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Rechtskolumne

Der Kampf für freie Liebe

Gleichberechtigung egal ob hetero, homo oder bi – das herrscht auch hierzulande nicht. Den Nachholbedarf erklärt ein Anwalt.
von Rechtsanwalt Geedo Paprotta

Ihre Liebe in der Öffentlichkeit zu zeigen kann für Menschen Nachteile haben – zum Beispiel wenn sie homosexuell sind und in einer kirchlichen Einrichtung arbeiten. Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa
Ihre Liebe in der Öffentlichkeit zu zeigen kann für Menschen Nachteile haben – zum Beispiel wenn sie homosexuell sind und in einer kirchlichen Einrichtung arbeiten. Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa

Neumarkt.Letzte Woche war IDAHOBIT. Sie wissen nicht, was das ist? Nun, die Sache ist die: Es gibt nämlich Frauen, die Frauen lieben. Und Frauen, die Männer lieben. Und es gibt Männer, die Männer lieben. Und Männer, die Frauen lieben. Und noch viel mehr. Und manchmal auch quer durcheinander. Es sollte Spaß machen, darüber zu reden.

Allerdings haben Menschen auf der ganzen Welt einen schweren Stand, wenn bekannt wird, dass sie homosexuell sind, oder bisexuell oder transsexuell. Es werden bösartige Gerüchte über sie verbreitet, sie werden beleidigt, benachteiligt, aber auch angegriffen, körperlich verletzt, inhaftiert, sogar getötet. Menschen, die nicht der angeblichen „Norm“ in Sachen Liebe entsprechen, erleben das Leben als andauernden Spießroutenlauf. Ohne dass eine andere „Bedrohung“ von ihnen ausginge, als dass sie sich in andere Menschen verlieben könnten. Wie wir alle das eben tun.

Um darauf aufmerksam zu machen und um diese unfassbare Diskriminierung zu beenden, war am 17. Mai wieder einmal der jährliche „Internationale Tag gegen Homophobie, Transphobie und Biphobie“, der sich englisch „IDAHOBIT“ abkürzt. Um zu erleben, welche perversen Spiele sich die Menschenhasser ausdenken, müssen wir gar nicht weit schauen. Da war zum Beispiel ein junger Iraner, der Männer liebte. Weil ihm sein Leben aber ebenfalls lieb war, floh er aus dem Iran über Tschechien und kam schließlich nach Deutschland.

Die deutschen Behörden wollten ihn eigentlich nach Tschechien zurückführen, doch der junge Mann erzählte vor dem Verwaltungsgericht Schleswig eine Geschichte, bei der man sich, wörtlich, im falschen Film wähnt: Die tschechischen Behörden versuchten nämlich zu überprüfen, ob er wirklich homosexuell ist oder ob er einfach nur raus aus dem Iran wollte. Deshalb sollte er sich einer „phallometrischen Untersuchung“ seines Geschlechtsteils unterziehen und zwar dergestalt, dass ihm Pornofilme gezeigt werden, wo Männer und Frauen miteinander Sex haben und es sollte geprüft werden, ob ihn das erregte, indem man den Blutfluss in seinem Penis messen wollte.

Die Verwaltungsrichter entschieden, dass sei ja wohl der Gipfel der Erniedrigung, oder, juristisch formuliert, eine unmenschliche Behandlung im Sinne des Art. 3 der Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK). Der Mann durfte in Deutschland bleiben (Az. 6 B 32/09). Obwohl auch hierzulande beileibe nicht alles gut ist in Fragen der Freiheit zu lieben! Eine Frau leitete einen katholischen Kindergarten. Sie ging in Elternzeit und während dieser Zeit schloss sie eine eingetragene Lebenspartnerschaft mit einer anderen Frau. Die Kirche kündigte ihr daraufhin wegen eines Verstoßes gegen ihre „Loyalitätsobliegenheit“, weil sie offen homosexuell lebte. Das Verwaltungsgericht Augsburg konnte ihr den Job nur deshalb retten, weil es eine Kündigung in der Elternzeit für unwirksam hielt, wenn die Frau auch noch so lesbisch sündigte (Az. Au 3 K 12.266). „Wer im Glashaus sitzt ...“, sie wissen schon. Und sitzen wir nicht in Wahrheit alle ein bisschen in irgendeinem Glashaus?

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