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Kegeln

Bernd Klein – ein Leben für das Kegeln

Der Neumarkter Bundesligaspieler ist auf der Kegelanlage seiner Eltern aufgewachsen. Sein Ziel ist die Nationalteam-Rückkehr.
Von Thorsten Drenkard

Bernd Klein will wieder zurück in Nationalteam – diesen Traum hat der Neumarkter noch nicht aufgegeben. Fotos: Drenkard
Bernd Klein will wieder zurück in Nationalteam – diesen Traum hat der Neumarkter noch nicht aufgegeben. Fotos: Drenkard

Neumarkt.Es musste für Bernd Klein ja so kommen. Angefangen hat alles bereits, da war der heute 28-Jährige noch ein Lausbub.

Der kleine Bernd brauchte bloß die wenigen Treppenstufen von der Wohnung seiner Eltern hinunter in die Gaststätte sausen, flugs am Tresen vorbei spurten und schon stand er mittendrin in der heimischen Kegelanlage.

Eine faszinierende und geheimnisvolle Welt

Vor dem Jungen tat sich dann diese geheimnisvolle und faszinierende Welt mit ihren glänzenden, langen Bahnen, den an Fäden befestigten Kegeln und den krachenden Kugeln auf.

Dort sah er mit großen Augen den Erwachsenen beim Spielen zu – sah sie begeistert die Kugeln auf die Kegel jagen. Sah sie jubeln, fluchen, singen, lachen und schreien. Kegeln, das war für den Jungen die wohl aufregendste Sache, die es geben konnte – mindestens.

Mama Karin (v.l.), Freundin Lind und Papa Bernhard sind ebenfalls wie Bernd Klein vom Kegeln fasziniert.
Mama Karin (v.l.), Freundin Lind und Papa Bernhard sind ebenfalls wie Bernd Klein vom Kegeln fasziniert.

„Ich bin praktisch auf der Kegelbahn aufgewachsen. Ich kenne es nicht anders“, sagt Bernd Klein, mittlerweile erwachsen und längst ein gestandener Bundesliga-Kegler mit Nationalteam-Vergangenheit, als er auf der Vier-Bahn-Kegelanlage im Gasthaus Zur Linde steht.

Diese betreiben seit Jahrzehnten seine Mutter Karin und sein Vater Bernhard, beide ebenfalls passionierte Kegler. Bernds Opa Karl Gebhardt war es, der einst seinen Landwirtschaftsbetrieb an der Neumarkter Ringstraße in ein Kegelgasthaus umwandelte.

Der Neumarkter Bernd Klein spricht im Video über die Faszination „Kegeln“:

Der Neumarkter Bundesligakegler Bernd Klein

„Den Grundstein für meine Kegelbegeisterung hat sicher mein Opa gelegt“, mutmaßt Klein. Gelernt habe er das Kegeln aber vom Vater. „Immer, wenn er die Bahnen geputzt hat, durfte ich dabei sein und inzwischen Kegeln üben“. Kegeln und Familie, das ist für Bernd Klein untrennbar miteinander vereint.

Für ihn, der als Bub begeistert mit seiner älteren Schwester Stefanie (31) zwischen den Männern und Frauen auf den Kegelbahnen in der Linde herumwuselte, ist Kegeln bis heute die ganz große Nummer.

Weil sich im Lauf der Jahre herausgestellt hat, dass der Neumarkter nicht ganz ungeschickt im präzisen Schieben der Kugeln auf die Kegel ist, spielt Klein seit Jahren in der 1. Bundesliga auf höchstem Niveau. Nach seinem Wechsel von den heimischen Lindenkeglern 2007 zu SKK Viktoria 1921 Fürth gelang ihm mit den Franken der Durchmarsch von der Bayern- bis in die 1. Bundesliga. Nach dem Abstieg der Fürther 2014 wechselte Klein zu FEB Amberg ins Kegel-Oberhaus, wo er bis zuletzt kegelte.

Großes Abenteuer für Klein

Doch kommende Saison sucht Klein eine neue Herausforderung. Den Neumarkter zieht es nach Baden-Württemberg zum dekorierten Erstligisten KC Schwabsberg. Für Klein ein großes Abenteuer, denn: „Bisher habe ich immer bei Teams gekegelt, die gegen den Abstieg in der Bundesliga gespielt haben. Jetzt bin ich erstmals bei einem Verein, der Ambitionen nach oben hegt.“

Klein wird weiterhin in Mühlhausen wohnen, in Neumarkt trainieren und nur an Spieltagen in Schwabsberg spielen.

Von diesem sportlichen Schritt jenseits der Landesgrenzen erhofft sich der Vollblutkegler einen Leistungsschub für seine Karriere. „Bislang bin ich zwar ein guter, aber noch kein sehr guter Bundesligakegler“, so die Selbsteinschätzung Kleins, der im Schnitt 615 Holz auf die Bahn bringt – 20, 30 Holz mehr dürften es schon sein.

„Er ist sehr ehrgeizig. Das war er schon immer.“

Schwester Stefanie über Bernd Klein

Klein möchte sich weiterentwickeln, den nächsten Schritt machen, sich verbessern – unbedingt.

