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Stadtrat

Bürgerhaus Pölling bleibt umstritten

Lang und breit hat der Stadtrat in Neumarkt diskutiert. Sieben Millionen ist eine hübsche Summe. Dazu muss man mehr wissen.
Von Stefanie Roth

Das geplante Bürgerhaus in Pölling soll allen Vereinen offenstehen und ein Treffpunkt für kulturelle Veranstaltungen werden. Foto: Gaupp
Das geplante Bürgerhaus in Pölling soll allen Vereinen offenstehen und ein Treffpunkt für kulturelle Veranstaltungen werden. Foto: Gaupp

Neumarkt.Erst war ein Gemeinschaftshaus für die Pöllinger geplant, nun geht es um einen attraktiven Dorfplatz – die Dimensionen haben sich verändert, nur eine Frage blieb für die Stadträte in der jüngsten Sitzung gleich: Was braucht Pölling wirklich und wer nutzt das Bürgerhaus?

Erschrocken zeigten sich viele, als die Summe von gut sieben Millionen Euro für das geplante Bürgerhaus in Pölling schwarz auf weiß auf dem Papier stand. „Ich bin beim Lesen der Unterlagen wie wahrscheinlich alle im Stadtrat erstmal erschrocken“, sagte auch CSU-Stadtrat Richard Graf, zugleich Vorsitzender des Kultur- und Heimatvereins Pölling. Umso länger dauerte die Entscheidungsfindung in der Sitzung.

Über sieben Millionen Euro

Rechts ist zur Orientierung in der Modellansicht der Kirchturm eingezeichnet. In der Mitte ist das Schulhaus zu sehen. Modellansicht: HAINDL+KOLLEGEN ARCHITEKTEN GmbH
Rechts ist zur Orientierung in der Modellansicht der Kirchturm eingezeichnet. In der Mitte ist das Schulhaus zu sehen. Modellansicht: HAINDL+KOLLEGEN ARCHITEKTEN GmbH

Nach etwa eineinhalb Stunden kam es zur Abstimmung, in der sich 19:7 Stimmberechtigte für die Planung samt Städtebauförderungsmittel entschieden. Auch wenn vielen die Zahl sieben im Kopf herumgeistert, betont Richard Graf immer wieder: Man dürfe nicht von sieben Millionen sprechen, sondern von drei. Denn es sei schließlich noch mit bis zu 3,9 Millionen Euro an Fördergeldern aus dem Städtebauförderungsprogramm „Investitionspakt Soziale Integration im Quartier 2019“ zu rechnen, ursprünglich waren 1,2 Millionen angesetzt. SPD-Fraktionsvorsitzende Ursula Plankermann kritisierte: „Im Prinzip sollten wir uns zurückbesinnen auf das, was wir am Anfang wollten: Ein Gemeindezentrum für die Pöllinger, keine städtische Zusatzhalle. Das ist kein Bürgerhaus für die Pöllinger, das ist ein Mini-Stadthaus von Neumarkt.“

Ehemaliges Schulgebäude

Das Schulhaus wurde 1834 erbaut. Die Architekten wollen nach eigener Aussage die Substanz erhalten, es soll aber wegen der Barrierefreiheit auch einen Aufzug geben. Foto: Stadtarchiv
Das Schulhaus wurde 1834 erbaut. Die Architekten wollen nach eigener Aussage die Substanz erhalten, es soll aber wegen der Barrierefreiheit auch einen Aufzug geben. Foto: Stadtarchiv

Die aktuellen Planungen des Architekturbüros Haindl+Kollegen in München sehen einen Umbau und eine Erweiterung des ehemaligen Schulgebäudes vor. Das Haus der Selbsthilfegruppen soll mit einem Saal für kulturelle Veranstaltungen für bis zu 180 Personen erweitert werden, auch das Umfeld am Dorfplatz soll attraktiver gestaltet werden. „Es ist ein Projekt entstanden, das man als rundum gelungen betrachten kann“, lobte hingegen Albert Löhner, der stellvertretend für Oberbürgermeister Thomas Thumann die Sitzung leitete.

Fördermittel nutzen

Eine weitere Zahl ließ einige Stadträte aufhorchen, denn die Betreuung des Objekts koste 19000 Euro pro Monat. Neumarkts Stadtbaumeister Matthias Seemann wies auf kritische Fragen darauf hin, dass Unterhaltskosten wie diese bei jedem von der Stadt errichteten Gebäude anfielen und warb eindringlich für das Vorhaben, das neben den wenigen Standorten in der Innenstadt von der Regierung gefördert werden kann.

Lesen Sie hier, wie vor zwei Jahren über das Vorhaben in Pölling disktuiert wurde und machen Sie sich selbst einen Eindruck.

Kirche nicht mehr involviert

Blickt man zurück, war anfangs auch die Kirche noch mit im Boot. Eine halbe Million Euro sollte diese hinzuschießen, doch die Kirche ist längst nicht mehr an Bord. „Das ist förderungstechnisch nicht möglich“, erklärte Albert Ott, Pfarrer von der Pfarrei St. Martin Neumarkt Pölling auf telefonische Nachfrage. Die Ministranten werden sich also weiterhin im Pfarrheim treffen. Die Blaskapelle Pölling bekommt zwar keinen eigenen Probenraum im geplanten Bürgerhaus, will aber nach Aussage des ersten Vorstands Martin Ochsenkühn den Saal für Veranstaltungen nutzen.

Weitere Themen im Stadtrat

  • WLAN:

    Stadtrat Dieter Ries (FLiTZ) betrachtet die öffentlichen WLAN-Hotspots der Stadt Neumarkt in der Marktstraße und in der Klostergasse als nicht ausreichend. Sein Antrag für den Ausbau des Netzes in der Innenstadt wurde abgelehnt.

  • Tiefgarage:

    Es ging um die Erweiterung der Tiefgarage am Residenzplatz und den Neubau von Wohnungen. Der Stadtrat beauftragt das Büro Berschneider + Berschneider in Pilsach. Stadtrat Dieter Ries (FLitZ) kritisierte die „Vorbestellung auf ein Architekturbüro“ und das Prozedere.

  • Lastenräder:

    Von den Grünen lag ein Antrag vor, der 40 000 Euro im Haushalt für die Förderung von E-Mobilität vorsah und dem zugestimmt wurde. Durch Lastenräder mit E-Antrieb könnten vor allem junge Familien unterstützt werden.

  • Regionalpark:

    Kreisentwickler Michael Gottschalk stellte neue Projekte für den „Regionalpark Quellenreich“ vor. Lauterhofen, Neumarkt, Pilsach und Velburg sind die beteiligten Kommunen an dem laut ihm bayernweit einzigen Regionalpark. Das Projekt soll die Region stärken.

Richard Graf hob hervor, dass das Bürgerhaus allen Vereinen offenstehe. Diese seien auch zuvor befragt worden, wie oft sie sich treffen und welchen Bedarf sie haben. „Das historische Gebäude wird uns ohnehin auf die Füße fallen, es wäre renovierungsbedürftig geworden. Jetzt können wir gemeinsam ein hochgradig gefördertes Projekt daraus machen und dieses Gesamtprojekt mit einer großen Förderung auf die Reise schicken“, ist Graf überzeugt.

„Das historische Gebäude wird uns ohnehin auf die Füße fallen, es wäre renovierungsbedürftig geworden.“

Stadtrat Richard Graf

Dieser erhielt auch anerkennende und lobende Worte für das Projekt, wie etwa von Stadtrat Werner Thumann: „Stadtrat sein, bringt das was? Kann man was bewegen?“, fragt er und sagt: „Dieses Mal hat Richard Graf was bewegt. Er hat einen kleineren Ansatz gewählt, jetzt ist was wesentlich größeres und tolleres entstanden.“ Das gesamte Umfeld werde dort „hoch attraktiv“.

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