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Kultur

Darshofen wurde zum Schauplatz

Nach 40 Jahren kommt der preisgekrönte Film von Regisseur Josef Rödl wieder auf die Leinwand. An die Dreharbeiten erinnert er sich noch gut.
Von vEra Gabler

Zur Erinnerung an die damaligen Filmaufnahmen hat sich Josef Rödl (rechts) auf den Traktor von Johann Knerr gesetzt. Foto: Gabler

Darshofen. Es war in den 70er-Jahren ein richtiges Abenteuer gewesen: Ein Film sollte in Darshofen gedreht werden. Auf der einen Seite Josef Rödl, der damals als künftiger Regisseur eine Hochschularbeit abzugeben hatte und auf der anderen Seite seine Freunde, die er als Laienschauspieler gewonnen hatte. Jetzt, nach 36 Jahren, wird diese Zeit wieder lebendig, denn am 7. September wird der damals entstandene Film „Albert – Warum?“ im Dorfstadl gezeigt.

Im Gespräch mit dem Neumarkter Tagblatt erinnern sich Josef Rödl und der Wirt Johann Knerr an die Filmaufnahmen. „Ich war 15 Jahre alt und ich durfte einen Dorfjungen spielen“, erzählt Knerr. Als Student hatte Rödl im Vorfeld schon mal eine kleine Szene, „Anna eine junge Bäuerin“, für „Unter unserem Himmel“ mit Laiendarstellern in Darshofen gedreht – die Premiere war gut angekommen. „Dann wollte ich den Stadtleuten zeigen, wie das Dorfleben wirklich aussieht und ich überlegte mir eine Dorfgeschichte aus der Perspektive der Dorfbewohner.“ Wichtig sei ihm auch gewesen, erzählt Rödl weiter, dass in dem geplanten Hochschulfilm die Darsteller bzw. die Dorfbewohner nicht an den Pranger gestellt würden. Wegen des kleinen Budgets konnte das Team nur am Wochenende drehen. „Wir hatten für den Schnitt ein ganzes Jahr gebraucht“, erinnert sich Rödl.

Protagonist des Streifens ist Bauernsohn Albert, ein gutmütiger Riese, der aus der Nervenheilanstalt entlassen wird und in sein Heimatdorf in der Oberpfalz zurück kehrt. Sein Vater hat den Hof inzwischen seinem Neffen Hans übergeben. Albert fühlt sich unnütz, überdies behandeln ihn die Nachbarn nur noch als „Dorfdepp“, auch die Kinder verspotten ihn. Bei den Tieren, die ihn im Gegensatz zu seinen Mitmenschen nicht peinigen, sucht er Trost und Zuflucht – doch auch im Alkohol, der ihn endgültig zerstört. „Zuletzt erhängt er sich in der Kirche am Glockenseil“, verrät Rödl.

Vier Schauspieler standen ihm damals für die Hauptrollen zur Verfügung: Fritz Binner als Albert, Michael Eichenseer als Alberts Vater, Georg Schießl als Hans und Elfriede Bleisteiner als Eva. Rödls Bruder Hans hatte damals den Ton gemacht und die ganze Organisation lag in den Händen von Angela Kifmann. „Der Fritz Binner hat die Premiere leider nicht mehr erlebt“, ergänzt Knerr. Für die Kulissen musste extra ein Schuppen gebaut werden, der im Film komplett abbrennt. Mit einem Strahlen im Gesicht erinnert sich Rödl außerdem an den Bau eines Spielplatzes, bei dem viele Dorfkinder mitgeholfen hatten. Es sei damals mit Kinderfantasie ein Ort entstanden, den kein Erwachsener so hätte planen können. „Wir hatten uns alle auf die Wirklichkeit eingelassen – ein Film in oberpfälzer Dialekt und in schwarz/weiß war das Ergebnis“, sagt Rödl, der für „Albert – Warum?“ den Deutschen Kritikerpreis erhalten hat.

Heute ist der aus Darshofen stammende Regisseur Mitglied der Regie-Jury des Deutschen Filmpreises. Ihm mache es Spaß, Studenten zu beobachten, die sich neue Filmideen ausdenken. Wobei seine Heimkehrergeschichte mit Albert, wie er sie selbst nennt, wohl so schnell nicht wiederholt werden kann. Und wenn am Kulturfreitag die damaligen Laiendarsteller sich selbst wieder auf der Leinwand sehen, dann werden sich noch einige weitere Erinnerungen wach.

Am 7. September wird der Film „Albert Warum?“ von Regisseur Josef Rödl im rahmen des Darshofener Dorffests gezeigt.

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