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Erfahrung

Der Weg zur Wasserstelle ist noch lang

Katinka Geß machte einen Traum wahr und reiste nach Uganda. Dort freuen sich viele ihrer Schützlinge auf eine neue Schule.
von Christiane Vatter-Wittl

Katinka Geß hat sich in Uganda sehr wohlgefühlt und freute sich, helfen zu können. Fotos: Christiane Vatter-Wittl
Katinka Geß hat sich in Uganda sehr wohlgefühlt und freute sich, helfen zu können. Fotos: Christiane Vatter-Wittl

Lupburg.Nach Afrika reisen und vor Ort Gutes tun, das war schon immer der Wunsch von Katinka Geß. „Aber dann kam die Liebe dazwischen und dann war es nichts mehr mit Afrika“, erzählt die Degerndorferin. Heuer aber nutzte Katinka Geß ihren Jahresurlaub und machte sich ganz alleine auf in das für sie unbekannte Land. Angst hatte sie keine, dass ihr als weiße Frau etwas passieren könnte. In der MZ erzählt sie, was sie in dem afrikanischen Land erlebt hat.

Zuvor engagierte sich Geß sich in ihrer Heimat als Krankenschwester und im Verein UVCO. Der Verein kümmert sich um Straßenkinder und Waisen im Bezirk Massaka in Uganda. Nachdem bei der letzten Wahl die Vorstandschaft des Vereins etwas neu strukturiert wurde und Katinka Geß als stellvertretende Vorsitzende gewählt wurde, kam erneut der Wunsch auf, sich in Afrika zu engagieren. So wollte sie sich das neue Schulprojekt und dessen Fortschritte in Uganda selbst ansehen und auch ihre Patenkinder, die sie dort hat, besuchen und sich davon überzeugen, dass es ihnen gut geht. Gesagt, getan.

Viele Geschenke im Gepäck

„Ich hatte eher Angst, dass mein Koffer aufplatzt. Schließlich hatte ich 30 Kilo Gepäck nur an Spenden und Geschenke für die Kinder dabei“, erzählt sie schmunzelnd. „Mein eigenes Gepäck hatte lediglich sieben Kilo.“ Um dem Problem zu entgehen, habe sie aber zwei Koffergurte gekauft, und so kam alles sicher in Uganda an. Vor Ort wurde sie von Projektleiterin Maggie empfangen, bei der sie auch wohnte.

Die Kinder freuten sich sehr über den Besuch aus der Oberpfalz und ließen sich auch gerne fotografieren. Fotos: Christiane Vatter-Wittl
Die Kinder freuten sich sehr über den Besuch aus der Oberpfalz und ließen sich auch gerne fotografieren. Fotos: Christiane Vatter-Wittl

Besonders freute sich Geß natürlich auf ihre Patenkinder Brian und Lillian. Brian ist jetzt vier Jahre alt und Lillian zwölf. Vor Ort schaute sie sich die Lebensbedingungen der Kinder an, die so ganz anders sind, als die ihrer eigenen in Deutschland. Die zumeist Waisenkinder leben entweder bei sogenannten Caretakern, das sind für sie eigentlich fremde Leute, ähnlich wie Pflegeeltern. Diese nehmen die Kinder auf und sorgen dafür, dass sie genug zu essen bekommen, regelmäßig Zähne putzen und sich waschen und auch in die Schule gehen. Im Gegenzug helfen die Kinder beim Tiere versorgen oder bei der Hausarbeit.

300 Kindern lernen täglich in der Grundschule

Andere Kinder wohnen im Internat der Schulen. Der Verein UVCO unterstützt die U.V.C.O-Kinder, damit sie in die Schule gehen können und ihre so wichtige Schulausbildung erhalten. Zum einen, eine mit einer deutschen Grundschule vergleichbaren Primary School, dort werden über 300 Kinder unterstützt.

„Die Kinder strahlen, wenn sie von der Schule und ihrer Unterbringung erzählen.“

Katinka Geß

Zum anderen werden 55 Jugendliche im Buloba-College unterstützt, wo sie ihre Schulbildung erweitern können und sich bis zum Studium hocharbeiten können. „Ich konnte mich davon überzeugen, dass es den Kindern gut geht und sie in unserem Hilfsprogramm gut aufgehoben sind. Die Kinder strahlen, wenn sie von der Schule und ihrer Unterbringung erzählen, einzig das Essen schmeckt ihnen in der Primary School nicht, denn es gibt jeden Tag Maisbrei mit Bohnengemüse, da es das billigste ist, was man vor Ort bekommen kann“, so Geß.

