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Donnerstag, 19. Juli 2018 28° 1

Ehrenamt

Berchings Helfer brauchen Hilfe

Immer weniger Leute engagieren sich bei der Nachbarschaftshilfe Berching. Dabei wäre ihre Unterstützung so wichtig.
Von Alexandra Nurtsch

Franz Brandl engagiert sich gern bei der Nachbarschaftshilfe. Hier holt er im Seniorenheim das Essen ab, das er anschließend ausliefert. Foto: Delacroix
Franz Brandl engagiert sich gern bei der Nachbarschaftshilfe. Hier holt er im Seniorenheim das Essen ab, das er anschließend ausliefert. Foto: Delacroix

Berching.Es kann jeden treffen. Das Auto ist kaputt und man müsste dringend zum Arzt. Man hat einen wichtigen Termin, aber niemanden, der in dieser Zeit auf die Kinder aufpasst, oder man müsste ein Formular ausfüllen – und kommt einfach nicht weiter. Wenn man Glück hat, hilft der Nachbar schnell und unkompliziert weiter. Wenn das nicht möglich ist, springt die Nachbarschaftshilfe ein. Seit mehr als zehn Jahren unterstützen die ehrenamtlichen Helfer Bürger, die kurzfristig Hilfe benötigen und wo natürlich gewachsene Familien- und Nachbarschaftsstrukturen nicht mehr vorhanden sind oder nicht ausreichen.

Ansprechpartner in der Not

Doch jetzt braucht die Berchinger Nachbarschaftshilfe selbst Hilfe. „Wir waren einmal 26 Mitglieder. Jetzt sind wir nur noch zwölf“, sagt die Leiterin Monika Schmidt-Pauly. Die Helfer würden immer älter. Krankheiten, Umzug oder private Probleme seien Gründe, warum die Ehrenamtlichen aufhören. Auf der anderen Seite steigt der Bedarf. Der demografische Wandel macht sich bemerkbar und Schmidt-Pauly erhält immer mehr Anfragen. Im vergangenen Jahr hatte die Nachbarschaftshilfe 126 Einsätze, ohne „Essen auf Rädern“.

Seit 18 Monaten gibt es die Nachbarschaftshilfe Seubersdorf. Wie es läuft, lesen Sie hier.

Die Hauptaufgabe ist der Fahrdienst. Die Helfer bringen Leute, die nicht mehr mobil sind, zum Arzt nach Beilngries, Parsberg oder Neumarkt. Sie begleiten sie und warten, bis der Termin vorbei ist. Dafür berechnen sie 30 Cent pro Kilometer, ihre Zeit stellen sie unentgeltlich zur Verfügung. Die Ehrenamtlichen versorgen auch kurzfristig Haustiere, helfen Senioren und Menschen mit Behinderungen, fahren sie zum Einkaufen und sorgen dafür, dass sie nicht einsam sind.

„Es ist ein schönes Gefühl, wenn man helfen kann.“

Gerlinde Delacroix, Initiatorin der Nachbarschaftshilfe

Sie machen es möglich, dass alte oder kranke Menschen so lange wie möglich in ihren eigenen vier Wänden leben können. „Die Leute haben einen Ansprechpartner, wenn sie Nöte haben“, sagt Schmidt-Pauly. Doch immer wieder muss sie Anrufern absagen. Zu weite Fahrten und körperliche Arbeiten, wie beispielsweise Rasenmähen, seien nicht möglich. „Das können wir nicht anbieten, weil wir niemanden dafür haben.“

Dankbarkeit als Lohn

Hauptsächlich an Sonn- und Feiertagen und in der Urlaubszeit liefern die Ehrenamtlichen auch „Essen auf Rädern“ aus, das im Seniorenheim zubereitet wird, so wie Franz Brandl. Seit einem halben Jahr ist er bei der Nachbarschaftshilfe aktiv und springt ein, wenn Not an Mann ist. „Ich habe Zeit und mache das gerne.“ Über einen Aushang in einem Schaukasten wurde er auf die Nachbarschaftshilfe aufmerksam und musste nicht lange überlegen. Bislang fährt er hauptsächlich Essen aus. „Dabei lernt man Leute kennen. Die sind so dankbar und freuen sich so, wenn das Essen kommt. Da kommt so viel zurück“, schwärmt er.

