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Biker: Die Gefahr auf zwei Rädern

Mit den ersten sonnigen Tagen beginnt die Motorradsaison. Doch gerade zum Start häufen sich die Unfälle, wie Experten sagen.
Von Bernhard Neumayer

Der Weißmarter ist eine beliebte Strecke für Motorradfahrer. Sie ist aber auch sehr gefährlich, wie die Statistik zeigt. Foto: Röhrl
Der Weißmarter ist eine beliebte Strecke für Motorradfahrer. Sie ist aber auch sehr gefährlich, wie die Statistik zeigt. Foto: Röhrl

Neumarkt.Hermann Pfeifer will Motorradfahrer nicht als Raser stigmatisieren und nicht nur kritisieren, wie der Vorsitzende der Neumarkter Kreisverkehrswacht sagt. Im Gegenteil. Er setzt sich dafür ein, dass alle Verkehrsteilnehmer im Landkreis sicher unterwegs sind. Um einen kleinen Anreiz zu schaffen, die Regeln auf den Straßen einzuhalten, verteilt Pfeifer kleine Belohnungen für vorbildliche Motorradfahrer, die sich an die Geschwindigkeit halten. „Die bekommen dann zum Beispiel eine Bikerbrille oder einen Gutschein für den Service beim Motorradhändler, wenn ich sie aufhalte.“

Große Gefahr zum Saisonstart

Motorradfreunde warten jedes Jahr sehnsüchtig auf die ersten sonnigen Tage im Jahr. Die Biker polieren ihre Maschinen und wollen Vollgas geben – zumindest einige. Doch gerade am Anfang der Saison ist die Unfallgefahr laut Pfeifer groß. „Man muss sich erst wieder an das Motorradfahren gewöhnen.“ In den Wintermonaten fahren viele Zweiradfahrer nur mit dem Auto. Um wieder ein Gefühl für die Maschine zu bekommen, brauche es Zeit und Training. Zum Teil noch nasse und am Straßenrand mit Salz verdreckte Fahrbahnen erschweren nach Pfeifers Aussage die Fahrt auf dem Motorrad.

Schon im Jahr 2014 warben Hermann Pfeifer, Manfred Schneider und Matthias Otto (v.l.) für Fahrsicherheitstrainings. Foto: Dennerlohr
Schon im Jahr 2014 warben Hermann Pfeifer, Manfred Schneider und Matthias Otto (v.l.) für Fahrsicherheitstrainings. Foto: Dennerlohr

Im Landkreis Neumarkt ist unter anderem die kurvenreiche Weißmarterstrecke bei Bikern beliebt. Doch sie ist auch gefährlich, wie die Statistik der Polizeiinspektion Neumarkt zeigt. Allein im Zeitraum zwischen Juni 2015 und Juli 2016 ereigneten sich dort zwölf Motorradunfälle. Die Polizei habe die Strecke ebenso wie die B8 bei Pölling und die Strecke zwischen Großbissendorf und Hohenfels besonders im Blick, wie Richard Löhner sagt. Aufgrund der zahlreichen Unfälle wurde die Weißmarterstrecke stärker beschildert und die Geschwindigkeit auf 50 Stundenkilometer begrenzt – mit Erfolg. Nach diesen Maßnahmen ereignete sich 2017 nur ein Motorradunfall. Für die bisherigen drei Monate des aktuellen Jahres verzeichnet die Polizei ebenfalls einen Unfall.

Nicht immer sind die Motorradfahrer Schuld. „Bei zwei Drittel der Motorradunfälle waren die Verursacher die Biker selbst“, sagt Löhner. 72 Motorradunfälle ereigneten sich im vergangenen Jahr im Landkreis Neumarkt. 2015 und 2016 waren es jeweils drei mehr. „75 war der negative Höhepunkt in den letzten zehn Jahren“, sagt Löhner. Bei einem Drittel der Unfälle treffe den Zweiradfahrer keine Schuld. Meist habe ein anderer Verkehrsteilnehmer den Motorradfahrer übersehen. 

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Genau das ist häufig das Problem, sind sich die Experten von Polizei und Kreisverkehrswacht einig. Dadurch, dass das Motorrad nur eine kleine Silhouette habe, denken sich andere Verkehrsteilnehmer, dass das Zweirad weiter weg ist. „Doch auf einmal sind sie schneller da als gedacht“, sagt Hermann Pfeifer. Eine weitere Gefahr sieht der Vorsitzende der Kreisverkehrswacht im Tagfahrlicht. Früher sei dieses Licht nur für Biker gewesen. Mittlerweile nutzen es auch Autofahrer – und schaden damit laut Pfeifer den Motorradfahrern. „Die Biker heben sich nicht mehr von den Autos ab, wenn beide mit Tagfahrlicht fahren.“ Zudem fehle am Anfang der Saison noch das Gefühl für die Maschine.

Um sich wieder an das Gerät zu gewöhnen, bietet Fahrlehrer Manfred Schreiner Fahrsicherheitstrainings für Biker an. Dabei umkurven die Teilnehmer Hindernisse, weichen aus und üben unter anderem die Gefahrenbremsung. Auch in seiner Fahrschule stehen diese Übungen auf der Tagesordnung. Schreiner stuft die meisten seiner jungen Fahrschüler und die ausgelernten Biker als vernünftig ein, die sich an die Verkehrsregeln halten. „Doch es gibt einen kleinen Prozentsatz unter den Biker, die einfach hirnlos darauf losfahren.“ Von dieser Sorte gebe es aber auch ein paar Autofahrer.

Das Stigma der Raser

Einer, der diese Stigmatisierung von Bikern als Raser kennt, ist Jens Reisinger, der zweite Vorsitzende des Neumarkter Vereins für Motorradfreunde. Er gibt zu, dass sich unter den Motorradfahrern Raser befinden würden. Reisinger betont aber auch, dass es ebenso unvernünftige Autofahrer gebe. Er geht sogar einen Schritt weiter und sagt, dass Biker konzentrierter unterwegs seien als Autofahrer. „Auf dem Motorrad tippt man nicht während der Fahrt etwas ins Navi ein oder stellt das Radio ein“, sagt Reisinger.

Lesen Sie hier: Motorradfahrer gehen hohes Risiko ein.

Aufmerksames Fahren vermisse er bei anderen Verkehrsteilnehmern. Seit über 30 Jahren fährt er Motorrad. Passiert ist ihm glücklicherweise noch nichts Schwerwiegendes. „Nur ein paar Mal bin ich mit dem Bike weggerutscht.“. Mit dem Alter komme die Vernunft, sagt er. „Als junger Fahrer ging es ums Überleben.“ Auch er habe damals nicht jeden Ratschlag angenommen. Jetzt sei er vorsichtiger und genieße die Fahrt.

Vielleicht erhält auch Reisinger eines Tages eine Belohnung vom Vorsitzenden der Kreisverkehrswacht. Pfeifer verteilt auch heuer wieder Gutscheine. Viel aufwenden müsse er dafür nicht. In der vergangenen Motorradsaison habe er nur fünf Biker belohnt. Alle anderen Biker, die er gesehen hat, seien nicht vorbildlich gefahren. „Ich verstehe nicht, dass sie nicht mehr Angst um ihr Leben haben.“

Lesen Sie mehr: In einer Themenwoche befasste sich das Neumarkter Tagblatt mit dem Thema Verkehr.

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