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Experimentierbühne

Bühne am Amtsgericht darf nicht fehlen

Es ist schön, dass es einen Ort für Experimente im Programm eines Neumarkter Altstadtfestes noch gibt; oft haben aber die Gruppen nur wenige Zuhörer.
Von Lothar Röhrl

  • Was für eine Show: „Shurano“ zog am Samstag ein Flamenco-Feuerwerk ab. Fotos: Röhrl
  • Manchmal sind die Zuhörer auf der Tribüne im Schlosshof doch sehr einsam.

Neumarkt.Der einstige Getränkestand dort hat sicher mangels Umsatz schon lange aufgegeben. Denn bei manchen Programmpunkten lässt sich die Zahl der Zuschauer an den Fingern von zwei Menschen abzählen. Doch es ist enorm wichtig, dass die Art von Programm dort auch weit die 25. Auflage des Altstadtfestes überleben wird: Die Schreibe ist von der Bühne am Amtsgericht. Nicht einmal bei „Trio Collegio“ war heuer dort voll. Dagegen gab es mal wieder dicke Trauben von Menschen, als am Samstag Lizzy Aumeier dort aufgetreten ist.

Keine Frage: In Lizzys Wohnzimmer wird es manchmal sehr intim. Womit damit nicht auf einige Teile im Programm der „Sex-Göttin aus der Oberpfalz“ – ein von ihr selbst mit unübersehbarem Augenzwingern geprägter Begriff – angespielt werden soll. Intim bedeutet die Tatsache, dass dort auftretende Gruppen, vor allem aus dem Jazz-Bereich, und deren Zuhörer einen sehr überschaubaren Kreis an Personen bilden. Bei Bettina Maier und ihren Mitmusikern war das am späten Freitagabend so. Und leider auch am Samstag, als die Formation „Shurano“ ein wahres Feuerwerk des Flamenco abgebrannt hat. Wann sieht man schon mal eine Tänzerin, die mit Perfektion, Leidenschaft und Anmut männliche und auch weibliche Zuschauer in ihren Bann schlägt? Wann sonst kann man im Schnelldurchgang so viel über Poeten aus Lateinamerika erfahren. Auf diese Weise von Namen wie Cesar Vallejo aus Peru oder Nicolás Guillén aus Kuba hören? Oder auch die Geschichte um bekannte Lieder wie „Guantanamera“ herum erfahren? Bei „Shurano“ am vergangenen Samstagabend war dies möglich. Mit der ebenso tänzerisch fabelhaften wie ausdrucksstarken Andrea Grüner mal an ihrer Seite, mal vor ihnen auf der Bühne hatten die drei Musiker von „Shurano“ ein optisches Aushängeschild mit nach Neumarkt gebracht. Bierernst ging dieser Schnellkurs übrigens nicht über die Bühne. Die Grimassen, die Cellist Jost-H. Hecker immer mal zog, und das fürs Spanische typische rollende, scharfe „r“ in der Moderation von Ricardo Volkert (Gitarrist) trugen zur unterhaltsamen Note eines sehr informativen Auftritts bei. Dieser gipfelte dann in einem Fächertanz, bei dem Musik und Bewegungen miteinander verschmelzen konnten.

Wieder mal was anderes halt auf dieser Bühne. Halt so, wie das Programmmacher Wolfgang Fuchs seit vielen Jahren dort gerne pflegt. Und als Abwechslung hegt. Der aus dem Landkreis Neumarkt stammende und bundesweit bei Modern-Jazz-Formationen gefragte Schlagzeuger Oliver Steidle ist ein weiteres Beispiel.

Freilich: Lizzy Aumeier bildet an dieser Spielstätte des Festprogramms kein Alleinstellungsmerkmal mehr. Am Sonntagabend waren auch alle Tribünenplätze belegt und viele weitere Zuhörer standen, als „Remember“ dort auftraten. Im Prinzip sind die Mannen um Klaus Rauchensteiner ja auch ein Experiment: Oldies aus den 60ern spielen auch andere. Die „Remember“ steuern noch die perfekte Optik bei: Im Outfit, in der Mimik und in der Art, ein Instrument zu halten und es stilgerecht zu spielen. Wie im „Sputnik“ (Hit der „Shadows“) ging es bei „Remember“ auf Zeitreise zurück.

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