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Kirche

Christian Schmidt ist bekennender Christ

Der frühere Bundesminister sprach in der FeG Neumarkt über seinen Glauben, Aufgaben der Politik und umstrittene Bibelverse.
Von Eva Gaupp

MdB Christian Schmidt hielt bei der FeG eine Kanzelrede.
MdB Christian Schmidt hielt bei der FeG eine Kanzelrede.

Neumarkt.Wenn von Glaube, Christen oder Religion die Rede ist, haben die meisten Menschen nicht unbedingt das Bild eines Politikers vor Augen. Sonntagsreden will keiner hören und predigende Politiker lösen nicht selten einen Fluchtinstinkt bei ihren Zuhörern aus. Deshalb bildet der Bundestagsabgeordnete und frühere Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt eine Ausnahme, wenn er der Einladung der Freien evangelischen Gemeinde (FeG) in Neumarkt folgt und sich in einer Kanzelrede einer Passage in der Bibel widmet, die von der Gott gegebenen Obrigkeit handelt. Initiiert hatte den Besuch Gemeindemitglied Bill Holler.

Pastor Ulrich Wosylus (re.) interviewte den Gastredner MdB Christian Schmidt kurz.
Pastor Ulrich Wosylus (re.) interviewte den Gastredner MdB Christian Schmidt kurz.

„Wir haben Sie heute nicht zu allererst als Politiker eingeladen, sondern als Mensch und engagierten Christen“, unterstrich Pastor Ulrich Wosylus, der den Gast kurz interviewte. Denn Schmidt ist in der Tat bekennender Christ, der Mitglied im Vorstand des evangelischen Arbeitskreises von CDU/CSU ist und im Gebetsfrühstücks-Kreis der Parlamentarier in Berlin aktiv ist. Letzterer ist ein Weg für ihn, werteorientiert über Themen zu diskutieren, ohne dass die Parteilinie im Vordergrund steht.

Glaube spielt wieder größere Rolle

Und er hat den Eindruck, dass in der Politik der Glaube wieder mehr Einzug erhält, als dies noch vor Jahren der Fall gewesen sei. „Das ist ein Prozess“, sagt Schmidt. Auch Politiker seien auf der Suche nach Orientierung – und fänden diese wieder häufiger in einem christlichen Wertekodex und Glauben. Als früherer Staatssekretär im Verteidigungsministerium habe er vor allem bei Entscheidungen über Einsätze der Bundeswehr den Rat bei Gott gesucht und die Kraft aus seinem Glauben gezogen.

Im Verteidigungsministerium war Christian Schmidt von 2005 bis 2013 parlamentarischer Staatssekretär. Foto: Matthias Schrader
Im Verteidigungsministerium war Christian Schmidt von 2005 bis 2013 parlamentarischer Staatssekretär. Foto: Matthias Schrader

Insofern ist für den 61-Jährigen die Interpretation der ersten Verse aus Römer 13 klar, die einen modernen Menschen sofort zum Widerspruch herausfordern: „Jedermann sei untertan der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat. Denn es ist keine Obrigkeit außer von Gott; wo aber Obrigkeit ist, ist sie von Gott angeordnet.“ Jahrhunderte lang hatten Herrscher daraus ihren Machtanspruch legitimiert. Doch Paulus spreche nicht von einer Staatslehre, sondern von einer Ordnung des täglichen Lebens, erläuterte Schmidt, der sich vor der Kanzelrede von dem befreundeten Theologen Prof. Dr. Alfred Seiferlein hat beraten lassen. Und diese Ordnung müsse von Gott durchdrungen sein. „Ich vermute, dass die meisten Träger irdischer Macht selbst gar nicht wissen, dass sie im Dienste Gottes stehen.“

Hitler-Attentäter als Vorbilder

Die Attentäter des 20. Juli 1944 seien das beste Beispiel dafür, dass Widerstand gegen eine Obrigkeit, die nicht von Gott geleitet werde, richtig und wichtig sei. „Sie haben Gott mehr gehorcht als den Menschen.“ Und auch der Grenzsoldat am 9. November 1989 habe nicht seine Dienstvorschriften eingehalten, sondern den Schlagbaum geöffnet, als die Bürger der DDR in den Westen strömten. „Vielleicht hatte er da eine Erleuchtung durch Gott.“

Als Bundeslandwirtschaftsminister sorgte Christian Schmidt (CSU) vor allem für Schlagzeilen, als er in Brüssel für eine Verlängerung des Einsatzes von Glyphosat stimmte. Foto: Carsten Rehder/dpa
Als Bundeslandwirtschaftsminister sorgte Christian Schmidt (CSU) vor allem für Schlagzeilen, als er in Brüssel für eine Verlängerung des Einsatzes von Glyphosat stimmte. Foto: Carsten Rehder/dpa

Auch wenn dieser Paulusbrief in der Geschichte eine ungeheuere Bedeutung erfahren hat, liefert er heute fast nie mehr die Grundlage für eine Predigt. Am 23. Sonntag nach Trinitatis sei er im Kirchenjahr eingeordnet, sagte Christian Schmidt. „Einem Sonntag, der fest nie gefeiert wird, weil das Kirchenjahr selten so lange ist.“

Die Kanzelrede

  • Konzept: In der Freien evangelischen Gemeinde (FeG) ist es üblich, dass regelmäßig externe Personen den Part einer Predigt übernehmen. So war auch schon der Ministerpräsident a.D. Günther Beckstein zu Gast.

  • Kontakt: Bill Holler, ebenfalls Mitglied der CSU, hatte den Kontakt zu dem CSU-Politiker Christian Schmidt hergestellt. Dieser ist Abgeordneter für den Wahlkreis Fürth/Neustadt a.d. Aisch.

  • Thema: Als Titel der Kanzelrede war Römer 13 aus dem Neuen Testament ausgewählt worden. „Christ und Staat – verantwortlich leben im Spannungsfeld von Glaube und staatlicher Gewalt“.

  • FeG: Das Gemeindezentrum der Freien evangelischen Gemeinde befindet sich in der Leipziger Straße 21 in Neumarkt. weitere Informationen unter https://neumarkt.feg.de .

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