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Der Tiergarten als Unternehmen

Die größten Ausgaben, die kleinsten Einnahmen: Dieter Kühnlein kennt alle Zahlen des Nürnberger Zoos.
Von Katrin Böhm

So ordentlich kann nur der Schreibtisch eines Kaufmanns aussehen: Dieter Kühnlein ist Herr über die Zahlen des Tiergartens.
So ordentlich kann nur der Schreibtisch eines Kaufmanns aussehen: Dieter Kühnlein ist Herr über die Zahlen des Tiergartens. Foto: Böhm

Wie setzt sich das Budget des Tiergartens zusammen?

Im vergangenen Jahr hatte der Tiergarten 12,5 Millionen Euro Ausgaben – und 9,5 Millionen Euro an Einnahmen. Die Lücke über in diesem Fall drei Millionen Euro schließt Jahr für Jahr die Stadt. Der Kostendeckungsgrad lag im vergangenen Jahr bei 76 Prozent – im Jahr der Eröffnung der Lagune (2011) pendelte er sich sogar bei 83 Prozent ein. Darauf ist Verwaltungsleiter Dieter Kühnlein stolz. „Das ist sehr hoch.“ Man dürfe ja nicht vergessen, dass der Tiergarten ein öffentlicher Betrieb sei. Im Vergleich: Ein durchschnittliches Hallenbad schaffe gerade einmal einen Kostendeckungsgrad von vielleicht 40 Prozent, so Kühnlein.

Wo kommt das Geld für den Tiergarten her?

Mehr als 80 Prozent der Einnahmen sind Eintrittsgebühren – im Jahr 2015 waren es 7,8 Millionen Euro. Problem für den Tiergarten: Es gibt nur wenige Gebäude, in die man sich bei Regen oder großer Hitze zurückziehen kann. Wenn es schüttet oder so heiß ist wie im August 2015, „kommt kein Mensch“. „Wir sind extrem wetterabhängig“, sagt Kühnlein. Allein im verregneten Juni 2016 hätten dem Tiergarten 30 000 Besucher gefehlt – „das sind 200 000 Euro“. Gut für den Tiergarten ist die Entwicklung der Dauerkarten: Im vergangenen Jahr gab es 7656 Dauerkarten-Besitzer, so viele wie nie zuvor. Durch Miete und Pacht (Gastronomie und Dienstwohnungen) nimmt der Zoo jährlich etwa 550 000 Euro ein, Führungen, Kindergeburtstage und sonstige Aktionen bringen mittlerweile satte 300 000 Euro. Regelmäßig erhält der Tiergarten Erbschaften in Höhe von 10 000 bis 50 000 Euro – und ab und zu sogar bis zu 500 000 Euro. Als neue Einnahmequelle könnte sich Dieter Kühnlein einen Zoo-Shop vorstellen. „Damit kann man richtig Geld verdienen.“

Wie wird der Haushalt des Tiergartens geplant?

Dreh- und Angelpunkt des Haushalts sind die Besucherzahlen. Dieter Kühnlein plant jedes Jahr eher vorsichtig mit 1 050 000 Besuchern. „Wenn es mehr werden, umso besser.“ In jedem Frühjahr steht die Haushaltsplanung an, in der alle Abteilungen gefragt werden, was sie brauchen – dabei geht es um Fahrzeuge oder technisches Equipment. Der Tiergarten legt eine Prioritätenliste fest, übergibt diese der Stadt – und wartet ab, was der Stadtrat entscheidet. Großprojekte über 500 000 Euro landen im mittelfristigen Investitionsplan (MIP) der Stadt. Will man hier etwas voranbringen, ist es von Vorteil, man bringt selbst etwas Geld mit. „Wenn ich momentan mit der immer wieder gewünschten Elefantenanlage ankomme, die locker 50 Millionen Euro kosten würde, dann lachen die mich bei MIP aus, weil wir in Konkurrenz zu vielen anderen stehen, die auch Geld wollen, zum Beispiel Schulen oder Kindergärten.“

Was sind die größten Ausgaben im Zoo?

Den mit Abstand größten Posten machen mit 5,5 Millionen Euro die Personalkosten aus. Dagegen scheinen die Futterkosten für die Tiere mit 360 000 Euro schon fast lächerlich gering. Jedes Mal aufs Neue schlucken muss Dieter Kühnlein, wenn er die Stromrechnung sieht: 800 000 Euro werden im Tiergarten Jahr für Jahr fällig. Dass die Kosten so hoch sind, liegt auch daran, dass im Zoo viele wasserlastige Anlagen existieren, die jede Menge Technik erfordern. Die Unterhaltskosten des Tiergartens liegen bei 700 000 Euro, die Kosten für das externe Kontrollpersonal bei 400 000 Euro und die Heizkosten bei 250 000 Euro. Hinzu kommen 170 000 Euro an Reinigungs- und 150 000 Euro Wasserkosten. „Wir haben zwar zwei eigene Brunnen, aber die reichen längst nicht aus.“

Aktionen für Besucher lassen die Kasse klingeln. Was ist beliebt?

Im Jahr 2015 fanden 1172 Führungen und Aktionen mit mehr als 10 000 Teilnehmern statt. Am beliebtesten war die „Begegnung mit Delfinen“ (246 Führungen) – diese sind bis zum Herbst bereits ausgebucht. An Stelle zwei folgen 242 Kindergeburtstage, an Stelle drei 225 Führungen zum Lieblingstier. Mit Abstand am beliebtesten war hier der Pinguin (82 Führungen), gefolgt von den Totenkopfäffchen (41), Giraffen (25) und Nashörnern (24). Im Bereich der Zoopädagogik gab es 157 Führungen für Schulklassen und 28 für Kindergartengruppen. Immer beliebt sind auch das Zeltlager und das Zoo-Schullandheim. „In manchen Bereichen können wir die Nachfrage gar nicht abdecken.“

Ist der Zoo also auch nur ein ganz normales Unternehmen?

Betriebswirtschaftlich vielleicht schon – mit Ausnahme vieler Richtlinien, an die sich der Zoo als öffentlicher Betrieb halten muss. Emotional betrachtet eher nicht. „Ich bin jeden Tag aufs Neue froh und stolz, Teil des Ganzen sein zu dürfen“, sagt Dieter Kühnlein und bekommt eine Gänsehaut. „Auch wenn es schmalzig klingt: Beim Tiergarten zu arbeiten ist, mit Herzblut zu arbeiten.“

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