag, 24. Juni 2018 18° 3

Bildung

Berchinger Ideenschmiede für Bürger

Die Schule der Dorf- und Landentwicklung unterstützt Menschen, ihre Heimat gemeinsam zu gestalten – mit Erfolg.
Von Alexandra Nurtsch

In den Anfangsjahren hat die Schule der Dorf- und Landentwicklung Abtei Plankstetten nur Seminare zur Dorferneuerung angeboten. Im Laufe der Zeit wurde das Angebot erweitert.Foto: Rosenbeck
In den Anfangsjahren hat die Schule der Dorf- und Landentwicklung Abtei Plankstetten nur Seminare zur Dorferneuerung angeboten. Im Laufe der Zeit wurde das Angebot erweitert.Foto: Rosenbeck

Berching.Bürgerbeteiligung hat in den vergangenen Jahren enorm an Bedeutung gewonnen. Die Bürger sagen laut, wenn sie etwas stört und sie bringen ihre Ideen ein, wenn es zum Beispiel um die Gestaltung von Dörfern und Städten geht. Da gibt es kaum mehr größere Projekte, bei denen die Bürger nicht mitreden. Seit mehr als 25 Jahren bietet die Schule der Dorf- und Landentwicklung Abtei Plankstetten dabei ihre Unterstützung an. „Unser Ziel ist es, die Bürgerbeteiligung bei ländlichen Entwicklungsprozessen zu stärken“, sagt Geschäftsführer Dr. Hans Rosenbeck.

Bis zu 70 Veranstaltungen

Die Initiative für die Gründung ging vom damaligen Berchinger Bürgermeister Albert Löhner aus. „Er war der Ansicht, dass die Leute in den Ortsteilen gute Ideen haben. Sie bräuchten eine Einrichtung, die sie dabei unterstützt, ihre Ideen und Vorstellung soweit zu konkretisieren, dass sie umgesetzt werden können“, erklärt Rosenbeck. Die Direktionen für ländliche Entwicklung zeigten sich sehr aufgeschlossen und so wurde 1992 die Schule der Dorf- und Landentwicklung Abtei Plankstetten mit Geschäftsstelle in Berching gegründet.

Dr. Hans Rosenbeck spricht im Video über die Bedeutung von Bürgerbeteiligung.

Dr. Hans Rosenbeck spricht über die Schule der Dorf- und Landentwicklung Abtei Plankstetten.

Vergangenes Jahr hat die Schule seinen 25. Geburtstag gefeiert. Den entsprechenden Artikel lesen Sie hier.

In den Anfangszeiten wurden Seminare zur Dorferneuerung angeboten. „Damals haben wir zum Teil sehr intensiv in einzelnen Dörfern gearbeitet, um die Ideen der Bürger in die Planungen einzubringen“, sagt Rosenbeck. Fachleute aus der Verwaltung und Ortsplaner hätten mit den Bürgern Stärken-Schwächen-Analysen erstellt und daraus Ideen für die weitere Ortsentwicklung formuliert. Im Laufe der Zeit wurde das Angebot der Schule ausgeweitet. Waren es zu Beginn noch rund 20 Veranstaltungen im Jahr, die von der SDL organisiert wurden, so sind es heute zwischen 60 und 70. Zur Dorferneuerung kam die einfache Dorferneuerung, die interkommunale Zusammenarbeit wurde ein Thema und – neben der Kooperation mit der ländlichen Entwicklung – bot die Schule verstärkt eigene Seminare an, „zu Themenbereichen, die sonst nicht abgedeckt sind“, sagt Rosenbeck.

Auch bei der Dorferneuerung Wallnsdorf oder Freihausen besuchten die Bürger Seminare der Schule der Dorf- und Landentwicklung Abtei Plankstetten.

Dr. Hans Rosenbeck ist seit 1992 Geschäftsführer der Schule für Land- und Dorfentwicklung Abtei Plankstetten. Foto: Nurtsch
Dr. Hans Rosenbeck ist seit 1992 Geschäftsführer der Schule für Land- und Dorfentwicklung Abtei Plankstetten. Foto: Nurtsch

Als Beispiele nennt er Moderationstraining, Fortbildungen für Bürgermeister oder Öffentlichkeitsarbeit für Mitarbeiter, die das Mitteilungsblatt oder den Web-Auftritt der Gemeinde betreuen. Immer mehr Gemeinden nutzen das Angebot der SDL für moderierte Gemeinderatsklausuren. „Seit den Wahlen hat das stark zugenommen“, sagt Rosenbeck. Es gebe viele neue Bürgermeister, die sich nicht nur mit Sitzungen zufriedengeben. Die Themen würden komplexer und die Anforderungen an die Gemeinden höher. Es werde immer schwieriger, sachgerecht gute Entscheidungen zu treffen. Da mache es Sinn, sich die Zeit dafür zu nehmen, darüber zu diskutieren und Fachleute dazu zu holen.

