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Das machte Jesus mit dem Gold

Zehn Fakten zu Weihnachten: Ein Neumarkter Theologe erklärt, wohin die Geschenke der Weisen aus dem Morgenland kamen.
Von Philipp Seitz

Die Geburt Jesu – so hat sie sich der Maler Bernardinus Indisur 1567 vorgestellt.
Die Geburt Jesu – so hat sie sich der Maler Bernardinus Indisur 1567 vorgestellt. Foto: fotolia/Renta Sedmkov

1: Wurde Jesus wirklich im Dezember geboren?

Das wissen wir nicht. Es gibt in der Bibel keine Angaben darüber, in welchem Monat Jesus zur Welt gekommen ist. Die Christen haben erst im 4. Jahrhundert begonnen, liturgisch die Geburt Jesu Christi zu feiern. Das Weihnachtsfest ist in einer Zeit entstanden, in der es Auseinandersetzungen mit der heidnischen Religion im römischen Reich gab. Das Geburtsfest des Gottessohnes verbanden die Christen mit dem Termin des Festes für den Sonnengott, das am 25. Dezember begangen wurde. So ist es dann zu diesem Termin gekommen.

2: Warum schliefen Maria und Josef nicht in der Herberge?

Bethlehem war zur Zeit Jesu wohl eher ein kleiner Ort. Archäologen machten dort nicht einmal klassische Herbergen für Karawanen ausfindig. Wir gehen deshalb davon aus, dass es wahrscheinlich keine große Gastronomie in Bethlehem gegeben hat. Und wenn wir das entsprechende griechische Wort in der Bibel richtig übersetzen, dann ist auch nicht von einer Herberge, sondern vielmehr vom Wohnraum die Rede. Obwohl der Orient für seine Gastfreundschaft bekannt ist, kam Jesus also nicht im üblichen Wohnraum zur Welt, sondern eher in einem Stall oder in einer Höhle.

3: Warum suchten sie nicht einen anderen Ort aus?

Das Lukasevangelium berichtet von einer Steuerschätzung, die Josef und Maria zwingt, von Nazareth nach Bethlehem zu gehen. Historiker können einen solchen Verwaltungsakt jedoch nicht belegen. Wichtig ist den Verfassern der Bibel jedoch: Jesus stammt aus dem Geschlecht von König David und ist der langersehnte Messias. Er wird in der Stadt geboren, aus der auch David stammte. Irgendwie muss man sich ja erklären, wie ein Paar aus Nazareth dazu kommt, in Betlehem ein Kind zur Welt zu bringen. Forscher sagen uns, dass möglicherweise die Tatsache eine früheren Steuerschätzung im Jahr 8 vor Christus mit der Geburt in Betlehem verknüpft wurde. Das Matthäusevangelium löst das Problem so, dass die heilige Familie nach Ägypten fliehen mussten, sich aber nach der Rückkehr nicht mehr in Betlehem, sondern im galiläischen Nazareth niederließ.

4: Wie viele Kinder hat Herodes töten lassen?

Wenn man ganz ehrlich ist, muss man sagen: Es ist zur Geburt Jesu kaum etwas historisch belegt. Herodes hatte sehr grausame Züge und war bereit, sprichwörtlich „über Leichen zu gehen“, wenn es für seinen Machterhalt notwendig war. Doch diese Geschichte von der Kindstötung durch Herodes kann nicht verifiziert werden. Diese Erzählungen wollen aber auch nicht historisch verstanden werden. Es geht einfach darum, den Symbolwert zu sehen und zu erkennen, dass dieser Jesus, der König der Juden, der Retter, der Erlöser, von Anfang an angefeindet und verfolgt wurde. Dies sind Dinge, die wesentlich wichtiger sind als die Historizität, als die Frage, ob es tatsächlich alles so verlaufen ist und alles existiert hat.

5: Wie kamen Ochs und Esel in die Weihnachtskrippe?

Die Darstellung von Ochs und Esel an der Krippe ist erst Jahrhunderte nach der Geburt Jesu entstanden. Wir können nicht davon ausgehen, dass es einen solchen Stall gegeben hat, wie wir ihn heute in Europa kennen. Es ist nicht automatisch so, dass sich Ochs und Esel den Stall oder die Höhle mit Jesus und seiner Familie geteilt haben. Die Tiere sind sozusagen in unsere Krippendarstellungen hineingeraten. Es sind zwei eher für ihre Dummheit belächelten Tiere, die ganz nahe beim neugeborenen Messias sind. Schon das Alte Testament lobte Ochs und Esel, die im Gegensatz zum Gottesvolk die Krippe ihres Herrn erkennen. Die Weihnachtsgeschichten greifen oft alttestamentliche Motive auf.

6: Wie müsste man sich die Geburtsstätte vorstellen?

Weihnachten ist von der Erzählung her ein schön konkretes Fest mit einem Kind und einer Familie. Die Geburt eines Kindes kann sich jeder gut vorstellen. Doch wir unterliegen immer wieder der Versuchung, dass wir uns das alles nach unseren Vorstellungen ausmalen. Das Lukasevangelium will gar nicht so sehr die Szenerie der Geburt in den Vordergrund rücken, sondern eher die Verkündigung der Engel: Sie haben die Botschaft gebracht „Heute ist Euch in der Stadt Davids der Heiland geboren, der Retter, der Herr“. Das sind eigentlich die zentralen Aussagen der weihnachtlichen Bibeltexte. Die Geburtsstätte Jesu können wir uns vielleicht so vorstellen: In den orientalischen Häusern, die meist würfelförmig oder in palästinischen Dörfern nur einstöckig waren, war im hinteren Teil des Hauses der Platz für das Vieh. Hier hatten die Ziegen, Schafe und Hühner, vielleicht auch ein Esel ihren Platz. Und in diesem Bereich, im hinteren Teil des Hauses, könnte die Familie Unterschlupf gefunden haben. Möglich wäre aber auch, dass Jesus in einer Höhle zur Welt kam. In Bethlehem gibt es am Ortsrand tatsächlich Höhlensysteme.