Das meiste Geld fließt in die Bildung

Bei UVCO kann man zwei Arten von Patenschaften übernehmen. Davon geht aber der größte Teil für die Schulgebühren der Kinder drauf. Die kleine Patenschaft kostet zehn Euro pro Monat, wobei 8,33 Euro nur für die Schulkosten sind. Dazu kommt eine Schuluniform, die Pflicht ist und schwarze Lederschuhe, die jedes Kind zum Schulbesuch haben muss. Alles andere wird durch sonstige Spenden finanziert.

Damit die Schulgebühren für die UVCO-Kinder wegfallen, baut die Organisation gerade eine eigene Schule. Dieses Projekt wurde bereits 2018 gestartet. Damals wurde ein Grundstück von einem großzügigen Sponsor gekauft, und die Grundmauern wurden errichtet. Leider stockte der Bau dann etwas. Mittlerweile konnte die Rainer-Meutsch-Stiftung Fly & Help aber einen Sponsor für die Fertigstellung der Grundschule, des Schlafhauses und der Küche finden. Sponsor Joachim Schuster und dessen Freund Dr. Schwab sind zusammen mit Margaret Namatovu und dem gebürtigen Lupburger Wolfgang Driesslein für das Schulprojekt zuständig.

Warten auf Schule und Brunnen

Katinka Geß war beeindruckt, mit welcher Leidenschaft die Mitarbeiter vor Ort sich um alles kümmern. Norah und Ronny sind die Betreuer aller Kinder. Mit Mama Allan und Sohn Allan sowie Hussain, dem Wärter des Schulgrundstücks, bilden sie das Team in Uganda. Wenn alles fertig ist und der Zaun um das Gelände drum herum ist, dann kann auch der Schulbetrieb starten. „Dann können unsere Kinder schulgeldfrei unterrichtet werden und die Spenden der Paten können dann auch für andere Bedürfnisse der Kinder wie Schulbücher, Klamotten oder Schuhe verwendet werden“, so Geß.

Einen Kilometer laufen die Kinder bis zur nächsten Wasserstelle – und sind dabei fröhlich. Mit Kanistern auf dem Kopf wird das so wichtige Wasser zurücktransportiert. Fotos: Christiane Vatter-Wittl
Einen Kilometer laufen die Kinder bis zur nächsten Wasserstelle – und sind dabei fröhlich. Mit Kanistern auf dem Kopf wird das so wichtige Wasser zurücktransportiert. Fotos: Christiane Vatter-Wittl

Auch ein Brunnen wird bei der Schule fertig gebaut. Denn bisher müssen viele Kinder einen Kilometer laufen, bis sie zu einer Wasserstelle kommen. Mit einem Kanister auf dem Kopf bringen sie das Wasser dann wieder zurück. Geß scheute sich auch davor nicht und begleitete die Kinder auf ihrem Weg zum Wasserholen. Unterwegs traf man dann auf einen kleinen Laden, der gar nicht wie einer aussah. Die Kinder baten die Europäerin darum, ihnen dort einen Biscuit zu kaufen. Für acht Euro kaufte man schließlich die ganze Theke leer und die Kinder teilten alles, was gekauft wurde untereinander auf: „Es ist erstaunlich, welche Freude die Kinder daran haben, zu teilen. Da behält keiner etwas ganz für sich. Und wenn einer mal doch nichts bekam, wird noch einmal geteilt.“

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Hilfe aus Bayern

  • Organisation:

    U.V.C.O ist ein Waisenhaus und eine in Uganda anerkannte Hilfsorganisation. Helfen kann man auch von Bayern aus: mit kleinen und großen Patenschaften, mit Spenden oder einer Mitgliedschaft. Weitere Infos unter www.uvco.de.

  • Projekt:

    Derzeit werden 422 Kinder betreut, die eine Chance auf ein neues Leben jenseits der Straße bekommen.

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