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Region Neumarkt
Montag, 23. April 2018 21° 6

Interview

Bio aus der Region ist der Renner

Wer kauft Bio-Produkte und warum? Die MZ hat bei Sabine Hülsmann von der Verbraucherzentrale Bayern nachgefragt.
Von Peter Tost

Bio-Gemüse liegt im Trend. Foto: Daniel Naupold/dpa

Neumarkt.Frau Hülsmann, wie hoch ist inzwischen der Anteil der Bio-Produkte bei den Lebensmitteln? Wie hat sich dieser Anteil in den vergangenen Jahren verändert?

In den letzten 16 Jahren sind die Umsätze von Bio-Lebensmitteln in Deutschland um fast das Fünffache gestiegen auf etwa 9,5 Milliarden Euro. Auch die Zahl der Bio-Lebensmittel und der Käufer wächst ständig. Die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) schätzt den Marktanteil von Bio-Lebensmitteln auf mittlerweile etwa 5,3 Prozent.

Was bewegt die Verbraucher in erster Linie dazu, zu den teureren Bioprodukten zu greifen?

Sabine Hülsmann stand der MZ im Interview Rede und Antwort. Foto: Markus Brönner

Die Gründe warum Verbraucherinnen und Verbraucher zu Biolebensmitteln greifen, sind vielfältig. Laut Ökobarometer 2017 sind die wichtigsten Kaufgründe eine artgerechte Tierhaltung und geringerer Einsatz von Zusatz- und Verarbeitungsstoffe. Weitere Gründe sind eine möglichst geringe Schadstoffbelastung durch weniger Einsatz von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln, Gentechnikfreiheit und eine gesunde Ernährung.

Gibt es bestimmte Lebensmittelgruppen – etwa Milchprodukte – bei denen der Bio-Anteil höher liegt als bei anderen?

Laut Ökobarometer werden am häufigsten Eier in Bioqualität gekauft, dicht gefolgt von Obst und Gemüse. Daneben steigt die Bedeutung von verarbeiteten Produkten, wie Wurst- und Milchprodukten. Süßwaren und alkoholische Getränke werden dagegen am seltensten in Bioqualität nachgefragt.

Gibt es Veränderungen beim Einkaufsverhalten von Bio-Produkten. Schließlich werden sie nicht mehr nur in klassischen Bioläden verkauft, sondern auch von Bio-Ketten wie Denns, von normalen Supermärkten, von Discountern und auch im Internet.

Ein wichtiger Grund des steigenden Umsatzes bei Bio-Lebensmitteln ist gerade, dass sie nicht mehr nur in Biomärkten erhältlich sind. Heute sind sie fast flächendeckend über den klassischen Einzelhandel zu bekommen. Am häufigsten werden sie Supermärkten und Discountern eingekauft.

Welche Konsequenzen hat das Verhalten der Verbraucher auf die heimische Landwirtschaft und auf Dritte-Welt-Länder?

Jede Art der Landbewirtschaftung hat Auswirkungen auf die natürlichen Ressourcen. Die Folgen des ökologischen Landbaus beeinträchtigen diese jedoch weit weniger als der konventionelle Landbau. So schonen ein geringerer Einsatz von Tierarzneimitteln und das Verbot synthetischer Pflanzenschutzmittel das Grundwasser. Der Verzicht auf stickstoffhaltige Mineraldünger und synthetische Pflanzenschutzmittel vermindert die Emission klimawirksamer Gase. Ökologisch bewirtschaftete Böden sind aufgrund des höheren Humusgehaltes besser in der Lage, klimaschädliches CO2 zu binden.

Woran liegt das konkret?

Die Grundprinzipien der Ökologischen Landwirtschaft sind ja der Verzicht auf chemisch synthetische Pflanzenschutz- und Stickstoff-Mineraldünger, die Einhaltung vielfältiger Fruchtfolgen und die Steigerung der Bodenfruchtbarkeit. Hinzu kommen ausgewogene Nährstoffkreisläufe durch flächengebundene Tierhaltung mit hofeigenem Futter, tiergerechte Haltung mit Auslaufmöglichkeiten, ökologisch ausgerichtete Fütterung ohne Zusatz von Antibiotika und Leistungsförderern, die Erhaltung der Tiergesundheit vor allem durch Förderung der natürlichen Widerstandskraft und das Verbot der Verwendung von Gentechnik.

Wer kauft Bio? Sind es überwiegend Überzeugungstäter und Idealisten?

Die Gruppe an Menschen die aus Überzeugung und daher quasi ausschließlich zu Bio greifen ist mit zwei bis drei Prozent eher klein. Sie kaufen ihre Lebensmittel vorzugsweise im Biofachhandel. Eine weitere Gruppe sind die Konsumenten, die Bio-Lebensmittel sehr häufig kaufen, aber nicht ausschließlich. Sie decken etwa ein Viertel ihres Bedarfs mit Bio-Lebensmitteln und kaufen gerne im Supermarkt oder Discounter ein. Etwa die Hälfte der Bevölkerung kauft gelegentlich Bioprodukte, also unter fünf Prozent am Gesamteinkauf. Bio wird gekauft, wenn der Preis stimmt und es einfach verfügbar ist. Die Biokaufhäufigkeit wächst in dieser Gruppe.

Dann ist Bio also nicht nur ein Trend?

Bei „Bio“ handelt es sich keinesfalls um einen Trend. Das Interesse der Verbraucher besteht bereits seit vielen Jahren und der Umsatz steigt stetig. Produkte aus der Region werden für Verbraucher ebenfalls immer wichtiger. Besonderes Interesse besteht daher auch an Biolebensmitteln aus der Region. Seit Herbst 2015 erkennen Verbraucher diese Lebensmittel am bayerischen Biosiegel Bayerischen Staatsregierung.

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