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Job

Der Klostergassen-Hund aus Neumarkt

Bonny ist ein Bürohund. Der Vierbeiner begleitet Carolin Huber jeden Tag in den Blumenladen. Wie man das dem Chef beibringt.
Von Stefanie Roth

Carolin Huber und Bonny sind ein eingespieltes Team, auch am Arbeitsplatz sind sie gute Kollegen. Foto: Stefanie Roth
Carolin Huber und Bonny sind ein eingespieltes Team, auch am Arbeitsplatz sind sie gute Kollegen. Foto: Stefanie Roth

Neumarkt.Einige Kunden kommen nur wegen Bonny in den Blumenladen. Der hat sich in Neumarkt inzwischen als „Klostergassen-Hund“ einen Namen gemacht, wie Besitzerin Carolin Huber erzählt. „Der Hund bekommt mehr Aufmerksamkeit als ich“, scherzt die junge Frau. Dem Vierbeiner gefällt‘s – er ist jederzeit bereit für eine Streicheleinheit.

„Nicht, dass der Chef sagt: Heute kommen Sie mit dem Hund, morgen kommen Sie mit dem Hauskrokodil um die Ecke.“

Markus Beyer Bundesverband Bürohund

Neben der Kasse stehen am Ende der Regale voller Pflanzen und Schnittblumen ein großer Hundekorb und ein Napf. Hier darf natürlich auch der Vierbeiner der Chefin schlabbern – ein Mischling aus der Tierauffangstation. „Hunde machen die Leute glücklich“, ist Carolin Huber, Junior-Chefin bei Dianas Floristik, überzeugt. Seit über einem Jahr etwa bringt sie den Vierbeiner täglich mit in die Arbeit. Bonny ist ein Bürohund.

Hygienevorschriften beachten

Grundsätzlich könne es in jedem Betrieb einen Bürohund geben. „Mit einer Einschränkung, wie zum Beispiel in der Produktion oder dort, wo bestimmte Hygienevorschriften greifen“, erklärt Markus Beyer, Vorsitzender des Bundesverbands Bürohund (BVBH), und weist auf die regulären Arbeitsschutzregeln hin. Er hat den Verein vor vier Jahren gegründet, weil Menschen auf den Hunde-Trainer immer wieder zugekommen sind und gefragt haben: „Können Sie meinem Hund das Alleinsein beibringen?“ Darin sehe Bayer aber bei dem Rudeltier keinen Sinn. Um auf Vorteile und Risiken aufmerksam zu machen, gründete der Hundefreund den Verband.

Lesen Sie mehr über das Liebes- und Kuschelhormon Oxytocin und wie Bürohunde im Alltag die Kreativität fördern:

Streicheleinheiten am Arbeitsplatz

  • Anfrage:

    Viele Arbeitnehmern kostet es Überwindung, den Chef zu fragen, ob der Hund mit zur Arbeit darf. Markus Beyer unterstützt.

  • Oxytocin:

    Es ist als Kuschelhormon bekannt und soll nach der Studie von Dr. Handlin unter anderem blutdrucksenkend wirkend.

  • Kreativität:

    Ein Bürohund soll laut Benjamin Bairds Studie die Kreativität fördern, da er den Mitarbeiter ablenkt und auf neue Ideen bringt.

Vorbereitung ist das A und O

Markus Beyer ist Vorsitzender des Bundesverbands Bürohund. Er klärt über Vorteile und Risiken auf. Foto: Bundesverband Bürohund e.V.
Markus Beyer ist Vorsitzender des Bundesverbands Bürohund. Er klärt über Vorteile und Risiken auf. Foto: Bundesverband Bürohund e.V.

