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Politik

Darf Neumarkt eine Hochschule bauen?

OB Thomas Thumann will von Staatssekretär Eck wissen, ob die Staatsregierung die Finanzierung durch die Stadt unterstützt.
Von Lothar Röhrl

Die Entscheidung, ob und wie Architekten hier weiterplanen dürfen, liegt seit Donnerstag auf Eis. Foto: Röhrl
Die Entscheidung, ob und wie Architekten hier weiterplanen dürfen, liegt seit Donnerstag auf Eis. Foto: Röhrl

Neumarkt.„Top oder Flop“: Diese Frage begleitet Oberbürgermeister Thomas Thumann auf seiner nächsten Dienstfahrt nach München. Thumann hat Gerhard Eck, den Staatssekretär im bayerischen Innenministerium um Klärung gebeten. Eck soll sich dazu äußern, ob die Stadt Neumarkt alle baulichen Maßnahmen zum Ausbau ihrer Außenstelle der Technischen Hochschule Nürnberg aus eigenen Mitteln finanzieren darf – oder nicht? Das Tagblatt fragte daher bei Experten nach, ob es tatsächlich jetzt um „Alles oder Nichts“ für das Projekt geht.

Auslöser des Ganzen ist eine Ankündigung der beiden Neumarkter FLitZ-Stadträte Dieter Ries und Johann Georg Gloßner, eine Klage gegen die Stadt anzustrengen. Ihrer Meinung nach regele die bayerische Verfassung eindeutig, dass Hochschulbau ureigenste Angelegenheit des Freistaats Bayern zu sein habe. OB Thumann selbst erhofft sich von Eck eine klare Aussage, dass zumindest höchste politische Stellen in Bayern kein Problem bei dieser Finanzierung sehen.

Professor Dr. Ulrich Fricke, der Dekan der Fakultät Betriebswirtschaft der Technischen Hochschule Georg Simon Ohm von Nürnberg, bedauert es zwar, dass es zu einer Verzögerung der Aufnahme des Studienbetriebs in neuen Räumen kommen könnte. Im Moment schließt der Dekan daher eine Zusage über die Zukunft für die Außenstelle Neumarkt aus. „Dazu ist es aber auch sonst viel zu früh“. Grundsätzlich stehe und falle aber alles mit der Raumfrage, gibt Fricke zu. „Es wäre schön, wenn wir möglichst bald in neue Räume einziehen könnten.“

Dekan Prof. Fricke verweist darauf, wie begeistert seine Einrichtung auf die Resonanz für den in Neumarkt angebotenen Studiengang „Management in der Biobranche“ gewesen war. Schon der Start in den Räumen des Hauses St. Marien sei mit 60 Studierenden deutlich über der Erwartung gelegen. Klar aber sei, dass dies nur eine provisorische Lösung sei. Denn neben der räumlichen Enge gebe es noch das mindestens genauso große Problem, dass das Haus St. Marien fußläufig zu weit weg vom Bahnhof sei. Prof. Fricke vermisst, dass die Busverbindung trotz einer Ankündigung seitens der Stadt nicht deutlich verbessert wurde.

„Verwundert über Zeitpunkt“

Seinem Kabinettskollegen Eck will Finanzminister Albert Füracker nicht vorgreifen. Als Stimmkreisabgeordneter habe er sich lange für das Projekt miteingesetzt. Daher zeigt er sich in einer Reaktion gegenüber dem Tagblatt verwundert: „Jahrelang wurden zahlreiche Gespräche auf allen Ebenen geführt, um die Ansiedlung eines neuen Studiengangs als Außenstelle der TH Nürnberg zu etablieren. Das ist ein Erfolg für Neumarkt und die gesamte Region. Ich wundere mich deswegen schon über die kontroversen Diskussionen jetzt in Neumarkt und bin natürlich weiter bereit, die Stadt Neumarkt bei ihren Gesprächswünschen zu unterstützen.“

„Kann“ könnte das entscheidende Wort beim Vorstoß des OB werden. Zwar sei es richtig, dass der Hochschulbau vordringliche Aufgabe des Freistaats Bayern ist. Doch Dr. Achim Sing, Pressesprecher des bayerischen Städtetags, weist darauf hin, dass sich damit auch jede Kommune beschäftigen „kann“. Wenn sie etwa versucht, mit einer Hochschule für ihre jungen Bürger attraktiv zu bleiben. Und zudem ein Anziehungspunkt für junge Menschen aus der Region oder von weiter her werden will. „In Summe kann dieses Bemühen um einen wichtigen Standortfaktor den Einsatz kommunaler Finanzen rechtfertigen“, sagt der Städtetag-Sprecher.

