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Kirche

Bistum Eichstätt legt Finanzen offen

Die Diözese geht nach dem Finanzskandal in die Offensive. Der Eklat hatte auch im Dekanat Neumarkt Auswirkungen.
Von Johannes Heil

Generalvikar Isidor Vollnhals (links) und Bischof Gregor Maria Hanke bei der Vorstellung des Finanzberichts Foto: Heil
Generalvikar Isidor Vollnhals (links) und Bischof Gregor Maria Hanke bei der Vorstellung des Finanzberichts Foto: Heil

Neumarkt.Das erste halbe Jahr 2018 dürfte wohl nicht als eines der ruhmreichsten in die Geschichte des Bistums Eichstätt eingehen. Im Februar hatte ein Finanzskandal für Druckwellen der Empörung gesorgt, die bis weit über die Diözese hinaus wahrzunehmen waren. Was war passiert? Mit fragwürdigen Immobiliengeschäften in den USA hatte das Bistum viel Geld verloren. Ursprünglich war von einem Schaden in Höhe von rund 60 Millionen US-Dollar die Rede. Zwischenzeitlich war die Summe auf rund eine Million Euro herunterkorrigiert worden. Gestern nun, da das Bistum seinen finanziellen Jahresabschluss öffentlich machte, wurde klar: Ganz so glimpflich, wie mancher zunächst angenommen hatte, kommt man nun offenbar doch nicht davon.

Loch von 54 Millionen Euro

„Wir gehen von einem Schaden im zweistelligen Millionenbereich aus“, sagte der Finanzdirektor der Diözese, Florian Bohn. Man habe zwar bereits wieder Rückführungen in Höhe von sechs Millionen US-Dollar erhalten. Doch in der vom Bistum vorgelegten Bilanz klafft immer noch ein Loch von 54 Millionen Dollar. „Wir sind in unserer Rechnung vom schlimmstmöglichen Fall ausgegangen. Und der wäre, dass wir von diesem Betrag nichts mehr zurückbekommen“, erläuterte Bohn. Wie hoch der Schaden am Ende tatsächlich sein werde, könne aber noch nicht gesichert gesagt werden. Wegen des Finanzskandals ermittelt seit einiger Zeit auch die Staatsanwaltschaft. Zwischenzeitlich saßen sogar zwei Männer in Untersuchungshaft, der ehemalige stellvertretende Finanzdirektor und dessen Geschäftspartner. Wie hierbei der Stand sei, könne nicht gesagt werden, so Bohn – es sei schließlich ein laufendes Verfahren.

Der Finanzskandal rund um das Bistum Eichstätt hat in den vergangenen Monaten bei vielen Gläubigen Kopfschütteln und Unverständnis ausgelöst. Auch in Neumarkt waren solche Reaktionen wahrzunehmen, wie Stefan Wingen, Pfarrer der Hofkirche, berichtet. „Ich wurde immer wieder auf den Finanzskandal angesprochen.“ Dies sei zumeist in sachlichem Ton erfolgt, teilweise sei sogar auch Verständnis für den Bischof geäußert worden. Zum Teil sei ihm der massive Ärger über die Machenschaften in Eichstätt aber auch unverblümt an den Kopf geworfen worden.

Verzicht auf Haussammlung

Das müsse man aber verstehen: „Viele Menschen fühlten sich in ihrem Vertrauen massiv verletzt.“ Deswegen habe man in diesem Jahr auch auf die Caritas-Haussammlung im Frühjahr verzichtet. „Wir wollten nicht, dass die ehrenamtlichen Sammler angefeindet werden“, sagt Wingen. Nun sei es aber zu begrüßen, dass der Blick in der Diözese wieder nach vorne gehe. „Es ist gut, dass das Bistum offensiv mit der Thematik umgeht.“ Eine Offenlegung der Finanzen sei allerdings auch ein „Gebot der Zeit“.

Auch Dekanatsreferent Christian Schrödl sah sich mit dem Skandal konfrontiert. Eine Verärgerung bei den Menschen sei deutlich spürbar gewesen: „Bei den Gläubigen war die Geschichte über Wochen hinweg das Thema Nummer eins“, sagt Schrödl. Vor allem sorgt er sich aber um die anstehenden Wahlen der Kirchenverwaltungsgremien im November dieses Jahres. Es sei ohnehin sehr schwierig, genügend Ehrenamtliche zu finden, die sich engagieren wollen. „Der Finanzskandal dürfte das ganze nun nicht unbedingt einfacher gemacht haben“, befürchtet Schrödl.

Ebenfalls ganz konkret konnte Postbauer-Hengs Pfarrer Markus Fiedler die Auswirkungen des Skandals wahrnehmen. Auch hier ging es um die Caritas-Sammlung. Eine Frau, die jahrelang als Sammlerin aktiv gewesen war, habe einfach aufgehört. „Sie meinte, unter diesen Voraussetzungen könne sie diesen Dienst nicht mehr ausüben“, sagt Fiedler. Auch er sei als Seelsorger in der Gemeinde des Öfteren auf den Skandal angesprochen worden. „Viele machten auch unterschwellig Anspielungen oder Witze“, berichtet der Pfarrer. In Berg, so Pfarrer Martin Fuchs, hätten sich die Menschen ebenfalls echauffiert. „Es blieb aber im Rahmen. Eine Austrittswelle oder Ähnliches ist ausgeblieben.“ Durch die Transparenzoffensive haben sich vor Ort nur wenig konkrete Änderungen ergeben, wie beispielsweise Veränderungen bei Zuschussverfahren.

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Kommentar

Die Kür muss noch folgen

Sicherlich: Dass das Bistum Eichstätt nach dem Bekanntwerden des Finanzskandals im Februar nun in die Offensive geht und seine Finanzen offenlegt, ist...

Bei der Vorstellung der Finanzberichts wirkten Bischof Gregor Maria Hanke und Generalvikar Isidor Vollnhals durchaus zufrieden mit dem präsentierten Ergebnis. Hanke sprach von einem „Meilenstein der Transparenzoffensive“. Vollnhals von einem „historischen Tag in der Geschichte des Bistums“. Was bei der Vorstellung der Zahlen ebenfalls deutlich wurde: Am Hungertuch nagt die Diözese trotz des Finanzskandals ganz gewiss nicht. Aktuell besitzt man ein Vermögen von rund 600 Millionen Euro, Wertpapiere und Immobilien inbegriffen. Der Jahresüberschuss 2017 lässt sich auf 1,8 Millionen Euro beziffern.

Die Prognose für die Zukunft fällt aber nicht ganz so rosig aus, wie Hanke und Vollnhals betonten. Die Einnahmen aus der Kirchensteuer dürften sich in den kommenden Jahren um 15 bis 20 Prozent vermindern, die Zahl der circa 400 000 Katholiken wird um die gleiche Zahl sinken.

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