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Region Neumarkt
Sonntag, 23. September 2018 21° 7

Geschichte

Die Geheimnisse des Neumarkter Klosters

Am Palmsonntag führte Schwester Cornelia durch St. Josef. Dabei ging es auch um eine mysteriöse Medaille.
Von Josef Wittmann

  • Die Klosterkirche in St. Josef wurde 1932 eingeweiht. Foto: Wittmann
  • Die Unterkirche zeigt das Himmlische Jerusalem aus der Apokalypse: „Diese Stadt braucht kein Licht, denn ihre Leuchte ist das Lamm“. Die Schwestern setzten zum Gebet eine Monstranz mit der Hostie ein, in der Jesus gegenwärtig ist. Foto: Wittmann

Neumarkt.Schwester Cornelia Böhm ist sich sicher: „Das Kloster St. Josef ist unser Platz. Den hat Gott uns zugedacht.“ Als das ursprüngliche Wildbad 1989 abgerissen werden musste, um es neu aufzubauen, habe ein Baggerführer in der Baugrube Gold blitzen sehen. Er fand eine etwa „200 Jahre alte Medaille so groß wie mein Daumen. Auf der Vorderseite das Motto der Niederbronner Schwestern „De Fontibus Salvatoris – Göttlicher Erlöser erbarme Dich unser“. „Und nach 200 Jahren sind wir hier eingezogen, die Schwestern vom Göttlichen Erlöser. Unsere Gemeinschaft gibt es erst seit 1920“, erklärt sie den Teilnehmern der Sonntagsführung, die sich dieses Mal mit dem Kloster St. Josef beschäftigt.

Schwester Cornelia aus Titting war 25 Jahre im Neumarkter Kloster, dann Referentin für Ordensschwestern in Eichstätt. Seit 2017 ist sie zurück und führt die Gäste des Tagungshauses durch ihr Kloster. Der Orden wurde 1849 von der Elsässerin Elisabeth Eppinger als Mutter Alphonsa Maria gegründet. Am 9. September wird sie seliggesprochen. Weltweit umfasst die Gemeinschaft mehr als 1000 Schwestern in aller Welt. 1920 erwarb der Orden vom letzten kinderlosen Besitzer das ehemals beliebte „Kurhaus Wildbad“ und baute es im Lauf der Jahrzehnte zum heutigen Kloster St. Josef aus.

Marodes Wildbad neu aufgebaut

Der Gewölbegang des früheren Wildbads wurde originalgetreu wieder aufgebaut. Die Stadt Neumarkt hatte in der Geschichte kein Interesse, zu Bad Neumarkt zu werden. Deshalb waren Bürgermeister und Stadtrat froh, dass die Niederbronner Schwestern das Gebäude übernahmen. Foto: Wittmann
Der Gewölbegang des früheren Wildbads wurde originalgetreu wieder aufgebaut. Die Stadt Neumarkt hatte in der Geschichte kein Interesse, zu Bad Neumarkt zu werden. Deshalb waren Bürgermeister und Stadtrat froh, dass die Niederbronner Schwestern das Gebäude übernahmen. Foto: Wittmann

Die Schwester führt in den ältesten Teil des Klosters, das ehemalige Wildbad. Es stand eigentlich unter Denkmalschutz. Aber die Bausubstanz war so marode, dass sich die Baufirma weigerte, die Gesundheit ihrer Mitarbeiter auf‘s Spiel zu setzen. Deshalb wurde das Gebäude abgerissen und nach Fotos originalgetreu wieder aufgebaut. Sie zeigt im restaurierten Gang eine offene schmiedeeiserne Tür in Richtung der Stadt unten im Tal. Die sei ein Geschenk der Stadt, weil die Neumarkter in den Kriegsjahren stets Zuflucht im Kloster suchen durften.

Aus diesem ältesten Bauabschnitt tritt die Gruppe in den Innenhof. Jedes Kloster habe einen Innenhof, damit die laute Welt draußen bleibt, weiß die Schwester. Dieser hier ist nach und nach entstanden, als der Orden Gebäude für Novizinnen, Exerzitien, Kranke, alte Schwestern und zuletzt das Tagungshaus errichtete. Die Klosterkirche wurde 1932 eingeweiht. Damit gab es einen Raum zum Beten. Die eindrucksvolle Innenausstattung konnte erst 1941/1942 mitten im Krieg finanziert werden. Der Neumarkter Bürgermeister hatte angekündigt, „die Niederbronner Schwestern kämen zum Betteln und würden für die Spender auch beten. Das tun wir wirklich“, erklärt Schwester Cornelia.

Diese Figur wird der unfertige Christus genannt, weil er kein Kreuz hat. Das Schnitzwerk hat ein 18-jährige russischer Kriegsgefangener gefertigt. Foto: Wittmann
Diese Figur wird der unfertige Christus genannt, weil er kein Kreuz hat. Das Schnitzwerk hat ein 18-jährige russischer Kriegsgefangener gefertigt. Foto: Wittmann

Die Kunstwerke wurden vom Südtiroler Bildhauer Siegfried Moroder direkt vor Ort geschnitzt. Und für die Maria am Seitenaltar stand seine Braut Modell. Moroder hatte Helfer. So stammt der „unfertige Christus“ im Kreuzgang, der Kloster und Kirche verbindet von einem 18-jährigen jungen Russen. Der Kreuzweg an den Kirchenwänden wurde erst 1949 fertig.

Cornelia Böhm führt die Gruppe weiter in die Unterkirche. 1973 fertigte ein Regensburger Künstler die Altarskulptur an. Hier feiern die Schwestern täglich die Hl. Messe. Im Krieg war hier der ‚Gebetsbunker‘ und das Lazarett für bis zu 250 kranke Soldaten. 2002 wurde das Tagungshaus fertiggestellt. Dort nahm Verwaltungsleiter Stephan Spies die Gruppe in Empfang.

Josefswasser mit heilender Kraft

Gemeinsam mit den Schwestern und seinen Mitarbeiterinnen bietet Spieß außerhalb der Altstadtmauern in der spirituellen Atmosphäre des Klosters ein modernes Hotel für Geschäftsleute und private Gäste an und klärte die Zuhörer am Tag des Wassers auf: „Die Josefsquelle ist eine der reinsten Wasserquellen in ganz Bayern und frei von Radioaktivität.“ Die Uni Augsburg habe das Heilwasser einer „Kristallanalyse nach Hagalis“ unterzogen und ihm „positive Wirkungen auf Leber, Darm, Haut und Augen“ zugesprochen. Wegen der Unvernunft einiger Neumarkter, die sich das Wasser in unhygienischen Riesenbehältern nach Hause holten, sei die öffentliche Zapfstelle auf Bitte des Gesundheitsamtes geschlossen. Jetzt gibt es das Josefswasser bei Lammsbräu zu kaufen.

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