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Region Neumarkt
Freitag, 20. Juli 2018 28° 1

Institution

Des Dietfurter Kaisers Tänzerinnen

Die Mädchen der Kaisergarde sind der Hingucker des Chinesenfaschings. In den Tänzen steckt viel Training und Schweiß.
Von Johann Grad

Trainerin Sabine Stiegler korrigiert die ausgestreckten Beine, die ihr nicht hoch genug gehoben sind. Fotos: Grad
Trainerin Sabine Stiegler korrigiert die ausgestreckten Beine, die ihr nicht hoch genug gehoben sind. Fotos: Grad

Dietfurt.Es klingt denkbar einfach: „Irgendwann und irgendwo höre ich eine Melodie oder ein Lied und dann weiß ich: Das ist die Musik! Unwillkürlich fange ich an zu tanzen, passende Schrittfolgen, Formationen, Drehungen ergeben sich, Hände und Arme finden ihre Bewegungen, der Tanz ist geboren“, sagt Sabine Stiegler. Natürlich schaut sie auf YouTube auch an, was andere Tanzgruppen auf die Beine stellen und oft findet sie Elemente, die sie in die eigene Formation integrieren kann. Seit einigen Jahren übt die temperamentvolle Trainerin mit der Dietfurter Kaisergarde den chinesischen Tanz ein und dazu natürlich auch einen rassigen Showtanz.

Trainerin seit 30 Jahren dabei

Stiegler und ihre Truppe mit neun Mädchen und einem jungen Mann gehören einfach zum Chinesenfasching wie Fu Gao Di und der ganze Hofstaat. Die Trainerin kennt sich mit Garde und Tanz aus. Sie war über zehn Jahre in der Chinesengarde aktiv, wie sie früher hieß und die damals Heidi Vogel trainierte. Vorher gab es auch die Prinzengarde, bei der eine andere Generation von Mädchen die Tanzbeine schwang. Nach ihrer aktiven Zeit baute sie eine Kindergarde auf, aus der die Jugendgarde wurde. Viele dieser Mädchen machen jetzt in der Kaisergarde mit. „Ich kann heuer das 30-jährige Tanz-und Trainer-Jubiläum feiern“, berichtet Stiegler. Sie war und ist mit Freude dabei, es hat ihr viel Spaß gemacht und sie tritt sogar noch beim TSV-Ball mit der Revival-Tanzgruppe auf.

„Irgendwann und irgendwo höre ich eine Melodie oder ein Lied und dann weiß ich: Das ist die Musik! Unwillkürlich fange ich an zu tanzen, passende Schrittfolgen, Formationen, Drehungen ergeben sich, Hände und Arme finden ihre Bewegungen, der Tanz ist geboren.“

Sabine Stiegler, Trainerin der Kaisergarde Dietfurt

Schön langsam trudeln die Mädchen zum Training ein. Sie kommen von der Arbeit, sind etwas müde, auch hungrig und brauchen erst mal Zeit zum Ratschen und zum Entspannen. Marie, Emily und Verena checken per Smartphone ihre E-Mails, Moni, Kathi und Lena lesen und beantworten WhatsApp-Nachrichten, Jessica, Maria und Susi suchen etwas im Internet. Mit der Zeit werden die 17 bis 20 Jahre alten Mädels gelöster und sind zum Training bereit.

Auch Sabines Sohn Moritz ist da, er ist Dachdeckerlehrling und war auf Blockschulung in Waldmünchen. Der junge Mann ist bei Hebefiguren gefragt, außerdem unterstützt er Sabine, wenn es während eines Tanzes beispielsweise etwas zum Wegräumen gibt.

Die jungen Damen wärmen sich auf, machen Tanzschritte, drehen sich, lassen die Arme fliegen, besprechen sich untereinander, die Stimmung ist gelöst und das Training kann beginnen. Alle sammeln sich um Sabine Stiegler, die bestimmt mitteilt, was noch besser werden kann beim Showtanz. Schilde und Schwerter werden verteilt, die Kostüme bleiben in den Tüten, sie werden noch nicht verraten. Kräftige Musik erklingt zum Einzug.