Wer denkt, man kann seinen Vierbeiner von heute auf morgen einfach mit ins Büro nehmen und unter dem Schreibtisch neben dem Papiereimer platzieren, der irrt. Markus Beyer bekommt häufig Anrufe von Menschen, die das getan haben und dann am „Nein“ des Chefs gescheitert sind. Argumente kann die Gegenseite schließlich schnell finden, wie etwa Allergien. Beyer warnt: „Nicht, dass der Chef sagt: Heute kommen Sie mit dem Hund, morgen kommen Sie mit dem Hauskrokodil um die Ecke.“ In Seminaren und Ablaufskizzen plant er daher gemeinsam mit den Hundehaltern die ersten Schritte, wenn sie ihr Vorhaben auf vier Pfoten dem Chef präsentieren wollen.

Noch mehr tierische Themen und Hintergründe rund um den Hund lesen Sie hier:

Kollege mit der kalten Schnauze

Der Trend geht eindeutig zum flauschigen Kollegen mit der kalten Schnauze. Medienberichten zufolge steigt die Zahl von Bürohunden. Auf der „Bürohundekarte Deutschland“, die auf der Internetseite des BVBH zu finden ist, wimmelt es vor allem in den Büros in den Großstädten vonden Vierbeinern, aber auch in und um Regensburg tauchen fünf Bürohunde auf – unter anderem in einem Radgeschäft und in einer Kreativagentur. Selbst die Namen der Vierbeiner sind eingetragen. In Neumarkt ist bis dato nur ein Bürohund gemeldet, obwohl Recherchen zeigen, dass es bereits mehrere gibt, wie etwa im Bekleidungsgeschäft „Valentina italian Moda“ von Nadja Huber, die einen ihrer drei Vierbeiner auch in ihr Kosmetikstudio mitnimmt.

Gut gelaunte Bürohunde

Hund sind wie Menschen. Nicht jeden Tag sind sie gleich gut gelaunt. Foto: Stefanie Roth
Hund sind wie Menschen. Nicht jeden Tag sind sie gleich gut gelaunt. Foto: Stefanie Roth

„Samira“ hat sich im Büro des Online-Shops „catz-n-dogz.de“ einen Platz gesichert. Zwei weitere Mitarbeiter-Hunde sind hinzugekommen, wie Nadine Joos, die für den Shop für Marketing und das operatives Geschäft zuständig ist, erzählt. „Bei den Rüden muss man sich immer ein bisschen abstimmen“, sagt sie. Wie Menschen seien Hunde „nicht immer gleich gut drauf“. „Man muss kucken, dass die Harmonie passt“, meint sie. Die frühere Einkaufsleiterin ist seit über zehn Jahren ein Bürohunde-Fan. Kollegen dürfen ihren Hund ebenfalls „mitnutzen“, wie sie sagt. Zum Beispiel mittags Gassi gehen oder streicheln. Allerdings habe sie die gleiche Erfahrung gemacht wie Carolin Huber: „Die Kollegen wollten von mir gar nichts mehr. Sie kommen rein und sprechen nur den Hund an, da kommt man sich schon ein bisschen blöd vor. Vor allem als Führungskraft.“

Sie sind selbst Hundebesitzer? Dann sehen Sie hier im Video, wie Sie Ihren Vierbeiner zum besten Freund des Menschen machen:

Das richtige Verhalten als Hundbesitzer

Spielball für Diskussionen

Damit der Bürohund nicht zum Spielball für Diskussionen unter Kollegen wird, gilt es einiges abzuklären: „Was ist mit Allergikern?“ oder „Was ist mit Menschen, die Angst vor Hunden haben?“ Jedes Unternehmen mit Bürohunden kann sich online in der Übersichtskarte registrieren lassen. Der flauschige Kollege könne somit zum „Unique Selling Point“ – also zum Alleinstellungsmerkmal – werden, wie der Verband wirbt. Möglicherweise mehr wiegt das Argument, dass Vierbeiner das Burnout-Risiko und psychische Erkrankungen der Mitarbeiter senken können. Bonny kennt all diese Probleme nicht. Er holt sich lieber vom Obsthändler nebenan immer wieder mal eine frische Banane.

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