MyMz
Anzeige

Freizeit

Berle-Bad bleibt noch länger geschlossen

Der Stadtrat in Berching hat beschlossen, das komplette Dach des Erlebnisbads zu sanieren. Trotzdem gibt es einen Lichtblick.
Von Markus Rath

Ein Luftbild der Feuerwehr Berching zeigt die Sturmschäden am Dach des Berle-Bads. Fotos: Stadtverwaltung Berching
Ein Luftbild der Feuerwehr Berching zeigt die Sturmschäden am Dach des Berle-Bads. Fotos: Stadtverwaltung Berching

Berching.In einer äußerst emotional geführten Sitzung hat der Berchinger Stadtrat entschieden, wie das Dach des Erlebnisbads Berle nach dem Sturmschaden saniert werden soll. Dabei entschied sich der Stadtrat gegen die Stimmen von Manfred Rackl (CSU), Stephan Zeller und Josef Neumeyer (beide SPD) für eine Sanierung der gesamten Dachfläche mit einem Aluminiumdach.

Zudem wurde beschlossen, die Freiflächen des Bades im Sommer bei freiem Eintritt zu öffnen, sollten die Bauarbeiten dann noch nicht abgeschlossen sein. Geprägt war die Diskussion von dem Spagat, gleichzeitig eine schnelle Wiedereröffnung und eine kostengünstige sowie sinnvolle Sanierung zu erreichen.

Reparatur ist nicht möglich

Wie schon Ende November 2018 berichtet, war dem Erlebnisbad Ende September 2018 vom Sturmtief Fabienne ein Viertel seiner Dachfläche entrissen worden. Während der Untersuchung für die Reparatur der Sturmschäden wurde deutlich: Auch die restliche Dachfläche ist so marode, dass ein komplett neues Dach gebaut werden muss, weil zwischen zehn und 40 Prozent der Nieten, welche die Dachhaut halten sollen, nicht mehr vorhanden sind, bzw. herausgerissen wurden.

Wie es weitergeht

  • Zeitplan:

    Nach Abschluss der Planung erfolgt die Ausschreibung der Arbeiten. Die Submission soll am 4. März erfolgen. Wenn alles klappt, könnten die Bauarbeiten bereits Anfang April beginnen. Rechnet man sieben bis acht Wochen Bauzeit wäre das Bad im Juni wieder geöffnet.

  • Notfallplan:

    Sollte der Zeitplan nicht eingehalten werden, so haben die Stadträte schon jetzt beschlossen, das zumindest der Außenbereich, eventuell mit Dusch- und Toilettencontainern zur Verfügung gestellt wird. Der Eintritt wird in diesem Fall frei sein.

Manfred Lang vom Bauamt machte in der Sitzung am Dienstagabend deutlich, dass der Statiker nicht bereit sei, die Restdachfläche freizugeben. Folglich sei eine Komplettsanierung des Daches unumgänglich. Dafür präsentierte Lang drei Möglichkeiten, die von der Stadtverwaltung im Hinblick auf die statischen Gegebenheiten und auf den Wunsch des Stadtrates, künftig eine Photovoltaikanlage auf der Dachfläche zu installieren, untersucht wurden. Möglichkeit eins wäre mit der Indach-Variante einer Photovoltaikanlage die sicherlich weitreichendste und modernste. Die Photovoltaikmodule übernehmen hier zugleich die Funktion einer Dachhaut. Der Aufbau ähnelt dem einer Glasfassade. Bei dieser Variante müssten durch die Konstruktion eine Auflast von 30 Tonnen tragen. Kosten würde nur die Dachhülle selbst mindestens 260 Euro pro Quadratmeter und damit bei knapp 2400 Quadratmetern Dachfläche rund 624 000 Euro – Dampfsperre, Wärmedämmung und der Holzzuschlag für die Dachbefestigung fallen bei allen Varianten an und sind von den Kosten deshalb nicht entscheidend.

Konstruktion wie Flachdach

Als zweite Variante wurde laut Lang der Dachaufbau mittels einer PVC-Folie genauer betrachtet. Diese Konstruktion gleicht der eines Flachdaches. Die Folienkonstruktion benötigt jedoch eine trittfeste Dämmung, was zusätzliche Lasten von rund 65 Tonnen bedeuten würde. Weitere Lasten für eine Photovoltaikanlage sind hier nicht mehr umsetzbar. Kosten würde die reine Dachhaut in der Folienvariante 25 Euro pro Quadratmeter und damit rund 60 000 Euro.

