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Forschung

Die Geschichte des „Spittls“ in Velburg

Bele Schneider konnte Interessantes über das Gebäude berichten. Die Stiftung geht auf das 14. Jahrhundert zurück.
Von Wolfgang Schön

Das heutige Spitalgebäude in Velburg. Nach einem Brand 1986 wurde es wieder aufgebaut. Links neben dem Gebäude befindet sich die St. Leonhard Kirche, die heute von der evangelischen Kirchengemeinde Parsberg-Velburg als Gotteshaus genutzt wird.  Foto: W. Schön
Das heutige Spitalgebäude in Velburg. Nach einem Brand 1986 wurde es wieder aufgebaut. Links neben dem Gebäude befindet sich die St. Leonhard Kirche, die heute von der evangelischen Kirchengemeinde Parsberg-Velburg als Gotteshaus genutzt wird. Foto: W. Schön

Velburg.In einem Zeitungsartikel liest sich das Verfasste wohl in weniger als fünf Minuten, doch die heimatgeschichtlichen Einblicke, welche die Velburger Geschichtsforscherin Bele Schneider zum Spitalgebäude der Stadt Velburg bei ihrem historischen Vortrag gab, umfassten eine Zeitspanne von mehr als 500 Jahren. Dass in der Öffentlichkeit durchaus Interesse an diesen geschichtlichen Zusammenhängen und Erläuterungen besteht, belegten die mehr als 50 Geschichtsinteressierten, die zum Vortrag in den Neuhaussaal gekommen waren.

Unter den Besuchern war auch Christine Riedl-Halter vom kunsthistorischen Verein in Regensburg. Sie dankte Bele Schneider für ihr Engagement um die Erkundung der geschichtlichen Zusammenhänge in Velburg und über die Region hinaus. Noch heute erinnert das im Volksmund kurz „Spittl“ genannte Gebäude in der Alten Seubersdorfer Straße (Hausnummer 16) unmittelbar neben der St. Leonhard-Kirche an das vor mehr als 400 Jahren begründete Spitalwesen.

Der Brand

  • Geschichte:

    So gibt es das „Spittl“ nun auch heute noch und es ist eng mit Velburg und seiner Geschichte verbunden.

Damals schon wurden Einrichtungen geschaffen, wo Menschen unterkommen konnten, die nicht nur mittellos, sondern auch von aussätzigen Krankheiten befallen waren. Diese lebten von der Bevölkerung abgesondert als „Sondersieche“ in solchen Häusern, wie Bele Schneider erläuterte.



Rechnungsbücher vorhanden

Nachgewiesen ist dies durch noch verfügbare Eintragungen in Visitationsberichten der Pfarreien und auch in Stiftungsunterlagen. So gibt es beispielsweise vom Velburger Spitalgebäude noch eine ganze Reihe von Spitalrechnungsbüchern, deren Einträge bis in die Zeit des 18. Jahrhunderts und früher zurückreichen.

Auch dem Velburger Spitalgebäude lag eine Stiftung zugrunde, die Gründung wird in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts vermutet. Aus dieser Zeit ist auch ein „Siechenhaus“ in Lengenfeld benannt. Immer wieder wird in geschichtlichen Einträgen auf die „Bürgerspitalstiftung Velburg“ verwiesen, wo sich selbst die Stadt Velburg Geld aus dem Stiftungsvermögen geliehen hat. Die Stiftungen waren meist durch Schenkungen, wiederkehrende Zuwendungen und durch geschicktes Wirtschaften zu einem ansehnlichen Bestand an land- und forstwirtschaftlichen Gütern gekommen, wo dann Erlöse daraus für das Almosenwesen eingesetzt werden konnten. Der Stiftungsbestand blieb davon meist unberührt, wie Bele Schneider wusste.

Obwohl die Bevölkerung arm war, gab man doch immer wieder etwas für die wirtschaftlich noch schlechter bestellten Menschen in dieser Zeit ab. Man tat dies auch, um durch die Spenden sein Seelenheil zu retten, wie ebenfalls in Geschichtseintragungen vermerkt ist. Der Geschichtsschreiber Ignaz Brunner verweist beispielsweise im Jahr 1818 darauf, dass im Spitalgebäude Velburg Wohnstaat für 18 arme und kranke Leute gegeben ist. In Unterlagen des Bezirksamtes Parsberg wird im Jahr 1902 in Bezug auf die Bürgerspitalstiftung Velburg darauf verwiesen, dass die Stiftung ein Vermögen von fast 60 000 Reichsmarkt aufweise und mit weitem Abstand vor weiteren Almosen- und Wohltätigkeitsstiftungen in der Region, wie beispielsweise Laaber bei Regenburg und Hohenburg, lag.

Vermögen geschrumpft

Nach dem Zweiten Weltkrieg war in Velburg das Stiftungsvermögen durch Inflation und Währungsumstellung soweit geschrumpft, dass sich die Einrichtung nicht mehr selbst tragen konnte. Letztendlich wurde sie 1962 durch das Bayerische Ministerium des Innern aufgelöst.

Der verbliebene finanzielle Restbetrag wurde der Stadt Velburg mit der Auflage übertragen, das Gebäude für einkommensschwache Bürger zu verwenden. Dieser Auflage wird bis heute entsprochen.

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