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Tiere

Der Eulenhof muss schließen

Helmut Kraus kann die rund 200 Tiere in Großalfalterbach nicht mehr finanzieren. Eine neue Bleibe für sie ist schon gefunden.
Von Nicole Selendt

Helmut Kraus füttert einen sechs Monate alten Europäischen Uhu. Foto: Selendt
Helmut Kraus füttert einen sechs Monate alten Europäischen Uhu. Foto: Selendt

Großalfalterbach. Helmut Kraus kämpft schon lange für seine Eulen. Den Aufbau der Vogelkäfige hat er selbst finanziert. Das Futter – es kostet rund 700 Euro jeden Monat – bezahlt er aus eigener Tasche. Das Geld, das er mit zahlreichen Führungen für Familien, Schulklassen und andere Interessierte verdient, reicht nicht für den Unterhalt der Anlage und das Futter. Und er ist alleine. Um fünf Uhr morgens steht er auf und füttert zum ersten Mal die Jungtiere, die letzte Fütterung macht er etwa um Mitternacht. Jetzt kann der 75-Jährige nicht mehr: körperlich und finanziell.

Der Milchuhu: Die helle Eule, die eigentlich in Afrika beheimatet ist, hat rote Augenlider. Foto: Selendt
Der Milchuhu: Die helle Eule, die eigentlich in Afrika beheimatet ist, hat rote Augenlider. Foto: Selendt

Enttäuscht ist er vor allem deswegen, weil er für die Arbeit, die er auf Bitten des Landratsamtes Neumarkt begonnen hat, nie Geld bekommen hat. Vor rund 15 Jahren hatte die Behörde den Züchter darum gebeten, eine Auffangstation für Eulen zu eröffnen. Denn allzu oft würden die nachtaktiven Vögel von Autos angefahren und blieben am Straßenrand liegen. Und weil Helmut Kraus nicht nein sagen kann, wenn jemand mit einer verletzten Eule vor seiner Haustür steht, sagte er auch damals nicht nein. Schon unzählige Tiere hat er verletzt aufgenommen und sie wieder aufgepäppelt. Die, die nie wieder fliegen können, pflegt er weiter.

Professionelle Tierdiebe wurden hinter einem gezielten Einbruch in den Eulenhof vermutet:

Es wurden Tiere gestohlen.

Mittlerweile betreibt Kraus mit rund 200 Eulen die weltweit größte Auffangstation für Eulen. Doch die Tiere fressen buchstäblich seine Rente auf.

Eulen ziehen in Kaserne ein

Sie bekommen kein Lebendfutter, sondern gefrostetes Material. Etwa 18 000 Eintagsküken verfüttert Kraus jeden Monat an seine Raubvögel. An die ausgewachsenen Tiere im Ganzen, Jungtiere bekommen sie schnabelgerecht zerkleinert mit der Pinzette verabreicht. Nur die Tiere, die er nach der Pflege wieder auswildern kann, bekommen in ihrem Käfig ein Flugloch nach draußen und fangen an, sobald sie wieder gesund sind, langsam wieder selbst auf die Jagd zu gehen.

Der waldkauz: Er ist eine in Europa weit verbreitete Art - und auch im Eulenzoo häufig vertreten. Foto: Selendt
Der waldkauz: Er ist eine in Europa weit verbreitete Art - und auch im Eulenzoo häufig vertreten. Foto: Selendt

Doch wohin mit den vielen Eulen, wenn im nächsten Schluss sein soll? Mittlerweile hat Krause eine Lösung in Aussicht, die zwar noch nicht ganz in trockenen Tüchern, aber doch recht vielversprechend ist. Gustav Struck aus Passau, Eulenfreund und Unternehmer aus Passau wird den Eulen von Helmut Kraus eine neue Heimat geben. Er hat vor einigen Jahren eine verlassene Bundeswehrkaserne in Pocking gekauft und dort einen Zoo errichtet, der von seinem Sohn und elf ausgebildeten Tierpflegern betreut wird.

„Wer heute anständig lebt, wird als Eule wiedergeboren.“

Helmut Kraus, Betreiber des Eulenhofs

Er hält dort unterschiedliche Hirscharten, exotische Vögel wie Arassaris, andere Tukane, Kraniche und Finken. Und auch die Eulen aus Großalfalterbach sollen dort Platz finden. Das Baumaterial für die vielen Volieren – Vogelkäfige – ist schon auf dem Gelände vorhanden. Und auch eine Wohnung für den Eulenspezialisten Helmut Kraus gibt es schon. Denn Struck will Kraus vor Ort haben, um den Umzug der Tiere zu betreuen und seine Mitarbeiter im Umgang mit den anspruchsvollen Tieren zu schulen, wie er der Mittelbayerischen Zeitung auf Anfrage verriet. Zwei bis drei Jahre soll Kraus in Pocking bleiben. Danach will er wieder zurück nach Großalfalterbach.

Der Bartkauz Fridolin lebt ebenfalls auf dem Eulenhof. Foto: Selendt
Der Bartkauz Fridolin lebt ebenfalls auf dem Eulenhof. Foto: Selendt

Allerdings wartet Struck noch auf die Genehmigung der dortigen Behörden für den Bau der Vogelvolieren. Wann er diese bekommen wird, weiß er laut eigenen Angaben nicht. Sobald sie aber vorliegt, könne es mit dem Bau sofort losgehen. Er rechnet mit etwa einem halben Jahr Bauzeit, bis die ersten Vögel auf die Reise gehen können.

Führungen nach Anmeldung

Bis dahin wird Helmut Kraus die Station weiter betreiben wie bisher. Früh aufstehen, füttern, etwa zwei Führungen am Tag abhalten, zwei bis drei Volieren säubern und alle Tiere regelmäßig mit frischem Wasser versorgen. Bis er mit allen Käfigen fertig ist, dauert es etwa zwei Monate, dann geht es wieder von vorne los. Eine Führung kostet für einen Erwachsenen fünf Euro, pro Kind 2,50 Euro. Eine Anmeldung ist unter der Telefonnummer (0 91 84) 22 03 möglich, Führungen sind nur zwischen 9 und 14.30 Uhr möglich. Wer den Eulenzoo finanziell unterstützen möchte, kann dies entweder in Form einer Spende tun, oder er kann eine Tierpatenschaft übernehmen.

Die Paten erhalten eine offizielle Patenurkunde und werden auf eigenen Wunsch auf der Internetseite des Zoos veröffentlicht. Die Höhe der Patenspende bleibt den Paten überlassen, die Laufzeit der Patenschaft beträgt 12 Monate, kann aber jederzeit verlängert werden. Wer eine Patenschaft übernimmt, darf den Namen des Tieres frei wählen, erwirbt damit aber keine Rechte an dem Patentier – aber auch keine Verpflichtungen.

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