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Ernährung

Burgthannerin backt, aber ohne Zucker

Die Weihnachtszeit ist voller Kalorienbomben. Sandra Hager hat kein Päckchen Zucker daheim. Ihr Sohn rebellierte anfangs.
Von Stefanie Roth

  • Anstatt mit Zucker kann man Plätzchen auch anders süßen – nicht nur mit Früchten, sondern auch mit Ersatzstoffen wie Xylith. Foto: Florian Schuh/dpa
  • Gebrannte Mandeln ohne Zucker
  • Auch glutenfreie Weihnachtsplätzchen sind im Buch von Hager zu finden.

Burgthann.Weihnachtsplätzchen sehen nicht nur süß aus, sie sind es auch. Und Backen gehört für viele zur Adventszeit einfach dazu. Was dabei schnell vergessen wird: Die süßen Teilchen sind echte Zuckerbomben. Bei Sandra Hager kommt so etwas schon seit zehn Jahren nicht mehr auf den Tisch, auch nicht in der Adventszeit. Sie hat kein einziges Päckchen Zucker mehr im Schrank – aus gutem Grund. Alles begann damit, dass Sandra Hager Bauchschmerzen hatte und nicht wusste, warum. Sie fand heraus, dass es mit ihrem Zuckerkonsum zu tun haben muss. Das Nutella-Brot am Morgen hatte seine Folgen. „Ich war so richtig zuckersüchtig“, sagt sie heute.

„Wenn wir Kohlenhydrate verstoffwechseln, entsteht auch Xylit.“ Ernährungsberaterin Sandra Hager

Die 43-jährige Frau aus Burgthann hat sich intensiv mit dem Thema beschäftigt und wollte den Zucker komplett aus ihrem Leben verbannen. Gar nicht so einfach, wie sie schnell feststellte. „In jedem Salat in jeder Soße war Zucker drin“, sagt sie und fragte sich: „Was esse ich denn jetzt noch?“ Dann habe sie Xylit entdeckt. Von dem Birkenzucker dürfe man nicht viel essen, da er abführend wirke. Allerdings habe sie dieser Zuckerersatz sofort überzeugt, zumal der Stoff auch im eigenen Körper in der Leber hergestellt werde. „Wenn wir Kohlenhydrate verstoffwechseln, entsteht auch Xylit“, erklärt die junge Frau und kennt noch mehr Hintergründe: Im Zweiten Weltkrieg in Finnland sei der Zucker ausgegangen. Dann habe man den Birkenzucker aus Birken- und Buchenholz gewonnen.

Xylit halb so viel Kalorien

Sandra Hager verzichtet auf Zucker und verwendet stattdessen Alternativen. Hierzu hat sie bereits mehrere Bücher veröffentlicht. Foto: Hager
Sandra Hager verzichtet auf Zucker und verwendet stattdessen Alternativen. Hierzu hat sie bereits mehrere Bücher veröffentlicht. Foto: Hager

Xylit habe die Hälfte der Kalorien als herkömmlicher Zucker. Ein weiterer Zuckeraustausstoff, der für Hager infrage kommt, ist Erythrit. „Das kennt unser Körper auch, das ist gut für Diabeter“, sagt sie. Zudem habe Erythrit überhaupt keine Kalorien und verursacht kein Karies. Hager hat viel herumexperimentiert und sich zur Fachberaterin für holistische Gesundheit ausbilden lassen. So bekam sie immer mehr Wissen. Dattelpaste sei eine gute Alternative. Man erhalte sie häufig in türkischen Läden, man kann sie aber auch selbst zubereiten, indem man Datteln und Wasser zu einem Sirup mixt. Wichtig ist Hager vor allem eins: Kein Aspartam und keine künstlichen Austauschstoffe. Früher bekam sie eine Frage immer öfter zu hören: „Sandra, was isst denn du jetzt noch?“ Genau das war für sie der Anlass, selbst Rezeptbücher zu schreiben. Passende Bilder waren für die gelernte Fotografin und Grafikerin kein Problem – so fügte sich eins zum anderen.

Lesung in Neumarkt bei Osiander

Das sind die Zutaten für die Dattel-Schokolade. Foto: Hager
Das sind die Zutaten für die Dattel-Schokolade. Foto: Hager

Inzwischen hat sie 15 Bücher veröffentlicht und gibt am Samstag in Neumarkt ab 13 Uhr zum ersten Mal eine Lesung in der Buchhandlung Osiander. Natürlich bringt sie auch zuckerfreie Kostproben mit und wird erklären, wie sich ihr Leben durch den Zuckerverzicht verändert habe. „Ich gehe überhaupt nicht mehr essen“, sagt sie. Stattdessen lade sie Freunde zu sich nach Hause ein oder bringe ihre eigene Tupperbox mit, wenn es das Lokal erlaubt. Inzwischen glaubt sie, dass sich nach all den Jahren ihre Geschmacksnerven verändert haben. Ausnahmen gibt es keine: Wenn sie über den Weihnachtsmarkt schlendert, hat sie ihre eigenen gebrannten Mandeln dabei.

Kein Zucker, kein Weizen

Auch für ihren Sohn sei das anfangs eine Umstellung gewesen. „Da gab es eine riesen Rebellion“, erinnert sie sich. Die Mutter machte deutlich, dass kein Zucker, kein Weizen und keine Milchprodukte mehr ins Haus kommen. Was das Kind außerhalb der vier Wände zu sich nahm, überließ sie ihm selbst, denn mit Druck komme man auch nicht weiter.

Smoothie anstatt Wienerle?

Wer seine Ernährung umstellen möchte, muss nicht von heute oder morgen auf einen grünen Smoothie umsteigen, findet Sandra Hager. Symbolfoto: Andrea Warnecke/dpa
Wer seine Ernährung umstellen möchte, muss nicht von heute oder morgen auf einen grünen Smoothie umsteigen, findet Sandra Hager. Symbolfoto: Andrea Warnecke/dpa

Die Ernährungsberaterin geht behutsam vor: „Wenn jemand jeden Tag drei Wienerle mit Brot isst, dann sag ich nicht: Trink mal einen Spinat- Smoothie. Dann sage ich: Ess mal eine Tomate dazu.“ Wem es generell schwerfällt, auf Zucker zu verzichten, für den hat Hager einen Tipp: Bitterstoffe wie Löwenzahn-Wurzeltee oder Mariendistel vertreiben die Lust auf Süßes genauso wie Bittertropfen, die es auch in Kapselform gibt.


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