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Comic-Fans erobern Erlangen

25000 Besucher haben am Wochenende den „Comic-Salon“ besucht, der heuer zum ersten Mal rund um das Schloss stattfand.
Von Nikolas Pelke

Apollonia und Rüdiger lesen beide gerne Comics. Foto: Pelke
Apollonia und Rüdiger lesen beide gerne Comics. Foto: Pelke

Erlangen.Nachteile kehren sich gelegentlich ins genaue Gegenteil um. Anstatt sich hinter der ergrauten Fassade der Stadthalle zu verstecken, hat sich der 18. Internationale Comic Salon am Wochenende im Herzen der Hugenottenstadt rund um das Barockschloss präsentiert. Mitten in der Stadt hat das Comic-Festival diesmal seine Zelte aufgebaut, weil das angestammte Kongresszentrum renoviert wird.

Wie auf dem Präsentierteller

„Man fühlt sich wie auf dem Präsentierteller. Das ganze Festival ist viel präsenter in der Stadt“, freut sich Gabriela, die im Katzenkostüm über den Schlossplatz spaziert. „Ich bin Catwoman“, sagt Gabriela und erklärt, dass die Katzenfrau erst die Gegnerin, später die Geliebte von Batman gewesen sei. Dann verschwindet die Superheldin in dem großem Messezelt auf dem Schlossplatz.
Auf dem Sockel des Standbildes, das normalerweise ohne Zeltplanen, Comics und dem anderen Drumherum an den großen Markgrafen Friedrich von Brandenburg-Bayreuth erinnert, haben es sich Apollonia und Rüdiger aus Hof mit einem Comic gemütlich gemacht. „Mein Vater hat seine Micky Maus-Hefte noch von der Oma zerrissen bekommen. In meiner Jugend waren Comics nicht mehr ganz so verpönt. Heute fehlen dagegen junge Comic-Leser.

Ich freue mich umso mehr, dass meine Tochter auch ein echter Comic-Fan geworden ist, und nicht nur vor dem Computer sitzt“, freut sich der stolze Papa und schlendert weiter durch die Messehallen, auf der rund 200 Aussteller ihre neuesten Publikationen aus der Welt der Sprechblasen vorstellen.
Im Schatten der Bronzestatue zeichnet Miguel Díaz derweil blaue Männchen mit Mütze. „Ich male seit Jahren nur Schlümpfe“, erzählt Díaz während auf dem weißen Papier der blaue Comic-Klassiker langsam entsteht. „Die Figur kommt aus Belgien. Dort heißt sie komischerweise Schtroumpf. Ich male am allerliebsten Gargamel, den bösen Zauberer. Meistens entsteht ein Album pro Jahr.

Hier finden Sie weitere Informationen:

Comic Preise

  • Auszeichnung:

    Die Max und Moritz-Preise, die von der Stadt Erlangen im Rahmen des alle zwei Jahre stattfindenden Internationalen Comic-Salons im Markgrafentheater verliehen werden, gelten als wichtigste Auszeichnungen für Comic-Kunst.

  • Gewinner:

  • Der Preis für den Besten deutschsprachigen Comic-Strip geht an „Das Leben ist kein Ponyhof“ von Sarah Burrini.

Ansonsten male ich Gummibärchen und viele andere Figuren für die Werbung. Aber am meisten Schlümpfe“, erzählt Díaz beim Zeichnen der blauen Zwerge. Dann darf Bernd, Schlumpf-Fan aus Kassel, die handsignierte Comic-Zeichnung in Händen halten. Und Díaz ruft: „Der Nächste, bitte!“

Von der wissenschaftlichen Seite her versucht das Festival der Bildergeschichte ebenfalls auf den Grund zu gehen. In diesem Jahr steht der Comic-Journalismus im Mittelpunkt. Im ehrwürdigen Kollegienhaus erklärt Augusto Paim aus Weimar, dass Korrespondenten bereits im 19. Jahrhundert mit ihren Zeichenblöcken für Comic-Reportagen unterwegs gewesen seien.

Wie Sebastian Driemer bei einem Streifzug durch die Welt des Comic-Journalismus zeigt, sind Comic-Reporter zwischen Kunst und Information besonders gern an gefährlichen Orten unterwegs. Auf der Suche nach starken Bildern haben Comic-Journalisten wie Joe Sacco ihren Zeichenblock sogar in echte Kriegsgebiete wie nach Ex-Jugoslawien geschleppt. Andere erzählen in ihren dokumentarischen Bildergeschichten wie Andy Warner den Aufstieg der afrikanischen Terrororganisation „Boko Haram“.

Unterhaltsame Wahrheit

Comic-Reporter gehe eben ungern auf langweilige Pressekonferenzen. Für Jörn Ahrens, Professor für Kultursoziologie an der Universität Gießen, könnte diese Abneigung genau den Reiz der Comic-Reportage ausmachen.

Ein Comic-Reporter gaukele dem Leser keine Objektivität vor. „Der Comic wird niemals authentisch die Wirklichkeit zeigen können. Aber gerade wo wir alle dachten, die mit der Hand gezeichnete Bildergeschichte ist medientechnisch tot, wird dieser Nachteil zu seinem Vorteil“, ist sich Ahrens sicher und schwärmt davon, wie Comic-Journalisten ihren Lesern die Welt wahrheitsgetreu aber unterhaltsam vermitteln können.

„Der Comic ist eben einfach intellektueller“, findet Ahrens und würde für diese Liebeserklärung sicher keinen Widerspruch erwarten müssen bei den rund 25000 Besuchern, die am Wochenende die selbst ernannte Comic-Hauptstadt zum 18. „Internationalen Comic-Salon“ besucht haben.

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