Leiterin Monika Schmidt-Pauly hat sich bei zwei Frauen für ihre Unterstützung bedankt:

Dankesworte

  • Abschied:

    Monika Schmidt-Pauly und Elke Grob verabschiedeten Ursula Bachmann und dankten ihr für ihre jahrelange Unterstützung der Nachbarschaftshilfe. Bachmann zählt zu den Gründungsmitgliedern der Initiative. Hauptsächlich fuhr sie Menschen zum Arzt nach Neumarkt. „Mir hat das immer gut gefallen“, sagt die Berchingerin. Doch aus zeitlichen Gründen müsse sie ihr Engagement beenden.

  • Mobilität:

    Seit einigen Jahren ist die Mobi-Card der Nachbarschaftshilfe bei Eichinger Optic art in der Bahnhofsstraße, direkt bei der Bushaltestelle, hinterlegt. Monika Schmidt-Pauly und Loreen Kellner dankten Jutta Eichinger dafür, dass sie ohne lange zu fragen die Mobi-Card übernommen hatte. „Und das, obwohl sie kein Mitglied der Nachbarschaftshilfe ist. Das finde ich toll“, sagt Monika Schmidt-Pauly. Die Mobi-Card ermöglicht die kostenlose Nutzung des VGN. Finanziert wird sie hauptsächlich durch Spenden.

Dass es der Nachbarschaftshilfe einmal an Ehrenamtlichen mangeln wird, hätte Gerlinde Delacroix nicht gedacht, als sie sie vor mehr als zehn Jahren initiiert hat. „Ich habe gedacht, 25 bis 30 Helfer haben wir immer.“ Dabei sei es so ein schönes Gefühl, wenn man helfen könne. Doch Delacroix ist zuversichtlich, dass es wieder besser wird. Das hofft auch Monika Schmidt-Pauly. Doch sie hat die Erfahrung gemacht, dass sich die Menschen nicht mehr gern zu etwas verpflichten lassen. „Viele haben Angst, dass sie ständig angerufen werden. Aber das stimmt nicht.“ Je mehr aktive Helfer die Nachbarschaftshilfe habe, desto weniger gebe es für jeden Einzelnen zu tun.

Kein Wort an die Öffentlichkeit

Gerlinde Delacroix (r.) hat vor mehr als zehn Jahren die Nachbarschaftshilfe gegründet. Geleitet wird sie von Monika Schmidt-Pauly.
Gerlinde Delacroix (r.) hat vor mehr als zehn Jahren die Nachbarschaftshilfe gegründet. Geleitet wird sie von Monika Schmidt-Pauly.

Außerdem gibt es die Vereinbarung, dass sich die Ehrenamtlichen nicht rechtfertigen müssen, wenn sie einen Einsatz nicht übernehmen können. Ein einfaches „nein“ reicht. Schmidt-Pauly hofft, dass sich Freiwillige bei ihr melden, die die Nachbarschaftshilfe unterstützen wollen. Wichtig wären ihr Männer und Frauen, die es sich zutrauen, Fahrdienste zu übernehmen, den Rasen zu mähen oder auch einmal Möbel umzustellen. Oder die bereit sind, Menschen im Seniorenheim zu besuchen und mit ihnen einen kleinen Spaziergang zu unternehmen oder sie im Rollstuhl spazieren zu fahren. Alle Mitarbeiter unterzeichnen eine Verschwiegenheitserklärung, damit gewährleistet ist, dass das, was sie während eines Einsatzes erfahren, nicht an die Öffentlichkeit gelangt.

Die Nachbarschaftshilfe Pyrbaum war die erste im Landkreis Neumarkt. Vergangenes Jahr konnte sie ihr 20-jähriges Bestehen feiern.

Interessierte, die sich bei der Nachbarschaftshilfe einbringen möchten, können sich bei Monika Schmidt-Pauly unter Telefon (0 84 62) 95 28 98 oder Mobil (01 73) 991 06 54 melden oder ihr unter nachbarschaftshilfe@berching.de oder monika-schmidt-pauly@gmx.de eine Email schicken. Alle, die Unterstützung benötigen, können sich auch bei ihr melden. Sie koordiniert die Einsätze der Helfer.

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