So ist ihr Sohn nun einmal, das wissen die Eltern Karin und Bernhard ganz genau. Auch Schwester Stefanie kennt ihren Bernd. „Er ist sehr ehrgeizig. Das war er schon immer“, sagt die Schwester. „Man hat schon früh sein Talent gesehen“, erinnert sich der Papa.

Zur Person Bernd Klein:

Zur Person Bernd Klein

  • Von 1998 bis 2007

    kegelte Bernd Klein bei den heimischen Lindenkeglern in Neumarkt, wo er einst von Walter Felner trainiert wurde.

  • Bereits als Jugendlicher

    zeigte er bei den Lindenkeglern sein enormes Talent. Die Folge: Ab dem Jahr 2004 war Bernd Klein Dauergast in der Bayernauswahl, wurde an den Stützpunkten in Oberhaching und Augsburg gefördert.

  • Als Jugendlicher

    gewann Klein fast immer die Kreis- und Bezirksmeisterschaft, zudem wurde er zweimal Bayerischer Meister und war bei Deutschen Titelkämpfen im Einzel dabei.

  • Schwester Stefanie

    ist auch eine ausgezeichnete Keglerin, die unter anderem im Bundesligateam des Henger SV kegelte. Aktuell pausiert die 31-jährige Mutter vom geliebten Kegelsport. (kh)

„Beim Training ist er sehr fleißig, aber auch manchmal verbissen. Da hört man ihn dann manchmal durchs ganze Haus fluchen, wenn es nicht so läuft“, verrät die Mama und lacht. Und seine Freundin Linda, die längst akzeptiert hat, dass sie ihren Bernd mit dem Kegelsport teilen muss, weiß: „Wenn es einmal nicht so gelaufen ist, dann braucht er zwei, drei Tage, bis er das analysiert hat.“

Das Kegeln lässt Bernd Klein nicht los. Es ist das Spiel seines Lebens – eines, das er innig liebt, dem er unzählige Erfolge und wunderbare Stunden verdankt. „Es gibt nichts Geileres, als wenn du alle Neune abräumst und die Zuschauer für dich klatschen und jubeln – da bekommst Du Gänsehaut“, weiß Klein.

Kegeln ist vor allem Kopfsache

Er weiß aber auch, dass ihn der Kegelsport auch immer wieder am eigenen Spiel verzweifeln und darüber grübeln lässt. „60 bis 70 Prozent des Kegelns entscheiden sich im Kopf“, kennt Klein die mentalen Herausforderungen seines Sports. Der Rest sei Technik. Diese beherrscht der 28-Jährige bestens und meist bringt er die automatisierten Bewegungsabläufe auch mit den Nerven optimal in Einklang.

Andersfalls wäre er nicht bei der Einzel-WM 2012 in Polen als einer von drei Keglern im deutschen Nationalteam gestanden. Für Klein der bisherige Höhe-, gleichzeitig aber auch Knackpunkt in seiner Karriere. Die WM lief sportlich nicht wie erhofft, seither stagniere sein Spiel, fehle der entscheidende Schub nach vorne, so die äußerst kritische Selbsteinschätzung Kleins.

Wissenswertes über die Geschichte des Kegelns im Video:

Wissenwertes rund ums Kegeln

Mit dem Wechsel nach Schwabsberg soll der Knoten endlich platzen. Klein will in seinem Sport nach oben, er will zu den Besten im Land gehören, warum nicht wieder im Nationalteam?! Abgeschrieben hat er diesen Traum nicht, dazu ist er zu ehrgeizig und ist dem Kegelsport ungebrochen leidenschaftlich verbunden.

Trotz des hartnäckigen Klischees, wonach „beim Kegeln doch sowieso nur getrunken und geraucht wird“. Klein kennt diese Vorurteile. Er kann darüber nur müde lächeln und ist zugleich der lebende Beweis dafür, dass Sportkegeln nichts mit launigen Trinkgelagen in verrauchten Kegelkellern zu tun hat.

„Dass der ASV aufgestiegen ist, ist gut für das Kegeln in unserer Region.“

Bernd Klein

Der Neumarkter ist ein durchtrainierter Athlet. Einmal wöchentlich geht er Laufen, einmal die Woche sind Kraftübungen angesagt. Ansonsten trainiert er zweimal pro Woche auf der Kegelahn die immergleichen Bewegungsabläufe. Wer wie er in der Bundesliga ambitioniert kegelt, der muss auf sich und seinen Körper achten.

In der kommenden Saison wird er sein Können unter anderem gegen die Neumarkter ASV-Kegler zeigen dürfen, die zuletzt den Aufstieg in die Bundesliga feierten. „Dass der ASV aufgestiegen ist, ist gut für das Kegeln in unserer Region – und für mich eine Extra-Motivation“, sagt Klein.

Denn für ihn als Lindenkegler quasi von Geburt an, ist der ASV Neumarkt ein natürlicher Rivale. Ein Wechsel dorthin ist für Bernd Klein und dessen Familie „nicht vorstellbar“. Erst recht nicht, da er mittlerweile Vorsitzender der Lindenkegler ist.

Überraschen darf das nicht, vielmehr musste es ja so kommen.

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