Zuletzt wurde die Variante mit einem Aluminium-Dach, wie Bestand vorhanden, überprüft. Bedingt durch die harte Eindeckung kann eine wesentlich leichtere Dämmung verbaut werden, so dass kaum zusätzliche Lasten aus dem Dachaufbau anfallen. Aufgrund der statischen Problematik ist die Verwendung von konventionellen Solarmodulen nach wie vor auf dem Hauptdach nicht möglich. Denkbar wäre aber eine Photovoltaikanlage, die nur aus Solarfolien aufgebaut ist. Diese können ab Werk auf den Metallpaneelen verbaut sein oder nachträglich aufgeklebt werden.

Der Außenbereich, hier noch vom Sturm völlig verwüstet, soll im Sommer kostenlos geöffnet werden.
Der Außenbereich, hier noch vom Sturm völlig verwüstet, soll im Sommer kostenlos geöffnet werden.

Lang wies aber darauf hin, dass sich bei der seit 2012 auf dem Markt befindlichen Technik spätestens 2020 ein Generationswechsel und damit ein Leistungssprung um rund 50 Prozent andeute. Die Dachhaut ohne Photovoltaik würde 120 000 Euro kosten.

Ein weiterer entscheidender Faktor ist die Statik: Nachdem Lang Rücksprache mit der unteren Baubehörde im Landratsamt Neumarkt gehalten hat, ist klar: Weicht das neue Dach wegen zusätzlicher Auflasten, wie sie bei der Variante eins und zwei notwendig wären von der vorhanden Prüfstatik ab, ist ein erneutes Bauantragsverfahren mit einer aktueller Prüfstatik und Brandschutznachweis notwendig. Dadurch würde es wohl zu weiteren Verzögerungen kommen. Daher sei aus statischer Sicht die Aluminiumdachlösung zu bevorzugen.

Zum Zeitplan prognostizierte Lang eine Submission bis zum 4. März, nach zügig erfolgter Auftragsvergabe sollte der Baubeginn Anfang April möglich sein. Als Bauzeit müssten sieben bis acht Wochen veranschlagt werden. Für die Gesamtkosten aller Gewerke, einschließlich Aluminiumdach legte Lang dem Gremium eine detaillierte Kostenschätzung vor. Diese belaufen sich auf insgesamt 693 000 Euro.

Rackl plädiert für Notlösung

Die sich dem Sachvortrag der Verwaltung anschließende Diskussion drehte sich dann auch hauptsächlich um den von Manfred Rackl formulierten Wunsch, nur den auch versicherten Sturmschaden zu beheben und beim Restdach die Schwachpunkte zu beseitigen. Dann sollte mit Maß und Ziel eine Generalsanierung des Berle geplant und nach Fördergeldern gefahndet werden. Dem widersprach Bürgermeister Ludwig Eisenreich, der klar machte, dass er nicht bereit sei die Verantwortung für die marode Dachfläche zu übernehmen.

„Kluge Generalsanierung“

Zweite Bürgermeisterin Gerlinde Delacroix sagte: „Ich wäre aktuell nicht bereit, das Berle mit einer Schulklasse zum Schwimmen zu nutzen.“ Zudem schließe der Start mit dem Dach nicht aus, eine kluge Generalsanierung zu planen. Auf Nachfrage von Manfred Binder (FW) machte Lang dann noch mal deutlich, dass ein nachträgliches Vernieten des alten Daches von innen nicht möglich sei, weil man dort nicht rankommt. Von außen müsste erst der Rückbau erfolgen.

Josef Leidl (CSU) wies noch darauf hin, dass Aluminium eine enorme Ausdehnung bei Wärme besitze. Daher sei das Foliendach die bessere Lösung. Zudem sei der Zeitplan, den Lang dem Gremium genannt habe, ein frommer Wunschtraum. Er wisse von mehreren großen Dachdeckerfirmen, die jetzt schon drei Viertel des Jahres ausgebucht sind. Leidl: „Ich weiß nicht, ob diejenigen, die so einen Auftrag annehmen, weil sie sonst nichts haben, die sind, die wir tatsächlich wollen. Wer weiß woher die Arbeiter dann anrücken?“

Mehr aus Neumarkt und Umgebung:

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht