MyMz
Anzeige

Wirtschaft

Bio-Einweggeschirr von Neumarkter Firma

Palmblatt statt Plastik? Prodana aus Neumarkt vertreibt Bio-Einweggeschirr. Jeden Monat kommen 1000 Neukunden hinzu.
Von Katrin Böhm

Von Müllbeuteln über Lunchboxen und Becher bis zu Palmblatttellern: Geschäftsführer Dierk Burmeister mit einer Auswahl der Produktpalette Foto: Böhm
Von Müllbeuteln über Lunchboxen und Becher bis zu Palmblatttellern: Geschäftsführer Dierk Burmeister mit einer Auswahl der Produktpalette Foto: Böhm

Neumarkt.Angefangen hat alles in einer Garage. Im Juni 2004 meldete Florian Ackermann sein Unternehmen im Nebengewerbe an. Er studierte Maschinenbau, hatte aber bereits Familie und die wollte versorgt werden. Biokunststoff kannte er aus dem Studium – und ihm fiel auf, dass es keinen Online-Shop für Bio-Einweggeschirr gibt: Er gründete die Prodana GmbH, in seiner Garage lagerten bald Palmblattteller und Bio-Kunststoffbecher, Schalen aus Zuckerrohr und kompostierbare Löffel.

Florian Ackermann hatte den richtigen Riecher für das richtige Geschäft zur richtigen Zeit, aus dem Neben- wurde ein Hauptgewerbe.

Die Garage platzte bald aus allen Nähten, zusätzliche Lagermöglichkeiten mussten her. Vor drei Jahren zog die Prodana GmbH nach Pölling ins Gewerbegebiet. Anfangs mietete man einen schmalen Gang von 450 Quadratmetern an – doch halbjährlich wuchs die Fläche. Heute ist dem Vermieter von seinen zwei großen Hallen nur noch ein kleines Stückchen geblieben.

Die Idee passt in die Zeit

Bei der Prodana GmbH stapeln sich indes hunderte von Paletten, Jahr für Jahr vertreibt die Neumarkter Firma drei Millionen Palmblattteller und sechs Millionen kompostierbare Kaffeebecher aus Pappe, sagt Geschäftsführer Dierk Burmeister, der im Jahr 2016 in die Firma einstieg. Zwar gehören zum Portfolio weit mehr Artikel – von Öko-Wachsmalkreiden über Sportkleidung aus wiederverwerteten Polyamid-Stoffen bis zu Brennnesselextrakt-Dünger –, das Hauptgeschäft bildet aber Bio-Einweggeschirr. Ob in großen Mengen für Caterer oder in kleinen Mengen für das Sommerfest im Kindergarten oder die private Grillparty.

„Den Wandel merken wir sehr stark.“

Dirk Burmeister

Der gesellschaftliche Wandel kommt der Firma zupass – Plastik gilt nicht mehr nur bei Öko-Extremisten als Frevel, nein, das Bewusstsein für die Plastik-Problematik breitet sich in einer immer größer werdenden Gesellschaftschicht aus. „Das merken wir sehr stark“, sagt Burmeister.

Dieses Video fasst die Plastik-Problematik zusammen:

Mit Plastik Schluss machen - der Umwelt zu Liebe

Dass die EU nun Plastikprodukte wie die viel diskutierten Strohhalme, Besteck oder Einwegteller verbieten will, kommt dem Unternehmen, das übrigens tatsächliche Strohhalme aus Bio-Roggen vertreibt, ebenfalls nicht ungelegen. Wobei das mit den Strohhalmen gar nicht so super ist – denn die Halme werden nicht in verkaufbarem Zustand geliefert, sondern müssen in Neumarkt erst gekocht, desinfiziert und verpackt werden. „Das ist viel Arbeit. Darum ist für uns ein Zuwachs bei echten Strohhalmen nur begrenzt günstig“, sagt Burmeister augenzwinkernd und weist lieber auf die Alternative aus Bio-Kunststoff hin: Halme aus Pflanzenstärke, ein industriell gefertigtes Produkt.

