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Passionsspiele

Der Chor ist Begleiter und Moderator

Dem Neumarkter Chorleiter Peter Bruckschlögl gefällt, welche Rolle Regisseur Ritz den rund 120 Mitgliedern zugedacht hat.
Von Lothar Röhrl

In roten statt, wie ursprünglich geplant, lila-farbenen Schärpen postierte sich neulich der Passionsspiele-Chor dem Fotografie-Meister Walter Hailer beim Foto-Termin. Foto: Lothar Röhrl
In roten statt, wie ursprünglich geplant, lila-farbenen Schärpen postierte sich neulich der Passionsspiele-Chor dem Fotografie-Meister Walter Hailer beim Foto-Termin. Foto: Lothar Röhrl

Neumarkt.Bei den Neumarkter Passionsspielen 2019 wird so viel anders sein als bei den Spielen zuvor. Deutlich wird das auch beim Passionsspielchor. Wer im Alltag eine Brille benötigt, kann sie während der Aufführung tragen. Wem eine Uhr am Handgelenk gewohnt ist, muss sie während der Phasen, in denen der Chor gut sichtbar ist, nicht ablegen. Und erstmals treten alle Sängerinnen und Sänger geschminkt auf. All das gehört zum neuen Rollenverständnis, das dem Chor bei den Passionsspielen 2019 gegeben wird.

Seit klar ist, dass Michael Ritz Regisseur der Neumarkter Passionsspiele im Jahr 2019 sein wird, ist Peter Bruckschlögl gefordert. Was vor eineinhalb Jahren begonnen hatte, biegt in diesen Tagen in die Zielgerade ein: Die letzten eigenständigen Proben liegen schon hinter Chorleiter Bruckschlögl und die rund 120 Sängerinnen und Sänger. Jetzt wird der Chor in die Handlung eingefügt. Da wird umgesetzt, was sich Bruckschlögl und Ritz in diesen eineinhalb Jahren ausgedacht haben. Die geschilderten Äußerlichkeiten wie Brille und so weiter sind eines der Ergebnisse dieser Überlegungen.

Eine Menge Neulinge

Rund 120 Mitwirkende umfasst der Chor. Bruckschlögl freut sich, dass es eine „sehr gute Proportion zwischen Frauen und Männern – und das auch bei bis zu neunstimmigen Sätzen“ gebe. Die Hälfte davon war schon 2009 dabei. Die Hälfte ist neu. „Sie kommen aus dem gesamten Landkreis Neumarkt. Viele sind in kirchlichen Chören aktiv. Es gibt aber auch etliche, die schon Erfahrung in einem Chor haben und jetzt speziell bei einem Passionsspiel mitmachen wollten.“ So charakterisierte Peter Bruckschlögl in einem ausführlichen Gespräch mit dem Neumarkter Tagblatt den Chor. Nach den vielen Treffen mit Regisseur Michael Ritz, bei denen am Konzept für die gesangliche Umrahmung gefeilt worden ist, freut sich Peter Bruckschlögl auf das, was ab 9. März die Zuschauer der 18 Aufführungen der Passionsspiele in der kleinen Jurahalle gleichermaßen zu sehen und zu hören bekommen. „Das wird ein Gesamtkunstwerk. Musik und Schauspiel werden in den meisten Bildern ineinandergreifen.“

Wenn sich jeder ein wenig etwas von den Botschaften, die Jesus damals an die Menschen gerichtet hatte, abschauen würde, wäre die Welt in der heutigen Zeit um vieles besser.“

Peter Bruckschlögl, Leiter des Chors der Passionsspiele 2019

Dabei wird der Chor um einiges seltener zu sehen sein, als das noch 2009 der Fall gewesen war. Damals hatte Gerhard Hein die Gesamtspielleitung. „Der Regisseur wollte, dass der Chor die Funktionen eines Kommentators beziehungsweise eines Begleiters bei einer Meditation über das gerade Gesehene übernimmt.“ Als Beispiel nannte Peter Bruckschlögl die Geißelung von Jesus. Die harte Szene wird von einem relativ weich klingenden Stück aus der Renaissance umrahmt. In diesem Zeitraum 15. und 16. Jahrhundert waren Musikstücke angesagt, die auf Wohlklang bedacht waren.

Dieser und ähnliche Kontrapunkte beziehungsweise weitere Bestandteile der musikalischen Konzeption sind bei unzähligen Telefonaten und einer Menge Gespräche entstanden. „Wir haben gegenseitig davon profitiert, vieles miteinander erarbeitet oder auch einiges verworfen“, beschrieb Bruckschlögl die Arbeitsatmosphäre der Treffen.

„Chor ist der Diener für ein Bild“

Peter Bruckschlögl leitet auch bei den Spielen 2019 den Chor. Foto: Röhrl
Peter Bruckschlögl leitet auch bei den Spielen 2019 den Chor. Foto: Röhrl

Dabei ging es etwa um die Auswahl der Stücke. Mit vielen seiner Vorschläge sei Michael Ritz einverstanden gewesen. Einige davon seien Stücke gewesen, die bisher noch in keinem Neumarkter Passionsspiel vorgekommen sind. Die sogenannten „Klassiker“ aus den vergangenen Passionsspielen blieben. Darunter ist beispielsweise „Wenn ich einmal soll scheiden“ aus der Matthäuspassion von Johann Sebastian Bach. „Mal wurde gekürzt, mal wurde aber auch erweitert“, fasste Bruckschlögl zusammen, zu welchem Ergebnis die Zusammenarbeit mit Regisseur Ritz gekommen sei. All das stand unter dessen vorgegebener Prämisse: „Der Chor ist der Diener für ein Bild.“ Freilich: Diese Herangehensweise machte bisher auch den Unterschied zwischen Passionsspielen und üblichen Konzerten während der jeweiligen Probenphase aus.

