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Tourismus

Der Anspruch der Urlauber wächst

Seit 50 Jahren besteht der Naturpark Altmühltal. Die beliebte Urlaubsdestination muss und will sich dem Wettbewerb stellen.
Von Markus Rath

Die Touristen sind inzwischen anspruchsvoller geworden. Bei einer Stadtführung wollen sie oft nicht nur informiert werden, sondern zum Beispiel unterstützt von Schauspieleinlagen in die Historie des Ortes eintauchen. Foto: Markus Rath
Die Touristen sind inzwischen anspruchsvoller geworden. Bei einer Stadtführung wollen sie oft nicht nur informiert werden, sondern zum Beispiel unterstützt von Schauspieleinlagen in die Historie des Ortes eintauchen. Foto: Markus Rath

Berching.Die Behauptung, dass selbst Bomben und Artillerie zum Segen werden können, wenn es darum geht, den Naturschutz voranzubringen, ist sicherlich etwas vermessen. Wobei nicht von der Hand zu weisen ist, dass viele fast ausgerottete Tiere und Pflanzen in der sogenannten Impact Area (zu deutsch Bombenabwurfareal) des Truppenübungsplatzes Grafenwöhr eine neue Blüte erleben. Und 1969 hat allein die Drohung, dass die Bundeswehr genau so einen Bombenabwurfplatz ins heutige Naturparkgebiet verlegen könnte, ausgereicht, regionale und kulturelle Unterschiede zwischen Franken, Altbayern und Schwaben zu überwinden und gemeinsam den Naturpark Altmühltal zu erschaffen. Gleichzeitig sollte das bereits zart aufblühende Pflänzchen des Fremdenverkehrs mit Parkplätzen und Wanderwegen gedüngt werden, damit es zu einem zweiten Standbein für die vermehrt unter Druck geratenden Landwirte wurde.

Mithilfe der Stabsstelle für Stadtmarketing will Berching seine Potenziale besser nutzen. Geleitet wird sie von Veronica Platzek (rechts). Sie arbeitet eng mit Tourismuschefin Aniko Kerl und Bürgermeister Ludwig Eisenreich zusammen.
Mithilfe der Stabsstelle für Stadtmarketing will Berching seine Potenziale besser nutzen. Geleitet wird sie von Veronica Platzek (rechts). Sie arbeitet eng mit Tourismuschefin Aniko Kerl und Bürgermeister Ludwig Eisenreich zusammen.

Wichtiger Wirtschaftsfaktor

Wie heute bekannt ist, ging der Plan auf, die Region erlebte in den vergangenen 50 Jahren einen enormen touristischen Aufschwung. Die rund 300 000 gewerblichen Übernachtungen stiegen auf rund 1,6 Millionen an, dazu kommen noch rund zwei Millionen Übernachtungen in Privatzimmern und Ferienwohnungen. Sie ließen den Tourismus zu einem wichtigen wirtschaftlichen Faktor für die Region werden, die auch deshalb laut Christoph Würflein, Geschäftsführer des Naturpark Altmühltal, so niedrige Arbeitslosenzahlen hat, weil der Tourismus wohnortnahe Arbeitsplätze geschaffen hat und gleichzeitig durch die hohen Besucherzahlen auch noch den Einzelhandel und das Gewerbe ankurbelt. Dabei blieben die Themen, mit denen die Menschen in die Region gelockt wurden, relativ gleich: „Der erste Prospekt des 1954 gegründeten Tourismusverbands zeigt einen Kanuten, einen Wanderer, einen Radfahrer und ein Cabrio“, erzählt Würflein.

„Heute wollen unsere Gäste drei Sterne oder mehr“, sagt Christoph Würflein. Die Gäste würden sich zwischen Discounter und Luxus entscheiden, die gute Mitte werde von beiden Segmenten „gefressen“. Deshalb sei es wichtig, die Region ständig weiterzuentwickeln.
„Heute wollen unsere Gäste drei Sterne oder mehr“, sagt Christoph Würflein. Die Gäste würden sich zwischen Discounter und Luxus entscheiden, die gute Mitte werde von beiden Segmenten „gefressen“. Deshalb sei es wichtig, die Region ständig weiterzuentwickeln.

Diese Themen ziehen heute noch genauso und gewinnen bedingt durch das größer werdende Umweltbewusstsein der Menschen sogar deutlich an Bedeutung. Verändert haben sich aber der Anspruch der Gäste und ihr Besuchsverhalten. Würflein: „Früher kamen die Gäste aus den großen Städten zur Sommerfrische in den Naturpark und blieben oft für bis zu drei Wochen. Heute haben wir viele Kurzurlauber, die etwas erleben wollen.“

Das bestätigt auch die Berchinger Stadtführerin Herma Dess.

Handwerke, Nachtwächter oder Stadtgendarm. Berchings Stadtführer lassen die Stadtgeschichte anschaulich und amüsant aufleben. Sie verraten dabei sogar eine echte italienische Liebesgeschichte aus dem 19. Jahrhundert.
Handwerke, Nachtwächter oder Stadtgendarm. Berchings Stadtführer lassen die Stadtgeschichte anschaulich und amüsant aufleben. Sie verraten dabei sogar eine echte italienische Liebesgeschichte aus dem 19. Jahrhundert.