Caterer greifen mal zu Porzellan, mal zu Palmblatt

Grundsätzlich, das weiß auch Dierk Burmeister sind normale Teller natürlich immer noch umweltfreundlicher als welche aus Palmblättern. Und es gibt auch Kunden, die von Mehrwegtellern auf Palmblätter umstellen. Die Masse ist das allerdings nicht. Als „Hybridkunden“ bezeichnet Burmeister viele seiner Kunden: Caterer, die gerne mit Porzellan arbeiten, aber bei bestimmten Veranstaltungen darauf nicht zurückgreifen können oder wollen. Vor allem im Sommer bei Außenveranstaltungen – so wurde etwa schon beim jährlichen Empfang des Bundespräsidenten auf Prodana-Geschirr gespeist.

Der Chef steht meistens selbst mit auf dem Lastwagen und räumt aus – Florian Ackermann hat eine neue Fuhre „Vegware“ bekommen.Foto: Böhm
Der Chef steht meistens selbst mit auf dem Lastwagen und räumt aus – Florian Ackermann hat eine neue Fuhre „Vegware“ bekommen.Foto: Böhm

Und wenn schon Einweg, dann sei das Bio-Einweggeschirr sicher die bessere Wahl, sagt Burmeister. Selbst wenn es nicht kompostiert wird. Zum einen werde nicht auf die für die Plastikherstellung nötige Ressource Erdöl zurückgegriffen, zum anderen sei die CO2-Bilanz deutlich besser, wenn Bio-Einweggeschirr aus rein organischem, nachwachsenden Material in der Müllverbrennung lande. Denn die Sache mit dem Kompostieren ist vielerorts nicht so einfach: Die Palmblätter lassen sich noch relativ leicht kompostieren und sollten selbst in einem normalen Komposthaufen im Garten in etwa einem halben Jahr verrottet sein.

Kompostierung ist ein Problem

Die Becher aus PLA, einem Biokunststoff aus nachwachsenden Rohstoffen, brauchen aber deutlich länger. Zertifiziert sind sie nach der Kompostierungsnorm EN13432, laut der der Becher sich unter der Bedingung einer industriellen Kompostierung innerhalb von maximal 90 Tagen zu mindestens 90 Prozent zersetzen muss. Vielen Entsorgungsbetrieben dauert das zu lang – sie sortieren die Becher aus. Das kritisiert auch die Zeitschrift Ökotest in ihrer Ausgabe vom Juni 2018 und empfiehlt daher, PLA-Becher in den Müll zu werfen.

Doch woher kommen die vielen Palmblätter eigentlich – und muss für Biokunststoff aus Maisstärke nicht noch viel mehr Mais angebaut werden, was aus ökologischen Gesichtspunkten bedenklich wäre? Derzeit, so sagt Burmeister, sei das kein Problem.

So sehen Betelnüsse aus: Das berauschende Kauen der Betelnüsse, die eigentlich Samen sind, ist in Asien weit verbreitet. Foto: Hölzl/dpa
So sehen Betelnüsse aus: Das berauschende Kauen der Betelnüsse, die eigentlich Samen sind, ist in Asien weit verbreitet. Foto: Hölzl/dpa

Die Palmblätter seien reine Abfallprodukte – sie stammen von Betelnuss-Plantagen in Indien und würden verbrannt, wenn Prodana sie nicht aufkaufe. Zwei Familienbetriebe kümmern sich für das Neumarkter Unternehmen um das Sammeln und Einlagern, mit Hilfe von Prodana seien Lagerhallen gebaut worden, so dass die Betriebe auch in der Regenzeit arbeiten und ihre Angestellten ganzjährig beschäftigen können.

Das Unternehmen

  • Name:

    Der Name Prodana steht für „Produkte aus der Natur“, online findet sich die Firma aber auch unter bioeinweggeschirr.de und pack-bio.de.

