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Donnerstag, 21. Juni 2018 26° 8

Gericht

Da flog die Karre durch die Luft

Als der Streit zwischen Bruder und Schwester eskalierte, griff dieser zur Schubkarre neben sich.
Von Heike REgnet

Der Angeklagte wurde verurteilt. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa
Der Angeklagte wurde verurteilt. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa

Neumarkt.Hat der Angeklagte tatsächlich seiner Schwester eine Schubkarre hinterhergeschleudert oder ist er das Opfer einer Intrige? Um Klarheit zu erhalten, hatte Amtsrichter Rainer Würth drei Zeugen geladen, die er eindringlich ermahnte, bei ihren Aussagen bei der Wahrheit zu bleiben.

Dem 30-jährigen Angeklagten wurde vorgeworfen, am 11. Januar gegen 19 Uhr nach einem Streit vor einem Anwesen, die vor der Tür stehende Schubkarre gepackt und durch die Haustür nach seiner Kontrahentin geschleudert zu haben. Diese wurde am Rücken getroffen und verletzt.

„Wenn Sie dazu etwas sagen wollen, dann erzählen Sie jetzt kein wirres Zeug, sondern die Wahrheit“, so der Richter zum Angeklagten, der hierauf mithilfe einer Dolmetscherin den Vorfall schilderte. Mit Ehefrau, Kind und Vater habe er an jenem Tag nach Polen fahren wollen. Damit sich der Vater von der Schwester verabschieden könne, habe man dort Halt gemacht. Diese wollte für die Mutter in Polen ein Paket mitgeben, doch das lehnte der Bruder ab. Die Schwester habe losgeschimpft, die Ehefrau mit Schimpfwörtern bedacht, worauf der Angeklagte wütend den Schubkarren neben sich anhob und auf den Boden knallte. Mehr sei nicht passiert. Er wisse aber, dass sich seine Schwester hinterher selbst Verletzungen zugefügt habe. Damit wolle sie ihrem Bruder schaden, habe sie dann herumerzählt. Der Streit bestehe schon länger. „Im Moment sprechen wir nicht miteinander.“

Die Ehefrau bestätigte das Gehörte. Man wollte nur Abschied nehmen, doch dann wurde sie als Hure und Nutte beschimpft. Ihr Mann habe sich natürlich aufgeregt, aber keinesfalls die Schubkarre geworfen, sondern nur abgestellt. Als die Schwester aus dem Haus lief, habe sich diese absichtlich am Türrahmen verletzt. Wenn ihr Mann die Schubkarre tatsächlich geworfen hätte, hätte er sie doch umgebracht oder schrecklich verletzt, argumentierte die Ehefrau.

Die Ereignisse hatte auch ein Nachbar beobachtet. Dieser berichtete, dass der Angeklagte zunächst bei ihm mit einer Flasche Wodka in der Hand geläutet habe. „Aber ich hatte keine Zeit und da ist er nach nebenan.“ Kurz darauf ging die Diskussion auf Polnisch los. Ein paar Mal habe der Angeklagte dabei den Schubkarren gepackt und gerüttelt, „so als ob er mit den Hufen rasselt“, ehe er die Karre durch die offene Tür warf. Ob die Geschädigte getroffen wurde, habe er nicht gesehen, aber im Hausgang ging sogar eine Flasche zu Bruch, wie sich hinterher zeigte.

Nervös und aufgeregt war die Geschädigte im Zeugenstand. Sie wurde verletzt und nun brauche sie einen Advokat, schimpfte sie. Alles sei längst notiert. Nachdrücklich erklärte der Amtsrichter, dass er keine Zettel mit Notizen, sondern eine Schilderung der Ereignisse wolle. So legte die Geschädigte los, erzählte vom Waschpulver, dass sie für ihre Mutter mitgeben wollte, vom Streit, bei dem sie wüst beschimpft wurde und von der Schubkarre, die ihr der Bruder in den Rücken warf. Die Folge: Prellungen, Schwellungen und akute Atemnot.

Für Anna Wild von der Staatsanwaltschaft war die Sachlage klar. Die Aussage des Nachbarn war ausschlaggebend und so beantragte sie sieben Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung. Unter Tränen beteuerte der Angeklagte: „Ich hab das aber nicht getan. Ich versteh‘ das nicht.“ Davon unbeeindruckt folgte Richter Würth dem Antrag. Die Bewährungszeit legte er auf drei Jahre fest, dazu 30 Stunden gemeinnützige Arbeit. Der Angeklagte war bisher nicht vorbelastet. Dass er die Schubkarre geworfen habe, stehe für ihn fest. Noch im Sitzungssaal nahm der Angeklagte das Urteil an.

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