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Leben

Das Café Immergrün im Burgerhäusel

Lange schlummerte das Kleinod in Neumarkt im Dornröschenschlaf. Marica Münch und andere Helfer haben es wachgeküsst.
Stefanie Roth

Marica Münch, Vereinsvorsitzende im FairKulturCafé „Immergrün“, ist eine der zwölf Ehrenamtlichen, die den Gedanken an Nachhaltigkeit in Neumarkt vorantreiben möchte. Foto: Stefanie Roth
Marica Münch, Vereinsvorsitzende im FairKulturCafé „Immergrün“, ist eine der zwölf Ehrenamtlichen, die den Gedanken an Nachhaltigkeit in Neumarkt vorantreiben möchte. Foto: Stefanie Roth

Neumarkt.Das weiße Häuschen mit dem ziegelroten Dach und dem halbrunden Türmchen im Stadtgraben an der Ringstraße erblüht seit ein paar Monaten zu neuem Leben. Wo sonst Spaziergänger und Fußgänger vom Parkhaus in der Ringstraße achtlos in Richtung Innenstadt vorbeilaufen, ist nun ein Kleinod entstanden, an dem man sich trifft und zusammenkommt. Auch am vergangenen Freitagnachmittag versammelte sich in dem kleinen grünen Stadtidyll eine Menschentraube – zur ersten Pflanzentauschbörse des Vereins „fairKULTURcafé“.

Vereinsvorsitzende Marica Münch hat zwar selbst im Garten schon Gurken ausgesät, aber Tomaten fehlten noch, erzählte sie. Auf der Pflanzentauschbörse vor dem Café „Immergrün“ war die Auswahl groß: „Grüne Zebra“, „Reise Tomate Voyage“, Erdbeer-Tomaten oder Schoko-Tomaten. Marica Münch wurde ebenso fündig wie Christian Wehner aus Neumarkt. „Ich brauche eine Tomate, bei der man nichts machen muss“, sagte der Mann mit suchenden Blicken. Kleine Zettelchen mit Beschriftungen wiesen darauf hin, welche Pflanzen hier aufgereiht sind.

Tomaten und viele Tipps

Auf der Pflanzentauschbörse haben Hobby-Gärtner ihre eigenen Gewächse mitgebracht und getauscht. Foto: Stefanie Roth
Auf der Pflanzentauschbörse haben Hobby-Gärtner ihre eigenen Gewächse mitgebracht und getauscht. Foto: Stefanie Roth

„Die Tomaten sollen auf dem ehemaligen Kompost wachen“, konkretisierte Wehner seine Vorstellungen. Schnell fand er eine Dame, die ihm auf ausgedruckten Fotos zeigte, wie die Tomaten in voller Pracht aussehen. 30 verschiedene Sorten hatte Ingrid Respondek aus Neumarkt mitgebracht. Und obendrauf jede Menge Tipps für Menschen, deren Daumen erst noch richtig grün werden muss. Vor allem eins sollte man beachten: „Tomaten nehmen, die man nicht ausgeizen muss“, rät sie. Zum Beispiel Busch- oder Hängetomaten.

Neumarkt Cafe Immergrün Burgerhäusel

Weiterer Gedanke ausgereift

Obwohl sich das Wetter nicht von seiner schönsten Seite zeigte und graue Wolken am Himmel vorbeizogen, zeigte sich Marica Münch zufrieden. Der jungen Frau und dem Verein gehe es darum, dass sich Gleichgesinnte rund ums Thema Nachhaltigkeit miteinander vernetzen und Gedanken austauschen. Nachdem es im Februar bereits ein Saatgutfestival gegeben habe, sei in den vergangenen Monaten das Vorhaben der Pflanzentauschbörse herangereift.

Wunsch nach bio

„Das ist eine gute Idee“, erzählte ein Paar aus Breitenbrunn. „Wir haben einen großen grünen Garten.“ Klar, dass sie auch selbst etwas mitgebracht hatten. Der Anspruch des Vereins sei gewesen, dass nur Bio-Pflanzen und Bio-Kräuter abgegeben werden. Nachprüfbar sei das bei einer solchen Tauschbörse allerdings nicht, das weiß auch Marica Münch. Mit der Veranstaltung wolle der Verein alternative Lebensformen fördern – und auch für die eigene Küche im „Burgerhäusel“ sollen Kräuter zum Einsatz kommen.

Ehrenamtliche Helfer

Ein Blick auf den Pulverturm – so sah es vor langer Zeit in Neumarkt aus. Foto: Stadtarchiv Neumarkt
Ein Blick auf den Pulverturm – so sah es vor langer Zeit in Neumarkt aus. Foto: Stadtarchiv Neumarkt

Das Haus war nach dem Krieg unter anderem von Familie Burger bewohnt, wie Neumarkts Stadtarchivar Dr. Frank Präger auf Nachfrage erklärte. Daher der Name „Burger“. Ende der 90er Jahre sei das Haus von der Stadt Neumarkt renoviert worden, aber erst seit der Verein in den Räumlichkeiten die faire und alternative Kaffeekultur vorantreibt, zog hier wieder Leben ein. Auch bei der Einrichtung werde der Nachhaltigkeitsgedanke gelebt. Viele Familien aus der Umgebung wie etwa aus Stauf oder aus Sindlbach haben alte und gebrauchte Möbel gespendet, die sonst im Keller verstaubt wären. Münch zeigte auf einen braunen Holzstuhl mit einem türkisblauen Samtpolster. „Manche haben wir mit einem Stoffüberzug einfach aufgepimpt, nichts ist neu gekauft“, sagte sie. An den Wänden hängen viele verschiedene Kunstwerke, aus Papier oder Stein. Künstler und Kreative können sich melden und kostenlos oder gegen eine kleine Spende selbst im „Immergrün“ ausstellen.

Öffnungszeiten im „Immergrün“

Das Vintage-Café hat jeden Donnerstag von 15 bis 19 Uhr und jeden Freitag von 15 bis 22 Uhr geöffnet. Jeden Monat finden etwa vier bis fünf Veranstaltungen statt. Am 17. Mai werden ab 15.30 Uhr Tassen verziert. Marica Münch sagt selbst, dass sie hier von vielen inspiriert wird und dabei auch viel dazulernt, zum Beispiel wie man selbst Waschpulver herstellt oder Haarshampoo. „Was uns verbindet, ist der Gedanke der Nachhaltigkeit“, sagte Münch und fügte hinzu: „Das Café hat ein Alleinstellungsmerkmal in Neumarkt.“ Einen Wunsch hat der Verein dennoch: Im Stadtgraben würden sie gerne eine Bienen- oder Kräuterwiese anlegen.


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