Schon seit Juni wird geprobt

Die Musik wechselt, die Tänzerinnen marschieren, schwingen Schwerter, heben die Schilde, stellen sich in Formation, dann stopp! Nicht alle stehen exakt genug, Schwert und Schild sind sorgfältig ausgerichtet zu halten. Wieder Musik, jetzt knien die Mädchen in zwei Reihen, die Schwerter schräg nach oben halten, die Schilde vor den Körper, dann trägt Moritz die Anführerin durch die Mitte.

Im Juni letzten Jahres hatte das Training für die Saison begonnen. Der chinesische Tanz ist etwas einfacher, aber auch er will exakt und anmutig präsentiert werden. Natürlich dürfen die Mädchen auch ihre Ideen für Musik, Tanzschritte und Kostüme einbringen. Man verständigt sich auf ein Motto, ein DJ übernimmt das Technische und stellt eine Folge aus einigen Musikstilen zusammen. Zu Beginn der harten Arbeit tanzt Sabine Stiegler mit. Sobald sie die Musik hört, fallen ihr Schritte und Bewegungen ein. Auch die Mädchen haben Ideen. Alles wird zusammengeführt und ausgebaut, bis der Tanz steht.

Mehr über die Kaisergarde erfahren Sie hier:

Aus der Geschichte der Kaisergarde

  • Anfänge:

    Den Dietfurter Chinesenfasching mit Kaiser und Gefolge gibt es seit etwa 1954. Zurzeit regiert Fu Gao Di, der glückbringende, große Kaiser.

  • Tänze:

    Bei seinen Auftritten freut er sich besonders, wenn die Kaisergarde ihm zu Ehren einen feinen chinesischen Tanz präsentiert. Die Mädchen der Kaisergarde studieren aber natürlich auch einen tollen Showtanz ein, bei dem sie ihr ganzes Können zeigen dürfen. (ugr)

Der Showtanz hat vier unterschiedliche Elemente mit fließenden Übergängen. Dazu kommen der Einzug und, zumindest ist sie vorbereitet, die Zugabe. Ab Oktober wird dann wöchentlich trainiert, denn das Ganze muss fließend ablaufen, sicher und gekonnt, stets lächelnd und ohne große Anstrengung. Dann wird es Zeit, sich über die Kostüme Gedanken zu machen, die zum Thema und zur Musik passen. In entsprechende Kataloge wird geschaut und im Internet recherchiert. Gefällt ein Kostüm oder ein Kleid, lässt man sich die Sachen schicken. Schneiderin Maria Halbig und eine Kollegin aus Beilngries ändern manches.

Erster Auftritt am KAB-Ball

Die Schlussformation (in der Mitte Sabine Stiegler) kann sich sehen lassen.
Die Schlussformation (in der Mitte Sabine Stiegler) kann sich sehen lassen.

Dann kommt der große Augenblick: Erster Tanz im Kostüm! Aber nicht alles passt und es muss nachgearbeitet werden, weil beispielsweise die Schuhe arg glatt sind und niemand ja ausrutschen darf. Alle sind froh, wenn die Hindernisse ausgeräumt sind und die Tanzformationen und Hebefiguren laufen. Inzwischen ist Weihnachten vorbei und der Fasching mit den Auftritten rückt näher. War es schwierig, den Tanz zu lernen? „Nein, nicht besonders, aus der Musik ergibt sich vieles von allein und miteinander geht es besser.“ Aufgeregt? „Schon ein wenig, aber wir können unsere Sachen und besprechen uns vor dem Auftritt.“Spaß an der Sache?

Für den Aufwand gibt es einen Zuschuss von der Stadt, für die Auftritte eine Gage. Aber viele Ausgaben haben die Mädchen selbst zu tragen. Der erste Auftritt in Dietfurt ist beim KAB-Ball am Samstag und auch für die anderen Bälle sind sie engagiert. Dann ist der Fasching vorbei und Erholung angesagt. Aber wie heißt es so schön: Nach dem Fasching ist vor dem Fasching! Und Sabine Stiegler hat bereits neue Musik im Ohr und Schritte in den Beinen.

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