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Verhandlung

Cousin missbrauchte Cousine in Neumarkt

Ein Mann wurde in Neumarkt wegen sexueller Handlungen mit der jüngeren Cousine verurteilt. Doktorspielchen haben eine Grenze.
Von Stefanie Roth

In der Mitte Richter Dr. Marcel Dumke mit den beiden Schöffen links und rechts.Foto: Stefanie Roth
In der Mitte Richter Dr. Marcel Dumke mit den beiden Schöffen links und rechts.Foto: Stefanie Roth

Neumarkt.Der Angeklagte ist der Cousin des Opfers. In seiner Jugend soll er sexuelle Handlungen an seiner sieben Jahre jüngeren Cousine vorgenommen haben und sie auch dazu gebracht haben, bei ihm selbst Hand anzulegen. Nun wurde er im Amtsgericht Neumarkt wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern in vier Vorfällen zu einer Jugendstrafe von zehn Monaten zur Bewährung verurteilt und zu einer Geldstrafe von drei Netto-Monatsgehältern, also 4500 Euro in monatlichen Raten von je 300 Euro.

Die Vorfälle liegen bereits über zehn Jahre zurück und sollen sich zwischen 2004 und 2007 zum Teil bei der gemeinsamen Großmutter in Neumarkt und im Kinderzimmer des Mädchens im Landkreis Neumarkt ereignet haben. Der Angeklagte, der heute Ende 20 ist, habe dem Mädchen unter anderem an die Brust gefasst, sei mit dem Finger in ihre Scheide eingedrungen und habe sie zum Oralverkehr bis hin zum Samenerguss gedrängt. Weitere pikante Details gerieten nicht an die Öffentlichkeit. Verteidiger Christopher Lihl aus Neumarkt las die Erklärung des Angeklagten ohne Publikum im Gerichtssaal vor. Das Opfer, das zum damaligen Zeitpunkt etwa zehn bis 13 Jahre alt war, musste nicht anwesend sein, eine Retraumatisierung wurde verhindert.

Im Plädoyer wurde deutlich, dass der Angeklagte den Sachverhalt eingeräumt hat. Klar wurde dabei auch, dass eine zeitliche Einordnung und Rekonstruktion der Geschehnisse aufgrund der langen Zeitspanne kaum machbar sei. Von einer schlanken Beweisaufnahme war die Rede. Feststand für den Staatsanwalt aber, dass die Taten passiert sind und diese vor der Volljährigkeit des Angeklagten stattgefunden haben. Daher ist auch das Jugendstrafrecht anwendbar.

Doktorspielchen oder Missbrauch?

Thematisiert wurde im Plädoyer auch, dass sich Jugendliche in diesem Alter in der „Findungsphase“ befinden. Es ging um die Grenze zwischen Doktorspielchen und Missbrauch – eine Grenze, die allerdings in diesem Fall deutlich überschritten gewesen sein soll. Dem Angeklagten sei allerdings nicht bewusst gewesen, dass es sich um Straftaten gehandelt habe. Schwer wiegt allerdings der Vertrauensmissbrauch im Umfeld der Familie, die dem jungen Mann angelastet wurde.

Der Verteidiger erklärte, dass der Angeklagte ein ordentliches Leben geführt habe, einen Hauptschulabschluss gemacht habe und nach der Ausbildung vom Lehrbetrieb übernommen worden sei. Seit mehreren Jahren habe der Angeklagte auch eine Freundin, mit der er eine Wohnung gekauft habe. Christopher Lihl kam auch auf eine „gewisse Neugier“ bei dem Mädchen zu sprechen, die möglicherweise da gewesen sei, betonte aber, dass er die Sache nicht kleinreden wolle. Letztlich wies er noch darauf hin, dass es zwischen den beiden keinen Sex gegeben habe und dass dies zu berücksichtigen sei.

Gedächtnislücken tauchen auf

Nach mehreren Unterbrechungen fiel am Mittwoch kurz vor 14 Uhr schließlich das Urteil. Richter Dr. Marcel Dumke hatte sich, wie es scheint, intensiv Zeit genommen, um den Sachverhalt aufzuarbeiten. Er war der Auffassung, dass der junge Mann erkennbar versucht habe, sich zu erinnern. Gedächtnislücken seien allerdings nach diesem verstrichenen Zeitraum nichts Ungewöhnliches. Berücksichtigt habe er in seinem Urteil auch, dass sich der Angeklagte geständig gezeigt habe und sich öffentlich im Gerichtssaal entschuldigte.

Das Vertrauensverhältnis sei dennoch in der Familie massiv zerstört worden. Zudem hätte der Mann auch selbst auf die Idee kommen können, seine Taten einzugestehen. Letztlich wies er den jungen Mann eindringlich darauf hin, dass die Geldstrafe in Höhe von 4500 Euro lediglich ein Symbol sei, niemals aber das Geschehene aufwiegen könne.


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