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Jubiläumsjahr

Chinesinnen bescheren „Glucksmomente“

Christoph Willibald Glucks Oper „Le Cinesi“ in Berching: 600 Gäste erlebten ein besonderes barockes Musikfest – mit kleinen technischen Eintrübungen.
Von Gerhard Heldt, MZ

Die jungen Sänger der Gluck-Oper „Le Cinesi“ in Berching Foto: Fuhrmann

Berching.In Erasbach, heute zu Berching gehörend, wurde vor 300 Jahren der Europa-Musiker Christoph Willibald Gluck geboren. Der Freundeskreis Christoph Willibald Gluck hat aus diesem Anlass im mittelalterlichen Städtchen ein dreitägiges Barockfest vorbereitet, das allerhöchsten Respekt verdient. Höhepunkt war am Samstag die einaktige Oper „Le Cinesi“ (Die Chinesinnen), 1754 als 17. seiner insgesamt 50 theatralischen Bühnenwerke für Kaiserin Maria Theresias Hof komponiert. Ein Kaiser mit Gefolge war auch bei dieser Aufführung zugegen: der Kaiser von Bayrisch China aus Berchings Nachbarstadt Dietfurt. Ministerpräsident Horst Seehofer hat die Schirmherrschaft des Gluck-Jahres 2014 in Berching übernommen und ließ es sich nicht nehmen, nach dem Pannen-„Tannhäuser“ am Vorabend in Bayreuth nun die störungsfrei und in nur 65 Minuten ablaufenden musikalisierten „Chinesinnen“ oberpfälzischer Provenienz zu besuchen.

Gleich zwei Premieren für Berching

In der Stadt herrschte barockes Markttreiben mit allerlei historischem Handwerk, Met, Bier und italienischen wie griechischen Nationalgerichten. Die für den Abend bereitgestellten Regencapes mussten gottlob nicht benutzt werden. Im Garten hinter der St. Lorenz-Kirche fand schließlich das große Ereignis statt. 600 Gäste waren gekommen, um mitzuerleben, was dem Freundeskreis gelungen ist. Eine Oper in dieser Stadt ohne eine geeignete Spielstätte wird es hier bisher nicht gegeben haben – eine Premiere also. Ein fernöstlicher kaiserlicher Gast – die zweite Premiere! Darauf dürfen die Gluckfreunde sehr stolz sein.

Zur Oper: Als Gelegenheitswerk beansprucht sie, obschon noch einige Male aufgeführt, nicht die Aufmerksamkeit wie Glucks große Reformopern. Aber bei einem Text von Pietro Metastasio, dem barocken und klassischen Librettisten schlechthin, und der Musik von Gluck darf man schon genauer hinhören. Denn der Komponist löst sich hier erstmals von der ganz strengen Form der Opera seria mit ihrer festgelegten Akt- und Personen-Zahl sowie der reglementierten Abfolge von Rezitativen und Arien. Die alte Form überlebt indes auch noch in diesem Werk, denn die Rezitative überwiegen, und jede Sängerin und jeder Sänger eine erhält seine Arie. Am Schluss einer barocken Oper hatte sich das singende Personal als „Coro“ noch einmal auf der Bühne zu einem mehrstimmigen Ensemble einzufinden; „Le Cinesi“ wird mit einem ebensolchen Finale beendet.

Ernst Bartmann dirigierte mit großer Geste

Wie in Bayreuth begann auch diese Vorstellung mit festlichen Blechbläserklängen, hier vom Kirchturm. Dass Ouvertüre und Oper in der Lautstärke teilweise heillos übersteuert waren, ist wohl der Unerfahrenheit der Tontechniker zu verdanken. Dass das Operngeschehen durchgehend vom zwei Tänzern sehr bewegungsfreudig und meist störend „kommentiert“ wurde, ist einer Regiebewegung unserer Tage geschuldet (Inszenierung: Andreas Wiedermann).

Die drei noch jungen koreanischen Sängerinnen Nam-young Kim (Sopran), Yeonjin Choi (Mezzosopran) und MinJung Yoon (Alt) und ihr ebenfalls junger Landsmann Sang-Kyu Lee (Tenor) gingen das Ganze stimmlich mitunter etwas zu robust an, wurden aber auch vom mit großer Geste dirigierenden Ernst Bartmann zum Forcieren gedrängt. Ihre Stimmen, soweit bei dieser Verstärkung festzustellen, sind auf einem guten Weg. Das kleine Orchester der freien Münchner Operntruppe Opera Incognita schlug sich, obschon akustisch unterrepräsentiert, wacker. Ein würdiger Höhepunkt der Berchinger „Glucksmomente“!

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