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Region Neumarkt
Sonntag, 25. Februar 2018 -4° 1

Landwirtschaft

Die Gülle, Neumarkts Bauern und die EU

Eine neue Verordnung soll die Nitrat-Probleme lösen – für die Landwirte in der Region bedeutet das vor allem: mehr Arbeit.
Von Katrin Böhm

Ab 2020 darf Gülle nur noch per „Schleppschuhverteiler“ aufs Feld ausgebracht werden – die neue Düngeverordnung ist auch Thema der Jahresversammlung am 20. Februar. Foto: Böhm

Neumarkt.Deutschland hat ein Problem mit der EU: Die EU-Kommission verklagt seit Jahren die Bundesrepublik, weil in vielen Regionen die Nitrat-Grenzwerte – und damit die EU-Nitratrichtlinie – nicht eingehalten werden. Aus der Not geboren wurde daher: die neue Düngeverordnung. Für Bauern im Landkreis ist die jetzt brandaktuell: Seit 31. Januar ist die Sperrzeit vorbei – sofern das Wetter passt, dürfen die Landwirte wieder düngen, müssen dabei aber viele neue Regeln einhalten. Und das, obwohl die Nitrat-Werte im Landkreis eigentlich nie ein Problem waren – zwar kratzen vor allem im südlichen Landkreis die Grundwasser-Werte immer wieder mal an der Marke von 50 Milligramm pro Liter, überschritten werden sie aber nicht.

„Bei uns passen Flächen und Tierbestand gut zusammen.“

Max Stadler

Für die Landwirte in der Region bedeutet das vor allem: mehr Papierkram, mehr Dokumentation, neue Geräte, mehr Lagerkapazitäten für Gülle, sagt Max Stadler, Geschäftsführer beim Maschinenring Neumarkt plus.

Die Problematik, dass Bauern jedes Jahr künftig nur noch 170 Kilogramm organischen Dünger – also vor allem Gülle, aber auch Kompost, Klärschlamm- und Biogasreste – pro Hektar Land ausbringen dürfen, dürfte hingegen die wenigsten Landwirte im Landkreis treffen, sagt Stadler. „Bei uns passen Flächen und Tierbestand gut zusammen.“ 2100 Bauern bewirtschaften laut Stadler im Landkreis 60 000 Hektar, 60 Prozent nur im Nebenerwerb. Die meisten Bauern in der Region seien zwar Milchviehbetriebe, es gebe jedoch keine ganz großen Haltungen – und damit auch weniger Gülle.

Andernorts wird Gülle exportiert

Andernorts hingegen weiß man schon nicht mehr, wohin mit der ganzen Gülle – es wird exportiert oder es werden Verträge mit anderen Bauern geschlossen, die fremde Gülle auf ihren Äckern ausbringen. Vereinzelt vermittelt auch der Maschinenring Bauern aus der Region Flächen, auf denen sie ihre Gülle loswerden können, wirklich oft passiert das aber nicht. Denn die meisten Bauern im Landkreis wollen ihre Gülle behalten – um damit zu düngen.

Das dürfen sie bald aber nicht mehr mit den bisherigen Geräten: Spätestens ab 2020 sind nur noch „Schleppschuhverteiler“ erlaubt: Die Gülle fließt aus dem Fass durch Schläuche direkt auf den Acker, „bodennahe Ausbringung“ heißt es offiziell. Dadurch fliegt die Gülle nicht mehr in hohem Bogen durch die Luft. Schon jetzt haben von den 1700 Mitgliedern des Maschinenrings etwa 50 Landwirte neue Anhänger gekauft, manche nur für sich – andere verleihen sie, der Maschinenring hilft bei der Vermittlung.

Und so funktioniert die Technik in der Praxis:

Das bedeutet die neue Verordnung für die Bauern. Video: K. Böhm

100 000 Euro aufwärts muss man für einen derartigen Anhänger schon hinlegen, sagt Stadler – eine gewaltige Investition. „So eine Technik ist für einen Betrieb mit 30 Kühen nicht finanzierbar“, sagt er. Generell findet Stadler die neue Verordnung gar nicht verkehrt – schließlich wolle jeder, dass das Grundwasser und die Böden nicht überstrapaziert würden. Schade findet er nur, dass das Vertrauen in die Bauern „nur noch in schriftlicher Form“ gilt. Das Problem seien die schwarzen Schafe unter den Landwirten, „dass es irgendwo übertrieben wurde“ – und dann helfe eben nur eine Verordnung. Die neue Technik, die die Verordnung vorschreibt, findet Stadler gut. „Die Wertschöpfung der Gülle ist ja da.“

Schonfrist bis zum Jahr 2023

Den Unmut unter den Landwirten, den es vielerorts gibt, versteht er aber auch – vor allem, wenn es um die neue Dokumentation geht, wie und wo genau welche Düngemittel eingesetzt werden und für welches Feld welche Menge Dünger nötig ist. Dazu braucht man Software, muss am Computer zahlreiche Formulare ausfüllen. „Das brauche ich einem Landwirt, der kurz vor der Rente steht, nicht mehr erklären.“

Für die jüngeren Bauern sei das in der Regel kein Problem – die lernen das so ohnehin in ihrer Ausbildung oder im Studium. Das größere Problem sei für diese das Wetter, das immer unberechenbarer werde. Wenn es etwa lange Zeit nicht regnet, bleibt der Dünger auf der Erde liegen, wird nicht von der Pflanze aufgenommen – und dann irgendwann weggeschwemmt. Doch wenn dann am Ende des Jahres die Dünge-Bilanz nicht stimmt, hat der Bauer ein Problem – und muss mit finanziellen Konsequenzen rechnen.

So sieht es aus, wenn der Schleppschuhverteiler übers Feld gerollt ist: In braunen Streifen liegt die Gülle auf dem Acker. Max Stadler befürwortet diese Technik. Foto: Böhm

Die neue „Stoffstrombilanz“, die seit Anfang 2018 gilt, betreffe zunächst aber ohnehin „maximal eine Handvoll Landwirte“ in der Region, sagt Stadler – sie gilt für Betriebe mit mehr als 50 Kühen, bei denen sich rein rechnerisch mehr als 2,5 Kühe einen Hektar Platz teilen müssen. „Bei uns sind zwei Kühe die magische Grenze“, sagt Franz Baumer, Bereichsleiter am Amt für Landwirtschaft. Ab 2023 ist es aber egal, wie viel Platz die Tiere haben – dann müssen alle Landwirte mit mehr als 50 Kühen die Bilanz führen. „Und das betrifft dann fast alle.“

Und das sagt das Wasserwirtschaftsamt Regensburg zur neuen Düngeverordnung:

Der Hydro-Geologe Andreas Bulla befürwortet die Verordnung als „Schritt in die richtige Richtung“, zweifelt aber daran, ob sie ausreicht.

Der Maschinenring thematisiert die Düngeverordnung in seiner Jahresversammlung – diese findet am Dienstag, 20. Februar, um 19:30 Uhr im Gasthaus Dallmayr in Berching statt. „Keine Angst vor der Düngeverordnung – die Digitalisierung kann aus der Not eine Tugend machen!“ lautet der Titel des Vortrags von Dr. Josef Bosch.

Diese Karte zeigt, wie es um die Nitratbelastung in der Region bestellt ist:

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