Neue Herausforderungen

Die SDL bietet auch Podiumsdiskussionen an, zum Beispiel zum Thema ärztliche Versorgung auf dem Land. Die Kommunen nehmen das Angebot gern an. „Seit einigen Jahren sind wir an unserer Kapazitätsgrenze. Mehr können wir nicht machen.“ Doch Rosenbeck sucht weiter nach neuen Themen.

Wissenswertes zur Organisationsstruktur finden Sie hier:

Gut zu Wissen

  • Wo:

    Die Geschäftsstelle der Schule der Dorf- und Landentwicklung Abtei Plankstetten ist in Berching.

  • Mitarbeiter:

    Geschäftsführer ist Dr. Hans Rosenbeck. Unterstützt wird er von Beate Streller.

  • Förder- und Trägerverein:

    Vereinsvorsitzender ist Albert Löhner. Im Vorstand sind die Leiter der Ämter für ländliche Entwicklung in Niederbayern und der Oberpfalz, die Bezirksvorsitzenden Niederbayern und Oberpfalz des Bayerischen Gemeindetags und Fachleute der ländlichen Entwicklung. Rund 170 Mitglieder gehören dem Verein an.

  • Finanzierung:

    Die Ämter für ländliche Entwicklung sind die wichtigsten Kooperationspartner der Schule. Auch von den Bezirken Niederbayern und Oberpfalz gibt es finanzielle Unterstützung sowie vom Landkreis.

Derzeit läuft ein grenzüberschreitendes Baukultur-Projekt mit Österreich. Gemeinden könnten davon profitieren, wenn in ihren Orten alte Gebäude nicht abgerissen, sondern schön hergerichtet und zeitgemäß genutzt werden. Ein weiterer wichtiger Bereich ist für Rosenbeck die kommunale Sozialpolitik. Es gebe immer mehr ältere Menschen im ländlichen Raum. Wie können es Kommunen organisieren, dass sie nach wie vor am sozialen Leben teilnehmen, möglichst lange in den eigenen vier Wänden leben und vor Ort einkaufen können – das seien Fragen, die die Kommunen in Zukunft noch viel mehr betreffen werden, ist sich Rosenbeck sicher. Auch bei diesen neuen Aufgaben will die Schule der Dorf- und Landentwicklung die Gemeinden mit Qualifizierungen unterstützen.

Die Mittelbayerische Zeitung hat mit Albert Löhner, dem Vorsitzenden der Schule der Dorf- und Landentwicklung Abtei Plankstetten, gesprochen:

Herr Löhner, Sie haben den Anstoß für die Gründung der Schule der Dorf- und Landentwicklung Plankstetten gegeben. Wie kam es dazu?

Wir wollten die Kommunalpolitik auf neue Beine stellen und stärkere Formen der Bürgerbeteiligung vermitteln. Wir wollten Bürger zu Beteiligten machen. Das erforderte Schulungen. Damit die Bürger mitwirken wollen, muss man ihr Interesse wecken. Damit sie mitwirken können, brauchen sie gewisse Fähigkeiten, die wir schulen, und man muss sie mitwirken lassen. Dafür sollte die Verwaltung Bereitschaft erkennen lassen und auch das Mitwirken lassen erfordert eine Schulung der Verwaltung.

Die Schule gibt es nun seit mehr als 25 Jahren.

Albert Löhner ist der Vorsitzender der Schule der Dorf- und Landentwicklung Abtei Plankstetten. Foto: Böhm
Albert Löhner ist der Vorsitzender der Schule der Dorf- und Landentwicklung Abtei Plankstetten. Foto: Böhm

Die Schulungen sind eine Daueraufgabe, sie können nicht einfach aufhören. Alle sechs Jahre sind Kommunalwahlen. Es kommt neues Personal in die Rathäuser und es kommen neue Bürger. Jedes Jahr bieten wir mehr Seminare an, um die Kompetenzen der Beteiligten zu stärken und zu erweitern.

War ihnen damals schon klar, dass sich die Schule so gut entwickeln wird?

Mir war damals klar, dass dieser Art von Kommunalpolitik die Zukunft gehören muss, sonst gerät sie in eine Krise.

Sie sind der Vorsitzende der Schule. Was sind Ihre Aufgaben?

In den Vorstandssitzungen werden die Richtung und die Strategie der Schule besprochen. Wir bereiten die Mitgliederversammlung und die Plankstettener Gespräche vor, die einmal im Jahr stattfinden. Bei den Plankstettener Gesprächen sollen Grundsatzfragen behandelt werden, die in die Zukunft weisen. Jetzt steht das nächste Gespräch an und es geht darum, welche Referenten gewonnen werden und wie die Veranstaltung gestaltet wird.

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