Apropos Konzerte: Ganz allein auf das Großereignis heuer im März und April fixiert waren Peter Bruckschlögl und alle, die in seinem Münster-Chor St. Johannes mitwirken, nicht. Denn es waren ja auch noch die kirchenmusikalischen Herausforderungen in der Weihnachtszeit zu meistern. Und derzeit lassen die gleichen in der kommenden Karwoche und an Ostern schon grüßen. Peter Bruckschlögl ringt das großen Respekt ab. Dazu sagte er: „Es ist enorm, was sich die Leute da auch von sich selbst abverlangen. Dabei bleibt alles weiter ihr Hobby.“ Was schon vor Weihnachten der Fall war, setzt sich im Hinblick auf das – wie es Peter Bruckschlögl formulierte – „unser höchstes Fest“ (Ostern) fort.

Dabei wird dem Chor nicht nur stimmlich einiges abverlangt. Auch Disziplin während der Aufführungen ist gefordert: Das oberste Gebot ist „Ruhe hinter der Bühne und um sie herum“. Dabei helfen ihm sechs Chorsprecher. Diese hat Bruckschlögl ernannt, um die Ordnung bei der Aufstellung und beim Gang zu den Auftrittsorten auf beziehungsweise hinter der Bühne zu garantieren.

Keine modernen Instrumente

Zusammen mit dem Regisseur löste Peter Bruckschlögl auch eine besondere Vorgabe von diesem: „Es sollten keine modernen Instrumente verwendet werden. Sondern vornehmlich Instrumente, die aus der Zeit vor rund 2000 Jahren stammen. Mit ihnen sollte der Besucher in die damalige Zeit eintauchen können.“

Diese Instrumente werden größtenteils auch live gespielt. So kam Michael Ritz auf die Idee, ein Semantron einzusetzen. Dabei handelt es sich um eine Art Glocke, die in der orthodoxen Kirche verwendet wird. Dieses hölzerne Schlagbrett erzeugt einen brachialen Klang. Jeder Schlag soll dem gleichen, mit dem Jesus ans Kreuz genagelt wird. Florian Meier bedient dieses. Von der Werkvolkkapelle kommen jene fünf Spieler, die sich auf zwei besondere Blasinstrumente „in Heimarbeit“ im wahrsten Sinn des Wortes eingestimmt haben: Dabei handelt es sich um ein „Cornu“. Das ist eine römische Tuba. Ihre Form gleicht dem Großbuchstaben „G“. Diese klingt nicht so voll wie eine Trompete. „Wer die Asterix-Zeichentrickfilme kennt, hat dabei schon ein Cornu gehört. ‚Engmensuriert‘ nennt sich der schneidende Klang einer solchen Tuba“, erklärte Bruckschlögl.

Wie schwer eine Nãy, das ist eine uralte persische Flöte, zu spielen ist, weiß Peter Bruckschlögl nur zu gut. Denn er hat bei seinem Musikstudium in Querflöte ein Examen abgelegt. „Diese wurde zur Zeit, in der Jesus gelebt hat, gespielt. Mit ihrem typischen orientalischen Klang ist sie zur Umrahmung inniger und schöner Szenen sehr gut geeignet. Für die Passionsspiele wurden Aufnahmen ausgewählt, die ein amerikanischer Flötist, der auf Nãy spezialisiert ist, eingespielt hat.

Wie diese Flötentöne werden auch mit einer Orgel eingespielten Passagen sozusagen „über Band“ beigefügt. Die Organistin Anna-Lena Krysa hat die Stücke auf der Orgel der St. Martin geweihten Pöllinger Kirche intoniert. „Diese Orgel hat einen tollen Klang“, schwärmte Bruckschlögl von den Aufnahmen.

Quasi auch ein Kind der Spiele

Er selbst ist quasi mit den Neumarkter Passionsspielen aufgewachsen. Als Kind wirkte er 1984 und 1989 im Volk mit. 1999 musste er wegen seines Studiums passen. 2009 war er bereits musikalischer Leiter und damit eben auch für den Chor verantwortlich. Sozusagen „Auslöser“ dafür, dass die Passionsspiele ihn Zeit seines Lebens begleiten, ist sein Vater Oswald gewesen. Bevor dieser in den Chor gewechselt ist, hatte Oswald Bruckschlögl schon zwei Mal eine Rolle im Hohen Rat.

Bruckschlögl hat sich über den musischen Part hinaus mit der Bedeutung des Passionsspiels für sich selbst Gedanken gemacht. Die Frage „Wie vereinbaren wir es mit uns selbst, wie wir miteinander umgehen?“ stellte sich dabei als zentraler Punkt heraus. Die Antwort darauf hat er auch gefunden: „Wenn jeder sich etwas ein wenig von dem abschauen würde, was Jesus als Botschaften gesagt hatte, wäre die Welt um vieles besser. Daher finde ich, dass ein Passionsspiel heute ganz wichtig ist. Technisch ist es ein Schauspiel. Aber es darf nicht nur als Schauspiel gesehen werden“, fasste Peter Bruckschlögl seine Gedanken zusammen.

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