Start-up-Unternehmen Chance

Die Erfahrung habe gezeigt, dass sich an solchen Hochschul-Standorten dann auch immer wieder Absolventen mit Start-up-Unternehmen engagierten. Die Gründer sind Unternehmer, die eine völlig neue Geschäftsidee entwickeln. „Das sind meist kleine, mittelständische Firmen, die viel Erfolg haben können“, betont Dr. Sing. Ohne Neumarkt und die Verhältnisse zu kennen, stellt er in seiner „Ferndiagnose“ fest, dass der beabsichtigte Studiengang „Biomanagement“ genau das für Neumarkt bieten könnte.

Mit dem Vorwurf, die Entwicklung der Stadt zu behindern oder zu zerstören, sieht sich Dieter Ries (FLitZ) zu Unrecht konfrontiert. Er sei für eine Hochschule, aber nicht zu diesem Preis bei so wenigen Studenten für die Neumarkter Bürger – sagt er am Montag dem Tagblatt. Wenn der Stadt die Finanzierung untersagt werden würde, werde sie dennoch Hochschul-Außenstelle bleiben, ist er überzeugt. „Der Freistaat ist ja gezwungen, Studierende auszulagern.“ Aber das solle er überwiegend dann selbst bezahlen, fügt Ries an.

Vergleich mit Campussen hinkt

Im Übrigen: Als nicht zutreffend erweist sich in diesen Tagen ein Vergleich Hochschulpläne für Neumarkt mit dem bereits im Bau befindlichen Technologie-Campus Parsberg/Lupburg. Dieser ist ein Projekt der Technischen Hochschule Deggendorf. Im TC Parsberg-Lupburg wird es um Material-Innovationen gehen. Laut deren Pressesprecher Dr. Jörg Kunz können die beiden Gemeinden Lupburg und Parsberg aus eigenen Mitteln die Immobilie finanzieren, weil bei einem solchen Campus nur Forschung und Entwicklung betrieben werde.

Dazu sind in der Regel nur Professoren anwesend. Weil keine Lehre und damit auch keine Vorlesungen wie bei Ohm-Außenstelle in Neumarkt betrieben werden, sind in der Regel auch keine Studenten anwesend. Die TH Deggendorf betreibt ostbayernweit bereits sechs solcher Campusse; drei sind noch in Planung.

Architektenleistungen fehlen

Das frühere Schwestern- und Altenheim soll Hauptgebäude der Hochschul-Außenstelle Neumarkt werden. Foto: Röhrl
Das frühere Schwestern- und Altenheim soll Hauptgebäude der Hochschul-Außenstelle Neumarkt werden. Foto: Röhrl

Die Vergabe, wer diese zugesprochen bekommen sollte, war auf der Tagesordnung der Stadtratssitzung am vergangenen Donnerstag gestanden. Damit wäre auch entschieden werden, in welchem Umfang am Residenzplatz neu- oder umgebaut wird. Der OB nahm das Thema von der Tagesordnung. Er begründete dies mit der angekündigten FLitZ-Klage.

Vorbereitung von Investoren

Über die weitere Verwendung bestimmter Leerstände wie hier in der Klostergasse gibt es schon genaue Vorstellungen: Daraus könnten auch Studentenwohnungen werden. Foto: Röhrl
Über die weitere Verwendung bestimmter Leerstände wie hier in der Klostergasse gibt es schon genaue Vorstellungen: Daraus könnten auch Studentenwohnungen werden. Foto: Röhrl

Im Umfeld des Residenzplatzes überlegen sich Investoren den Bau von Studentenwohnungen. Wenn die Hochschule nicht käme, wären aber auch kleine Appartements möglich für Alleinstehende, die möglichst innenstadtnah wohnen möchten.

Tiefgarage erweiterbar

In dem Katalog von 20 Millionen Euro Investition enthalten wäre auch eine Erweiterung der Tiefgarage unter dem Residenzplatz um 80 Stellplätze. Foto: Röhrl
In dem Katalog von 20 Millionen Euro Investition enthalten wäre auch eine Erweiterung der Tiefgarage unter dem Residenzplatz um 80 Stellplätze. Foto: Röhrl

Nicht nur wegen der Hochschule könnte die Tiefgarage am Residenzplatz an dieser Stelle wachsen. Dazu würden erst die Häuser an der Kaminfegergasse weggerissen und darunter die Tiefgarage um bis zu 80 neue Stellplätze wachsen.

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