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Kolumne

Diäten sind kein Spaß

Der eine oder andere von Ihnen hat sich dieser Tage vielleicht vorgenommen, ein wenig zu verzichten?
Von Rechtsanwalt Geedo Paprotta

Bei der WDR-Sendung Quarks & Co nahm Ranga Yogeshwar auch schon Diäten unter die Lupe. Foto: WDR
Bei der WDR-Sendung Quarks & Co nahm Ranga Yogeshwar auch schon Diäten unter die Lupe. Foto: WDR

Neumarkt.„Fastenzeit“ ist das Stichwort. Viele setzen es gleich mit „Diät“. Wobei das ja eine Vokabel mit vielen Facetten ist. Wenn „Diät“ im Zusammenhang mit Berufspolitikern genannt wird, denkt mancher eher an ein Füllhorn und weniger ans Gürtel-Enger-Schnallen. Bei genauer Betrachtung übrigens auch nur die halbe Wahrheit, wenn wir es einmal mit dem vergleichen, was Topmanager oder Spitzensportler so verdienen.

Aber wir wollen heute nicht über Neid reden, sondern über Diäten. Das ist frustrierend genug! Und juristisch gesehen kann so eine Diät einen ganz schön auszehren! Da war zum Beispiel eine Wurstverkäuferin aus Berlin. Die verdiente deutlich weniger „Diäten“ als ein Berufspolitiker aus derselben Stadt und natürlich erst recht als ein Topmanager oder Spitzensportler. Genau genommen reichte ihr das Gehalt zum Leben in der Hauptstadt nicht und sie musste Aufstockungsleistungen nach „Hartz IV“ beantragen.

Der preußische Amtsschimmel schaut dann freilich ganz genau hin und was stellte er fest? Dass die Frau mittags eine kostenlose Wurst-Brotzeit vom Arbeitgeber angeboten bekommt! Wert: etwa 50 Euro. Das wurde ihr von den Leistungen abgezogen.

Die Frau wehrte sich vor Gericht mit aus dem Munde einer Wurstverkäuferin überraschenden Argumenten: Wurst ist ungesund und macht dick. Sie mache gerade erfolgreich eine Diät, die sie nicht mit solchem Essen gefährden will. Man könne sie doch nicht zum Wurstessen zwingen? Das Sozialgericht Berlin sah es genauso: Die Frau darf nicht für Verzicht bestraft werden! (Az.S 175 AS 15482/14). Auch das Landgericht Hamburg hat mal Kalorien gezählt und dabei mehr gefunden, als es gesund ist: Ein Unternehmen hatte in einem TV-Werbespot mit besonderen Diät-Lebensmitteln geworben und behauptet, bei diesen Leckereien müsse man sich ums Dickwerden keine Sorgen machen. Quasi also: Reinschlichten bis der Arzt kommt, ohne fett zu werden?

Das ist Quatsch, befanden die Richter. Wenn man isst, dann nimmt man davon irgendwann natürlich auch zu! Quatsch in der Werbung aber nennen Juristen „irreführend“.

Und das ist halt genauso verboten wie Pralinen in der Fastenzeit (Az. 406 HKO 107/12). Der am schwersten verdauliche Brocken bei einer Diät ist natürlich die Disziplin! Wer die nicht hat, der muss was essen: „Appetitzügler“ zum Beispiel. Dummerweise werden die nicht von den Krankenkassen bezahlt. Ein Hersteller eines solchen Produktes hat dagegen Klage eingereicht.

Immerhin würde es doch der Gesundheit dienen, wenn die Leute dank seines Mittelchens rank und schlank werden? Doch das Sozialgericht Berlin stellte fest, dass diese Substanz ein „Lifestyle-Medikament“ sei. Genau wie zum Beispiel „Viagra“. Obwohl Letzteres mit Enthaltsamkeit eher weniger zu tun hat. Jedenfalls müssen Spaß-Produkte von den Kassen nicht bezahlt werden (Az. S 83 KA 53/07 ER). Spaß hat in der Fastenzeit ja auch wirklich nichts verloren, oder?

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