  • Kontrolle:

    Palmblätter sind Naturprodukte, die nur durch Hitze behandelt werden – um etwa Schimmelpilze zu verhindern, sind häufige Kontrollen nötig. Zunächst werden die Teller laut Prodana vor dem Verpacken überprüft, optisch auffällige Teller werden aussortiert, danach wird für jeden Container, der verschifft wird, ein Zertifikat der SGS-Gruppe ausgestellt. Während der Regenzeit werden die Container auf dem Schiff als Schutz vor externen Schädlingen begast. Die Palmblattprodukte sind dabei laut Prodana luftdicht eingeschweißt. In Neumarkt werden die Produkte regelmäßig von einem unabhängigen Lebensmittelhygieninstitut getestet.

Von den weltweiten Maisanbauflächen gingen nur etwa 0,5 Prozent für Bio-Kunststoff drauf, sagt Burmeister. Wenn die zu produzierenden Mengen aber tatsächlich weltweit drastisch ansteigen sollten, etwa bei einem hypothetischen sofortigen Plastik-Ausstieg, „bräuchten wir tatsächlich neue Anbauflächen“. Daher sei es ein Ziel von Prodana, mit Abfällen und Resten zu arbeiten – daran arbeitet derzeit die Forschungssparte „Prodana Engineering“. Denn mit einer Wachstumsrate auf dem Markt von bis zu 50 Prozent rechnet man in jedem Fall – derzeit kommen Monat für Monat 1000 Neukunden hinzu.

Was sagen die Abfallexperten am Landratsamt zum Thema Bio-Einweggeschirr? Wir haben nachgefragt:

Herr Egelseer, in Neumarkt gibt es eine Firma, die Bio-Einweggeschirr vertreibt und angibt, dass etwa Teller aus Palmblättern oder Becher aus Bio-Kunststoff kompostiert werden können. Die Zeitschrift Ökotest und andere Abfallwirtschaftsunternehmen sehen das eher problematisch. Wie beurteilen Sie das?

Wir sammeln Teile der Bio-Abfälle in Bio-Tüten, die verrottbar sind. Die haben zwar eine andere Grundlage und enthalten kein PLA (den Bio-Kunststoff, aus dem die Bio-Einwegbecher hergestellt werden und der auf Pflanzenstärke basiert, Anm. d. Red.), aber haben ähnliche Eigenschaften.

Walter Egelseer ist Experte, wenn es um die Müllentsorgung geht. Foto: Pirkl
Walter Egelseer ist Experte, wenn es um die Müllentsorgung geht. Foto: Pirkl

Offensichtlich haben Abfallentsorger ein Problem damit, dass die Becher unter industriellen Kompostierungsbedingungen 90 Tage brauchen, bis sie sich zu 90 Prozent zersetzt haben – dieser Zeitrahmen ist einigen zu lang. Wie ist das in Neumarkt?

90 Tage sind für uns kein Problem, der Zeitrahmen ist in Ordnung.

In Neumarkt könnte man Bio-Becher und -Teller also problemlos in die Bio-Tonne werfen?

Wir haben ja einen relativ geringen Anschlussgrad bei den Biotonnen, aber theoretisch: Ja, solange es sich eher um Einzelstücke handelt. Es kann natürlich passieren, dass es für unser Abfallpersonal nicht erkennbar ist, dass das kompostierbares Geschirr ist. Vorsichtshalber sollte man sich da lieber bei uns melden.

Und wer keine Biotonne hat?

Der sollte sich auch mit uns in Verbindung setzen, damit wir eine Lösung finden.

Wie umweltfreundlich ist das Neumarkter Volksfest?

Ein Gespräch mit dem Organisator des Volksfests, Thomas Thumann, lesen Sie hier.

Weitere Nachrichten aus der Region Neumarkt lesen Sie hier.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht