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Bunte Steine gegen das Virus

Kinder und Erwachsene aus dem Landkreis Neumarkt legen am Wegesrand ein Zeichen von Hoffnung. Jeder kann sich beteiligen.
Von Wolfgang Schön, Manuel März, Hans Stepper und Hans-Jürgen Hennig

Franz, Yva, Paul, Luisa und Valentina haben ihre Corona-Steine bereits angelegt.  Foto: Wolfgang Schön
Franz, Yva, Paul, Luisa und Valentina haben ihre Corona-Steine bereits angelegt. Foto: Wolfgang Schön

Velburg.„Warum dürfen wir nicht draußen spielen und uns mit den Schulkameraden treffen? Warum können wir nicht Opa und Oma besuchen?“ Fragen von Kindern, mit denen sich Eltern derzeit verstärkter als sonst auseinandersetzen müssen. Wie vielen anderen Familien erging es in den vergangenen Wochen auch Gisela und Andreas Knoll mit ihrer neunjährigen Tochter Valentina in Velburg.

„Die Situation soweit als möglich dem Kind zu erklären, alternative Möglichkeiten der Freizeitgestaltung zu finden und dabei alle notwendigen Einschränkungen aufzuzeigen, bedeutet letztendlich auch, sich vielleicht noch mehr als sonst mit dem Kind beschäftigen“, erklärt die Mutter von Valentina als Anlass für eine Idee.

Erstkommunion verschoben

Zunächst fertigte sie vor dem Palmsonntag buntgeschmückte Palmbuschen für die gesamte Gruppe der Velburger Erstkommunionkinder, zu denen auch Valentina gehört. Am „Weißen Sonntag“ hätten sie eigentlich alle gemeinsam ihre Erstkommunion gefeiert – wenn nicht Corona dazwischen gekommen wäre. Sie soll nächstes Jahr nachgeholt werden, wenn es irgendwie geht, hat Stadtpfarrer Martin Becker bereits angekündigt.

Um ihre Tochter auf positive Gedanken zu bringen, animierte sie sie, Bilder mit bunten Motiven wie beispielsweise einen Regenbogen zu malen. Und dann hörte Gisela Knoll von einer Aktion, bei der Kinder wie auch Erwachsene Steine bunt bemalen oder auch beschriften und dann öffentlich auslegen.

Weil die Familie Knoll schon oft mit Valentina den Weg vom Parkplatz des Burgbergs oberhalb von Velburg hinauf zur Velburger Burgruine gegangenen ist, wählte sie diesen Weg aus, um dort bunte „Corona-Steine“ aneinanderzureihen. So sollen alle Spaziergänger von fröhlichen Farben begleitet werden – als Pendant dazu, wie derzeit das Coronavirus den Lebensweg so vieler Menschen weltweit begleitet und bestimmt.

Wie beschäftigen sich Kinder mit Corona?

Gisela Knoll machte über WhatsApp-Gruppen und Facebook andere Familien, Schule, Vereine und den Freundeskreis auf die Aktion aufmerksam und hat damit etwas ins Rollen gebracht, das zum einen begeistert, aber auch nachdenklich macht, wie sich nun gerade Kinder mit dem Thema beschäftigen.

Mehr als 100 größtenteils bemalte, aber auch beschriftete Steine sind inzwischen auf dem „Corona-Weg“ zur Velburger Burgruine hinauf gelegt worden und täglich werden es mehr.

Weitere Initiativen im Landkreis

Auch in anderen Landkreisgemeinden sind Kinder, Omas und Opas fleißig gewesen. Auf dem vielfrequentierten geschotterten Weg neben dem denkmalgeschützten Ludwig-Donau-Main-Kanal zwischen der Hausheimer Brücke und der Heinrichsburgbrücke - westlich von Berg tummeln sich an schönen Tagen viele Spaziergänger, Jogger und Radfahrer, Leute, die ihren Hund „Gassi führen“ und Angler.

Und auch dort liegt schon eine lange Reihe bunt bemalter Steine, die schon rund 50 Meter lang geworden ist und mehr als 400 Exemplare umfasst.

Nach dem Regen scheint auch wieder die Sonne. Das soll auch für die Krise gelten  Foto: Hans Stepper
Nach dem Regen scheint auch wieder die Sonne. Das soll auch für die Krise gelten Foto: Hans Stepper

Ein Schild mit zwei roten Stopp-Zeichen und der Aufschrift „Bitte lasst die bunten Steine liegen“ weist auf den neuen „Corona-Weg“ hin. „Liebe Kinder, liebe Spaziergänger, liebe Berger, in diesen schwierigen Zeiten ist ein bunter Farbklecks doch eine willkommene Abwechslung. Malt zu Hause einen Stein, eine Muschel oder ein Stück Holz an, und legt die Kunstwerke hier in eine lange Schlange. Wir sind sehr gespannt, wie weit wir kommen“. Unterzeichnet sind die Hinweistafel und die Aufforderung zur Teilnahme an diesem besonderen Kunst-Projekt mit den Initiatoren „buntesteineamaltenkanal_corana“.

Basteln und Malen statt Schule

Auch die Familie Morgan, die in Berg wohnt, und des Öfteren am Ludwigskanal spazieren geht, hat sich an der Aktion „buntesteineamaltenkanal_corona“ beteiligt. „Ich habe einen Stein mit einem Marienkäfer verziert“ sagte die siebenjährige Nora, die in der zweite Klasse der Grundschule Berg das Lesen, Schreiben und Rechnen erlernt.

Die Steine sagen: „Bleibt gesund.“  Foto: Hans-Jürgen Hennig
Die Steine sagen: „Bleibt gesund.“ Foto: Hans-Jürgen Hennig

Auch in Lauterhofen haben kreative Menschen bunte Steine am Wegesrand ausgelegt: Gleich am Ortsausgang von Lauterhofen, an der Straße in Richtung Niesaß, ist das gemeinschaftliche Kunstwerk zu bewundern. Mit bunten Farben bemalte Steine reihen sich seit einiger Zeit aneinander und bilden eine lange Reihe.

In Parsberg zum Hatzengrün empfangen ebenfalls bunte Steine die Spaziergänger.  Foto: Manuel März
In Parsberg zum Hatzengrün empfangen ebenfalls bunte Steine die Spaziergänger. Foto: Manuel März

Ein beigefügter Zettel sagt: „Liebe Kinder, liebe Spaziergänger, hier beginnt ein Spiel: Jeder darf Steine dazulegen und wir schauen mal, wie lang die Schlange wird. Bleibt gesund.“

Eine bunte Steinschlage wächst nun auch in Parsberg. Sie windet sich entlang des Lehrpfads in der Hatzengrün, welcher bei den Einheimischen noch immer als Trimm-dich-Pfad bekannt ist. Knapp 70 Steine haben sich in einer Woche bereits angesammelt und die Reihe ist mittlerweile mehrere Meter lang. Wer genau hinschaut, kann richtige Kunstwerke entdecken: Vom Sonnenuntergang über ein Fußball-Logo bis hin zu einer Parsberger Stadtsilhouette wurden der Kreativität keine Grenzen gesetzt. „Wir sind gespannt, wie viele Steine den Weg säumen werden bis die Corona-Zeit vorbei ist!“, haben die Initiatoren auf das Schild am Anfang der Reihe geschrieben. Die Schlange soll wachsen, damit die Hoffnung nicht schwindet.

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