7: Warum rücken die Könige näher an die Krippe heran?

Dieses Heranrücken der Könige an die Krippe ist eher eine Spielerei. Wir machen das zu Hause auch. Aber es ist so: Das Matthäusevangelium spricht von weisen Männern, die offenbar sternkundig waren: Sterndeuter. Die Rede ist nicht einmal von Dreien, sondern von Sterndeutern, die aus dem Osten kamen. Das Matthäusevangelium berichtet uns von den drei Gaben Gold, Weihrauch und Myrrhe. Aufgrund dieser Textstelle haben die Menschen darauf geschlossen, dass es wohl drei Sterndeuter sein mussten. Aber über die exakte Zahl der Männer schweigt das Evangelium. Sie stehen übrigens für die heidnischen Völker: Auch für sie will der neugeborene Jesus ein Herr und König sein.

8: Warum wurden die Sterndeuter zu Königen?

Weil die Gaben wohl so wertvoll waren, hat man im Laufe des Mittelalters aus den Sterndeutern später Könige gemacht. Die Namen Caspar, Melchior und Balthasar tauchten erstmals in Legendes des 6. Jahrhunderts auf. All dies geht jedoch auf spätere Legenden, Auslegungen und künstlerische Darstellungen und nicht auf den Originaltext des Matthäusevangeliums zurück.

9: Wo sind die Geschenke des Jesuskinds hingekommen?

Darüber gibt es in der Bibel natürlich keine Angaben. Wir wissen ja, dass Josef ein Bauhandwerker war, der sich auf den Baustellen der Umgebung wahrscheinlich sein Geld verdiente, und dass Jesus wohl ebenfalls diesen Beruf ausgeübt hat. Wir gehen davon aus, dass die Familie von Josef, Maria und Jesus keine reiche Familie war. Diese Gaben können der Familie also offensichtlich nicht zu Reichtum verholfen haben. Es handelt sich bei den Gaben der Sterndeuter aus dem Osten wohl um Symbole, die nicht historisch zu verstehen sind: Sie stehen für die Göttlichkeit und den menschlichen Lebensweg des neugeborenen Gottessohnes.

10: Wie können wir uns die Geburt Jesu vorstellen?

In der Bibel heißt es ganz einfach: Sie gebar ihren Sohn, den Erstgeboren, wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe. Ein einfacher Satz, der so in Lukas 2,6 zu lesen ist. Das Thema Jungfräulichkeit Mariens ist jedoch kein Thema der Bibel. Diese Vorstellung ist erst im Laufe der Kirchengeschichte entstanden, als man sich überlegte: Ist Jesus Gott oder ist er Mensch, oder ist er beides in einem? Zu dieser Zeit kam auch die Frage auf: Wie schätzen wir Maria ein, die den Gottessohn auf die Welt gebracht hat? Wenn Maria den Sohn Gottes zur Welt gebracht hat, dann mussten die Umstände der Geburt besonders gewesen sein. Man griff in der kirchlichen Lehre die Vorstellung von der immerwährenden Jungfräulichkeit Marias auf, die sich ab dem 2. Jahrhundert entwickelt hatte. Das ist aber keine Sache, die schon in der Bibel thematisiert wird. Wenn wir nur fragen: War das historisch tatsächlich so?, kommen wir vielleicht dem Geheimnis der Geburt Jesu nicht näher.

Der Neumarkter Diplomtheologe Christian Schrödl hat unsere Fragen beantwortet. Hier erfahren Sie mehr über ihn:

Zu Christian Schrödl

  • Person:

    Der Diplomtheologe Christian Schrödl ist seit 2013 Dekanatsreferent der katholischen Kirche für die Dekanate Neumarkt und Habsberg. Der Neumarkter studierte an der Universität Regensburg und schrieb seine Diplomarbeit über das Weihnachtsevangelium.

  • Aufgabe:

    Als Dekanatsreferent will der 42-Jährige dafür sorgen, dass wieder mehr Menschen den Weg in die Kirche finden. Er fungiert als Ansprechpartner für Ehrenamtliche in den Pfarreien, bereitet Sitzungen der Gremien vor und vertritt Dekan Richard Distler.

  • Ehrenamt:

    Für Schrödl ist seine Tätigkeit die Chance, nach vielen Jahren im Ehrenamt die Kirche hauptamtlich mitzugestalten. Schrödl bringt sich derzeit als Pfarrgemeinderat in der Pfarrei St. Johannes ehrenamtlich ein. Er war Dekanatsjugendvorstand des BDKJ.

Hier sehen Sie die Weihnachtsgeschichte als Video nacherzählt:

Was hat es mit dem Stern von Bethlehem auf sich und warum muss Postbauer-Hengs Bürgermeister im Januar ebenfalls als Sternsinger von Haus zu Haus ziehen? Lesen Sie alles in unserem MZ-Spezial zu den Sternsingern.

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