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Campbridge: Spaß und eine große Aufgabe

Das Projekt in Sulzbürg verbindet Kinderfreizeiten mit Führungskräftetraining. Zwei Mentoren erzählen von ihren Eindrücken.
Von Doris Distler

Die Jungs der Gruppe präsentierten zusammen mit zwei Mentoren einen Tanz aus dem angesagten Computerspiel „Fortnite“. Foto: Gaupp
Die Jungs der Gruppe präsentierten zusammen mit zwei Mentoren einen Tanz aus dem angesagten Computerspiel „Fortnite“. Foto: Gaupp

Sulzbürg.„Ein netter Kumpel und zugleich eine Autoritätsperson zu sein, ist unglaublich schwer", resümiert Sascha Walter. Der Ausbildungsleiter für Elektroniker für Geräte und Systeme bei der Neumarkter Firma Dehn und Söhne nimmt an einer eher ungewöhnlichen Fortbildung für Führungskräfte teil: Denn das „Campbridge Mentoring & Leadership Programm“ ist auf den ersten Blick eine Kinderfreizeit.

Auch Entspannungsübungen wie Yoga lernten die Kinder kennen.
Auch Entspannungsübungen wie Yoga lernten die Kinder kennen.

Dahinter steckt jedoch ein Konzept, das im angelsächsischen Wirtschaftsraum eine lange Tradition besitzt: Führungskräfte organisieren und begleiten zusammen mit Sozialpädagogen und erfahrenen Jugendbetreuern ein einjähriges Kinderfreizeit-Projekt, das sich in verschiedene Module gliedert. Kinder der dritten und vierten Klasse erleben Spiel und Spaß und profitieren durch eine intensive Förderung und die Führungskräfte stärken ihre persönlichen Sozialkompetenzen.

Woche endet mit einem Fest

Christoph Haas hat das Projekt „Campbridge" ins Leben gerufen, weil er es als Manager selbst in England erlebt hat und von dem Konzept überzeugt ist. Bereits zum dritten Mal nehmen 20 Jungen und Mädchen zwischen acht und elf Jahren aus Neumarkt und Fürth teil. Am Freitag endete die Aktionswoche zum Auftakt im Familienerholungszentrum Sulzbürg. Da präsentierten Mentoren, Betreuer und Kinder den Partnern und Sponsoren nach einem Grillbuffet ein Abendprogramm mit verschiedenen Tänzen.

„Ich fand die Woche schön, die Spiele waren toll. Außer, dass wir so wenig Zeit für uns selbst hatten, dann hätte ich was gemacht, wo ich auch mal lauter bin oder einfach nur etwas für mich wie zeichnen.“,

Kimberley, 8 Jahre

Neben Sascha Walter ist Manuela Benz von der Firma Huber aus Berching dabei. Die technische Zeichnerin wird von ihrem Arbeitgeber freigestellt für die vier Wochenenden und die Woche Aktionscamp in Sulzbürg. Auch sie hatte vorher noch nie eine Gruppe Kinder betreut. „Es war anstrengender als gedacht, aber jetzt, zum Abschluss, werde ich wahrscheinlich ein paar Tränen vergießen." Es seien wertvolle Erfahrungen gewesen, die Veränderung der Kinder zu verfolgen, die beispielsweise vom Bewegungsmuffel zum begeisterten Frühsportler mutierten. Auch das abendliche Ritual, die Kinder ins Bett zu bringen, hat Manuela Benz berührt: „Man kam nicht aus der Tür, ohne die Kinder noch einmal zu umarmen. Das war ihnen wichtig.“

Manuela Benz von der Firma Huber und Sascha Walter von Dehn und Söhne fungierten bei Campbridge als Mentoren. Foto: Distler
Manuela Benz von der Firma Huber und Sascha Walter von Dehn und Söhne fungierten bei Campbridge als Mentoren. Foto: Distler

Jeder Mentor musste auch einmal die Rolle des „Day-Leader" übernehmen, das heißt, als Führungsperson des Tages war dieser Mentor für alle Entscheidungen der Hauptansprechpartner. Keine leichte Aufgabe in diesem ungewohnten Umfeld, wie Benz erzählt. „Ich musste bestimmen, was getan wird – auch wenn die anderen wesentlich erfahrener waren."

Doch die Neulinge in puncto Jugendarbeit haben Profis an ihrer Seite: Zwei Jugendsozialarbeiterinnen der beiden teilnehmenden Grundschulen sowie Mitarbeiter des Kreisjugendrings wie Michael Schimeck. Ein wichtiges Mitglied des Coaching-Teams ist außerdem Berthold Kohlhaus aus München. Er berät Menschen und Unternehmen, die sich in einem Veränderungsprozess befinden.

Vorteile für die Führungskräfte

„Für die Mentoren geht es nicht nur darum, den Kindern eine schöne Zeit zu bereiten“, unterstreicht Kohlhaus. Sie müssten sich im Vorfeld Gedanken darüber machen, wo sie bei sich soziale Stärken und Schwächen sehen – und an welchen sie während des Programms arbeiten wollten. „Sie müssen sich über die eigenen Bedürfnisse im Klaren sein.“

„Mir hat die Woche richtig gut gefallen, am meisten das Basteln. Die Schnitzeljagd war auch toll – und der bunte Abend heute, weil wir auftreten und auch grillen.“,

Alexander, 9 Jahre

Campbridge biete diesen Führungskräften zahlreiche Möglichkeiten, ihr Verhalten zu reflektieren – beispielsweise bei der abendlichen Supervision – oder auch gleich auszuprobieren. „Die Kinder spiegeln durch ihr Verhalten sofort eine Reaktion.“ Themen können dabei sein: Wie setze ich Regeln durch? Wie mache ich meine Position gegenüber dominanteren Mitmenschen deutlich? Wie schlichte ich Konflikte? Wie gehe ich mit unvorhergesehenen Situationen um? „Wir wünschen uns, dass die Firmen diesen Mehrwert für sich erkennen – über den sozialen Aspekt hinaus“, sagt der Trainer.

Der Trainer und Coach Berthold Kohlhaus leitet das Mentorenprogramm von Campbridge. Foto: Gaupp
Der Trainer und Coach Berthold Kohlhaus leitet das Mentorenprogramm von Campbridge. Foto: Gaupp

Sascha Walter haben vor allem persönliche Momente beeindruckt: Manch ein Kind sei schon glücklich gewesen, wenn er ihm zugehört habe. Sein Mentoren-Kollege von der Huber SE zeigte den Kindern mit Wasserbechern und Steinchen, wie eine Kläranlage funktioniert – die im Großen von seinem Arbeitgeber produziert werden. „Jetzt, da ich die Erfahrung gemacht habe," würde ich es jederzeit wieder machen, sagt Sascha Walter.

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