„Früher haben wir große Gruppen geführt und den Besuchern einfach die Stadt gezeigt. Heute sind thematische Führungen, oft mit Schauspieleinlagen aus der Zeit, gefragt.“ Berching mit seiner Vergangenheit als Wohnort mehrerer großer Weinhändler und italienischer Familien biete sich dafür aber auch an. Die Gruppen seinen auf jeden Fall kleiner und der Gästeführer müsse auf seine Kunden eingehen und auch in der Lage sein, verschiedenste Fragen zu beantworten. Dess: „Mit hat ein Mann mal nach unserer Wasserhärte gefragt, ein andere hat mich gebeten, ihm jede Jahreszahl zu nennen, die ich kenne.“ Der Gast sei historisch so gebildet gewesen, dass die Führung mehr als zweieinhalb Stunden dauerte. „Ich glaube, ich habe selten so viel gelernt.“ Entscheidend sind für sie aber die Begegnungen mit den Menschen: „Ich hatte schon eine Gruppe mit Strafgefangenen und einmal auch eine Reisegruppe aus der DDR. Sie haben mir am Ende gleich gesagt, dass sie eigentlich kaum Geld haben, um mich zu bezahlen, und mir einen Teddybären als Lohn überreicht.“

Anspruch der Gäste wächst

Doch nicht nur der Anspruch hat sich verändert, auch die Gäste selbst sind ein völlig neues Klientel. Rosina Grad aus Ottmaring vermietet bereits seit fast 30 Jahren eine Ferienwohnung. „Früher kamen mehr Familien mit Kindern, da die Wohnung entsprechend Platz bietet. Heute ist es eher die Generation 50 plus, oft sind es befreundete Ehepaare.“ Sie erzählt, dass die Gäste die Region früher auch als Ausgangspunkt für Ausflüge per Auto nach Nürnberg, Ingolstadt, Regensburg oder auch München nutzten. Eltern und Kinder gingen auch gerne ins Freibad, spielten Minigolf und hielten sich auf Spielplätzen auf.

 Jochen und Dagis Arlandt besuchen zum vierten Mal die Ferienwohnung von Rosina Grad. Jochen Arlandt liebt die kleinen Städte, Kirchen und Sehenswürdigkeiten, seine Frau die Ruhe. Beide schätzen die bayerische und speziell die regionale Küche.
Jochen und Dagis Arlandt besuchen zum vierten Mal die Ferienwohnung von Rosina Grad. Jochen Arlandt liebt die kleinen Städte, Kirchen und Sehenswürdigkeiten, seine Frau die Ruhe. Beide schätzen die bayerische und speziell die regionale Küche.

Heute seien die Gäste gerne in der schönen Natur unterwegs. Grad: „Manche nutzen die Wanderwege, auch die der Nachbargemeinden, andere fahren Rad. Durch die E-Bikes ist ihre Zahl mehr geworden, weil sich auch ältere Herrschaften trauen, damit zu fahren und ihren Komfort schätzen.“ Das gilt auch für die Unterkunft: Laut Grad, die eine Vier-Sterne-Wohnung anbietet, sind Funknetz, Internetzugang und schnelles WLAN wichtig, weil oft mehrere Geräte wie Handy und Tablet am Netz hängen. Gern gesehen seien auch eine gute Ausstattung der Küche mit Geschirrspüler, ein großer Flachbildfernseher und viel Info-Material.

Denn nur, wenn der Gast sich wie im Paradies fühlt, wird ein treuer Stammgast gewonnen, der auch wiederkommt und die Region so lyrisch preist wie ein evangelischer Pfarrer: „Er hat zur Melodie von ‚Wenn ich ein Vöglein wär‘ einen Lobpreis auf Gastgeber, Wohnung, Landschaft und Sehenswürdigkeiten gedichtet.“

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50 Jahre Tourismus

  • Impulse:

    Mithilfe der Stabsstelle für Stadtmarketing will Berching seine Potenziale besser nutzen. Geleitet wird sie von Veronica Platzek (rechts). Sie arbeitet eng mit Tourismuschefin Aniko Kerl und Bürgermeister Ludwig Eisenreich zusammen.

  • Wettbewerb:

    „Heute wollen unsere Gäste drei Sterne oder mehr“, sagt Christoph Würflein. Die Gäste würden sich zwischen Discounter und Luxus entscheiden, die gute Mitte werde von beiden Segmenten „gefressen“. Deshalb sei es wichtig, die Region ständig weiterzuentwickeln.

  • Themenführungen

    : Handwerke, Nachtwächter oder Stadtgendarm. Berchings Stadtführer lassen die Stadtgeschichte anschaulich und amüsant aufleben. Sie verraten dabei sogar eine echte italienische Liebesgeschichte aus dem 19. Jahrhundert.

  • Wiederholungstäter:

    Jochen und Dagis Arlandt besuchen zum vierten Mal die Ferienwohnung von Rosina Grad. Jochen Arlandt liebt die kleinen Städte, Kirchen und Sehenswürdigkeiten, seine Frau die Ruhe. Beide schätzen die bayerische und speziell die regionale Küche.

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