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Feuer

Brandgefährliche Akkus am Recyclinghof

Lithium-Ionen-Batterien stellen die Wertstoffhöfe in Neumarkt vor Herausforderungen. Auch das Aufladen kann gefährlich sein.
Von Katrin Böhm

Feuerlöscher auf Wasserbasis können auch bei Bränden von Lithium-Ionen-Batterien eingesetzt werden. Foto: Daniel Karmann/dpa
Feuerlöscher auf Wasserbasis können auch bei Bränden von Lithium-Ionen-Batterien eingesetzt werden. Foto: Daniel Karmann/dpa

Neumarkt.Abends ins Bett gehen, schnell noch die letzten WhatsApp-Nachrichten checken, das Handy aufs Nachtkästchen legen und über Nacht aufladen, ehe am nächsten Morgen der Handy-Wecker klingelt – in diesem Szenario finden sich viele Menschen wieder. Ein Smartphone trägt jeder ständig mit sich herum, ob Tag oder Nacht. Damit Smartphones leistungsfähig sind, enthalten sie Lithium-Ionen-Batterien – die sind aber brandgefährlich. Sind sie kaputt oder beschädigt, fangen sie schnell Feuer – das wiederum ist auch für die Wertstoffhöfe im Landkreis Neumarkt ein Problem. Denn dort werden alte Akkus abgeliefert. Welche Auswirkungen hat das? Und wie gefährlich ist es, das Handy neben dem Bett zu laden?

Einen Großbrand wie in einem Recyclingbetrieb in Wörth an der Isar hat es zwar noch nicht gegeben, der hohen Feuergefahr ist man sich aber durchaus bewusst, sagt Walter Schardt, zuständig für die Abfallwirtschaft im Landkreis. „Die Energiedichte wird immer höher. Damit steigt auch die Gefahr, dass da was hochgeht.“ Vor allem, weil die Geräte defekt sind. „Wenn zum Beispiel ein Akku-Schrauber als Fehlwurf irgendwo landet und beschädigt ist, kann es einen inneren Kurzschluss geben – und schon brennt es“, sagt Schardt.

Ob Handy, Laptop oder Kamera: Lithium-Ionen-Batterien werden in vielen Geräten verbaut. Foto: kyodo/dpa
Ob Handy, Laptop oder Kamera: Lithium-Ionen-Batterien werden in vielen Geräten verbaut. Foto: kyodo/dpa

Darum gehe man auf den Wertstoffhöfen im Landkreis sehr bewusst mit Elektrogeräten um. Zwar dürfen Bürger alte Geräte eigentlich nur ohne Batterien und Akkus abgeben, das wissen aber nicht alle – und darum wird bei der Abgabe jedes Gerät darauf gecheckt, ob noch Batterien enthalten sind, so Schardt.

E-Bike-Akkus werden nicht angenommen

Finden die Mitarbeiter einen Lithium-Ionen-Akku, werden die Pole abgeklebt und die Batterien landen in einem speziellen Fass, das dann zur Entsorgung weitergegeben wird – in eben jenen Recyclingbetrieb, in dem es im vergangenen Jahr mehrfach gebrannt hat. Nicht angenommen werden grundsätzlich Industriebatterien, etwa von Gabelstaplern, oder E-Bike-Akkus. Diese müssen beim Händler zurückgegeben werden, wenn sie defekt sind, sagt Schardt.

„Wir haben künftig einen noch höheren Anteil zu erwarten, weil die Anwendungen immer mehr werden. Jeder will ein schnelles Smartphone.“

Walter Schardt

In den Wertstoffhöfen gibt es aber auch Gitterboxen, in die Bürger ihre Altgeräte selbst hineinwerfen dürfen. Diese werden dann an die CAH weitergeliefert – und dort auf mögliche Akkus überprüft, so Schardt.

Lithium-Ionen-Batterien

  • Nobelpreis:

    Im Oktober 2019 wurde der Chemie-Nobelpreis für deren Entwicklung vergeben. Der Lithium-Ionen-Akku sei eine „technische Revolution, die unsere Gesellschaft enorm beeinflusst hat“, verkündete das Nobelpreis-Komitee in Stockholm. Ausgezeichnet wurden John Goodenough, Stanley Wittingham und Akira Yoshino.

  • Eigenschaften:

    Lithium-Ionen-Akkus sind leistungsstark, speichern Energie in hohen Mengen und über lange Zeit.

Die Menschen in und um Neumarkt sollen außerden mit einer speziellen Kampagne für die Brandgefahr der Lithium-Ionen-Akkus sensibilisiert werden – durch verstärkte Informationsarbeit des Landkreises soll es gar nicht erst zu einem Großbrand kommen. Denn, so die Erfahrung des Abfall-Experten: Viele Menschen wissen überhaupt nicht, welche Batterien wo enthalten sind. „Und wir haben künftig einen noch höheren Anteil zu erwarten, weil die Anwendungen immer mehr werden. Jeder will ein schnelles Smartphone.“

Viele Menschen nehmen das Handy mit ins Bett und laden es auch daneben – aus Feuerwehrsicht wegen der leicht brennbaren Umgebung nicht ideal. Foto: Karl-Josef Hildenbrand /dpa
Viele Menschen nehmen das Handy mit ins Bett und laden es auch daneben – aus Feuerwehrsicht wegen der leicht brennbaren Umgebung nicht ideal. Foto: Karl-Josef Hildenbrand /dpa

Dass Menschen sich wenig Gedanken machen, woher die Energie ihrer Elektrogeräte stammt, sagt auch Kreisbrandmeister Jürgen Kohl. „Die wollen, dass das Handy lange läuft und das Rad viel Energie hat.“ Gerade beim Laden ihrer Geräte sollten die Menschen aufpassen, dass keine brennbaren Materialien in der Nähe sind. „Man muss sich schon überlegen, ob man das E-Bike im Keller lädt, wo vielleicht ein Haufen Schachteln oder Holzregale stehen.“ Oder das Beispiel mit dem Smartphone, das nachts im Schlafzimmer geladen wird. Auch das ist eher ungut, denn sollte beim Laden etwas schief laufen, schläft der Besitzer erst einmal „und man hat viel brennbares Material außenrum.“

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Gefahr geht vor allem von tief entladenen Akkus aus, also Akkus, die schon lange nicht mehr geladen wurden. Da könne es sein, dass im Gerät eine Überspannung entstehe, wenn es wieder ans Stromnetz gehe. Auch extreme Hitze oder Kälte könnten dem Akku schaden, „und natürlich mechanische Belastung“ – diese sei das größte Risiko.

Jürgen Kohl, hier mit Landrat Willbald Gailler, ist seit 2019 Kreisbrandrat. Foto: Gottschalk
Jürgen Kohl, hier mit Landrat Willbald Gailler, ist seit 2019 Kreisbrandrat. Foto: Gottschalk

Generell will Kohl die Gefahr durch Lithium-Ionen nicht überbewerten – die Gefahr eines Elektrogerät-Brands wie etwa einer Waschmaschine oder eines Trockners sei fast größer – sie solle jedoch auch nicht unterschätzt werden. „Das Allerwichtigste sind daher in jedem Fall Rauchmelder“, sagt Kohl.

Für die Feuerwehr macht es laut Kohl keinen großen Unterschied, ob sie ein normales Feuer oder einen Lithium-Ionen-Brand löscht. „Wir brauchen nur mehr Löschwasser, weil die Energie höher ist, aber es sind keine Sonderlöschmittel nötig.“

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