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Delfin-Paten zahlen jährlich 7500 Euro

Der Verein der Tiergartenfreunde in Nürnberg vermittelt Patenschaften – und steuert Millionen für den Zoobetrieb bei.
Von Katrin Böhm

Dr. Lorenzo von Fersen ist zweiter Vorsitzender des Vereins der Tiergartenfreunde.
Dr. Lorenzo von Fersen ist zweiter Vorsitzender des Vereins der Tiergartenfreunde. Foto: Böhm

Nürnberg.Es ist eine Zahl, die sich sehen lassen kann: 7,3 Millionen Euro hat der Verein der Tiergartenfreunde seit seiner Gründung im Jahr 1958 gesammelt und dem Tiergarten zukommen lassen. Allein für das Manatihaus, das bis dato größte Projekt des Vereins, trugen die Mitglieder 2,5 Millionen Euro zusammen. „Wir sind einer der bedeutendsten Bürgervereine Nürnbergs“, sagt Dr. Lorenzo von Fersen, zweiter Vorsitzender des Vereins und zugleich Kurator für Forschung und Artenschutz im Tiergarten. Und außerdem ein Verein, der beständig wächst. „Wir haben Zuwachszahlen von zehn Prozent pro Jahr – und das kontinuierlich seit Jahren.“

Erst Ende Mai wurde bei dem Verein die 3000. Mitgliedschaft unterschrieben, innerhalb weniger Monate ist die Zahl auf 3100 gestiegen, sagt von Fersen – nicht unterschätzen dürfe man, dass sich hinter den gut 3000 Mitgliedschaften mehr als 7000 Einzelpersonen verbergen. „Wir sind darüber sehr glücklich, denn es ist ja unser Ziel, den Tiergarten in seinem Bestreben, attraktiver zu werden, zu unterstützen.“

Mittlerweile gelingt es dem Verein, jedes Jahr eine kleinere Anlage mitzufinanzieren. In den vergangenen Jahren waren das das Mediterraneum, das Luchsgehege und die Fischkatzen-Anlage. Für die erst im Juli eröffnete Bartgeier-Voliere steuerte der Verein 100 000 Euro bei. Ausnahmsweise gibt es heuer sogar noch ein zweites Projekt – der Verein finanziert auch die Renovierung des Geheges der so beliebten Totenkopfäffchen, die bis zum Spätherbst abgeschlossen sein soll, wenn alles gut geht.

Geld für Bauprojekte und Forschung

Dabei sieht sich der Verein durchaus nicht nur als Geldgeber in Sachen Bau und Renovierung, sondern unterstützt auch Forschungsprojekte des Tiergartens – zum Beispiel die Stressforschung bei den Eisbären oder die Delfinforschung, sei es im Tiergarten oder im Freiland. Engagiert sind die Mitglieder auch in der Werbung um neue Mitglieder. Ein Helferkreis aus 15 bis 18 Ehrenamtlichen ist häufig im Tiergarten auf Weihnachtsmärkten oder Messen präsent, um Broschüren zu verteilen oder Fragen zu beantworten. „Die sind sehr aktiv.“

Die Einnahmen des Vereins stammen zum Großteil aus Mitgliedsbeiträgen, immer wieder aber erhält der Verein auch Nachlässe und Spenden. Eine wichtige Einnahmequelle sind außerdem Tierpatenschaften, die über den Verein vermittelt werden. „Das Interesse daran steigt stetig“, sagt von Fersen.

Am beliebtesten sind Patenschaften für ein Erdmännchen – eine symbolische Patenschaft kostet 100 Euro pro Jahr. Symbolisch ist sie darum, weil das Geld der ganzen Tierart zu Gute kommt, nicht einem einzelnen Erdmännchen. Tief in die Tasche greifen müssen Interessierte, wenn sie die Patenschaft für einen Eisbären, ein Nashorn oder einen Delfin übernehmen wollen: Die kosten 7500 Euro pro Jahr. Eine Patenschaft für ein Totenkopfäffchen, einen Pavian oder einen Luchs gibt es für 1000 Euro. Am günstigsten sind die Madagaskar-Fauchschabe und die Meerschweinchen: Sie kosten 30 Euro pro Jahr.

Wer Mitglied im Verein ist, muss in der Regel keinen Eintritt für den Zoo zahlen. „Ich dachte früher immer, die Leute wollen nur Mitglied werden, um kostenlos in den Tiergarten zu kommen. Aber da habe ich mich getäuscht. Die sind tatsächlich an den Tieren interessiert“, sagt von Fersen. „Da wird dann nicht nur nach einer Art gefragt, sondern da steht das Individuum im Mittelpunkt. Da wird gefragt, wie es dem Delfin Moby oder dem Gorilla Fritz geht.“

Das Interesse an Tieren macht von Fersen auch an Aktionen wie dem Mittsommernachtsfest, das nur für die Vereinsmitglieder veranstaltet wird, fest. In diesem Jahr durften die Teilnehmer beispielsweise durch das Nashorn-Gehege streifen – 1300 Mitglieder kamen. „Das ist natürlich ein Wahnsinn.“

Eine kritische Fangemeinde

Beliebt sind neben den kostenlosen Vorträgen über Tierthemen auch die Fragestunden mit der Tiergartenleitung, die zweimal im Jahr exklusiv für Mitglieder stattfinden und bei denen Anregungen und Kritik weitergegeben werden. Denn zwar sei der Verein wie eine große Fangemeinde, es sei aber nicht so, dass die Leute nicht kritisch sind, sagt von Fersen.

Sie prangern durchaus an, wenn zum Beispiel die Beschilderung irgendwo nicht passt. Oder das Toilettenpapier. Das ist auch durchaus erwünscht – eben, um den Tiergarten attraktiver zu machen. Manche Vorschläge könne der Zoo aber schlicht nicht umsetzen, sagt von Fersen. Immer wieder werden etwa Wünsche nach neuen Tierarten laut. „Das ist dann einfach nicht machbar.“

Mitgliedsbeiträge: Einzelperson (mit Eintritt in den Zoo): 80 Euro; Partner: 135 Euro; Familie (Eltern oder Großeltern und eigene Kinder/Enkel bis 18 Jahre): 155 Euro.

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