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Region Neumarkt
Montag, 18. Juni 2018 22° 8

Berg

Berger Schule befasst sich mit Juden

Eine Ausstellung in Berg zeigt das Leben von Oskar und Emilie Schindler. Die Lehrer betonen die Wichtigkeit des Themas.
Von Helmut Sturm

Professorin Erika Rosenberg hielt erst einen Vortrag und eröffnete dann die Ausstellung in Berg. Foto: Sturm
Professorin Erika Rosenberg hielt erst einen Vortrag und eröffnete dann die Ausstellung in Berg. Foto: Sturm

Berg.Direkt von der FOS/BOS Neumarkt kommend, wurde am Montag nach den Pfingstferien in der Berger Mittelschule der Schwarzachtal-Schule die Ausstellung „... ich werde meine Juden auf jeden Fall verteidigen“ aufgebaut und vorgestellt. Verantwortlich für die Ausstellung zeichnet sich die Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) Regensburg.

Professorin Erika Rosenberg, Bürgermeister Helmut Himmler und Harald Zintl von der FES Regensburg eröffneten die Ausstellung feierlich in der Aula der Schwarzachtal-Schule. Die Ausstellung ist für zwei Wochen in der Aula der Schule allen Schülern und zu den allgemeinen Öffnungszeiten auch der Öffentlichkeit zugänglich.

Erstmals beschäftigt sich eine Ausstellung umfassend mit dem Leben und Wirken von Oskar und Emilie Schindler. Auf 30 Rollplanen wird eindrucksvoll gezeigt, wie es ihnen gelang, während der Nazi-Diktatur 1200 jüdische Mitbürger vor dem sicheren Tod in den Vernichtungslagern zu retten.

Die Ausstellung informiert aber auch über die Jugend der beiden, ihre Versuche nach Kriegsende 1945 in Deutschland und Argentinien wieder Fuß zu fassen. Außerdem zeigt die Ausstellung die vielen Jahre, die es dauerte, bis ihre lebensgefährliche Hilfeleistung in der Öffentlichkeit ihre, wenn auch späte, Anerkennung fand. Dass dies überhaupt möglich wurde, ist besonders Professorin Erika Rosenberg zu verdanken, die persönlich eng mit Emilie Schindler befreundet war.

Gegen das Nazi-Regime gestellt

Aufmerksam lauschten die Schüler den etwa einstündigen Schilderungen Erika Rosenbergs aus dem Leben des Ehepaares Schindler, das den Mut aufbrachte, sich gegen das Nazi-Regime und ihren menschenverachtenden Tötungsapparat zu stellen.

1993 kam Steven Spielbergs Film „Schindlers Liste“ in die Kinos und somit erreichte die Geschichte der Lebensretter von mehr als 1200 Juden wieder eine breite Öffentlichkeit. Im Zentrum des Films stand vor allem Oskar Schindler als Lebensretter der jüdischen Zwangsarbeiter. Dabei war auch Emilie Schindler eine mindestens ebenso mutige Frau, „die ihr Leben für ihre Juden riskierte“.

Emilie Schindler lebte ab 1949 in der Nähe von Buenos Aires und blieb auch dann noch dort, als ihr Mann 1957 wieder nach Deutschland zurückkehrte. Bis zu ihrem Tod haben sich die beiden nicht mehr wiedergesehen. Oskar Schindler starb 1974, seine Frau Emilie 2001. Erika Rosenberg verwaltet seitdem ihren Nachlass und kämpft um die Herausgabe von Originaldokumenten, darunter auch Schindlers Liste. Die Dokumente befinden sich heute in Jerusalem in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem.

Hier finden Sie weitere Informationen:

Kontakt mit Emilie Schindler

  • Treffen:

    Professorin Erika Rosenberg ist die Tochter deutscher Juden, die Deutschland 1936 mit dem Ziel Argentinien verließen. 1990 lernte sie Emilie Schindler kennen.

  • Geschichte:

    In langen Gesprächen vertraute Schindler Rosenberg ihre Lebensgeschichte an. Mit der Biografie „Ich, Emilie Schindler. Erinnerungen einer Unbeugsamen“ wurde ihre Rolle deutlicher. (phs)

Schulleiterin Theresa Altmann betonte im Vorgespräch ausdrücklich, dass es bei dem zugegeben schwierigen und bisweilen auch unangenehmen Thema nicht um Schuldzuweisung oder Verurteilung gehe. Vielmehr gehe es darum, aufzuzeigen, zu welchen Gräueltaten Menschen fähig sind. „Wir wollen nicht unsere Vorfahren verurteilen, wir wollen als Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage zeigen, dass wir die Auszeichnung unserer Schule mit diesem Prädikat konsequent leben.“

Schüler besuchen Gedenkstätte

Klassenleiter Markus Fügl und die Schulleiterin verfolgen das Ziel, „aus der Vergangenheit die Zukunft zu gestalten.“ Jeder Schüler der Schwazachtal-Schule wird mindestens einmal eine Gedenkstätte zu diesem Thema besucht haben. „Wenn unsere jungen Menschen zu dem Ergebnis kommen, dass so etwas nie wieder passieren darf, haben wir unser Ziel erreicht.“

Bürgermeister Helmut Himmler unterstrich, dass jeder Schüler, eigentlich jeder Bundesbürger, einmal eine Gedenkstätte wie Auschwitz oder Flossenbürg nicht nur besucht, sondern gespürt haben solle. Gerade heute brauche es Bürger, die mutig und couragiert genug sind, sich gegen populistisches Geschwätz zu stellen.

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