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Leidenschaft

Die Jagd nach Fußball-Bildchen

Was wäre eine Fußball-Weltmeisterschaft ohne ein Panini-Album? Unvorstellbar, sagen die Neumarkter Fans der kleinen Bildchen.
Von Helmut Sturm

Trotz tollen Badewetters draußen versammelten sich zahlreiche Panini-Fans im Osiander und tauschten ihre Sticker. Foto: Sturm
Trotz tollen Badewetters draußen versammelten sich zahlreiche Panini-Fans im Osiander und tauschten ihre Sticker. Foto: Sturm

Neumarkt.Am Samstagnachmittag hatte von 13 bis 15 Uhr die Panini-Tauschbörse in der Buchhandlung Osiander im Neuen Markt ihre Pforten geöffnet. Draußen strahlte die Sonne von einem tiefblauen Himmel und das Thermometer zeigte die 25-Grad-Marke an. Also Bade- und Ausflugswetter im besten Sinne. Buchhändlerin Melanie Sturm war alles andere als wohl bei dem Gedanken an die Aktion Tauschbörse am Nachmittag. Sie sollte sich irren. Bereits eine halbe Stunde vor Beginn musste sie neue Tische und Stühle organisieren, um den Ansturm der Sammler zu bewältigen.

Der Transfermarkt für die kleinen Fußballbildchen von Panini ist weltweit in vollem Gange. Die Macher der Klebebildchen haben auch 2018 wieder eine Schippe draufgelegt. 682 Panini-Sticker umfasst die offizielle deutsche Ausgabe des Sammelalbums zur Fußball-Weltmeisterschaft 2018 in Russland. Dazu kommen dann noch neun Extra-Sticker, die es nur bei McDonalds in Kombination mit einem Happy Meal gibt. National gibt es da durchaus Unterschiede. So sieht es in Österreich so aus, dass der Merchandise-Gedanke noch ausgeprägter ist. Zwölf Sondersticker gibt es – beim Kauf von Coca-Cola Softgetränken zehn und zwei vom Burgerbrater.

In Neumarkt kamen nicht nur kleine Jungs zum Tauschen – nein, ihre Väter und vereinzelt auch Mütter, hatten ihre Boxen mit dem Inhalt der Begierde dabei. „Zur letzten Weltmeisterschaft hatten wir gerade mal ein halbes Dutzend Besucher im Haus – am Samstag waren es in der Spitze 65 Panini-Fans“, sagte Sturm. Von sieben bis siebzig reichte das Lebensalter der Börsianer und alle saßen gleichermaßen hochkonzentriert am Tisch, glichen ihre langen Listen ab und waren auf der Suche nach einem geeigneten Tauschpartner.

Sticker: So teuer wie nie zuvor

Insgesamt gesehen ist es bei dieser Weltmeisterschaft so schwer wie nie und vor allem so teuer wie nie, das Panini-Album komplett zu füllen. Denn die Tütchenpreise sind um 20 Prozent teuerer geworden. Wer sein Album möglichst stressfrei und zu einem erschwinglichen Preis voll bekommen will, muss sich schon etwas einfallen lassen.

Das Internet ist voll von Plattformen, die den großen und kleinen Fußballfans dabei behilflich sind, ihrer Leidenschaft zu frönen und überzählige Sticker zu tauschen und so an die noch fehlenden Kicker-Stars zu gelangen. Dann ist trotzdem noch etwas Handarbeit nötig. Sie müssen erfassen, welche Bilder im Album noch offen sind und welches Tauschmaterial sie haben. Den Datenbestand so eingepflegt, kann der Transfer beginnen.

Ferdinand Lehrer (24) zum Beispiel saß am Samstag perfekt organisiert vor einer noch langen Liste mit Zahlen. „Ohne saubere Buchführung läuft hier gar nichts“, war sein kurzer Kommentar. „Sortieren kannst du rein nach Nummern oder auch in Gruppen – aber es muss stimmen, sonst wirst du verrückt.“

Auch Michael Boer (70) war in der Buchhandlung unterwegs auf der Suche nach einem passenden Tauschpartner. Seine Frau Renate hielt am Tisch seinen Platz frei. Er hat sein eigenes System. Wie es genau funktioniert, verrät er nicht mal seiner Frau. Sollte sie es aber einmal wagen, vom Einkaufen kein „Tütchen“ mitzubringen, hänge der Haussegen schief, erzählt sie.

Andreas Lang (10) sitzt im Trikot der Nationalmannschaft am Tisch und spielt selbst im defensiven Mittelfeld Fußball in Illschwang/Schwend. „Das Spiel Spanien gegen Portugal war ein tolles Spiel.“ Zusammen mit seinem Bruder Simon (13) hat er ein gemeinsames Album. „So geht es viel schneller und kostet nur die Hälfte.“

Sticker im Haushalt erarbeiten

„Es packt mich bei jeder Europa- oder Weltmeisterschaft“ sagt Martin Jorde (54). Mehr als 300 Tauschobjekte hat er sortiert und mit Gummibändern umwickelt in einer blauen Frühstücksbox dabei. „Es bereitet mir immer noch eine geradezu kindliche Freude, die kleinen Tütchen aufzureißen und ein lange gesuchtes Objekt meiner Begierde darin zu finden.“

Maximilian Bögl (7) ist mit seiner Mutter am Tauschtisch. Er kann sich seine Zusatztütchen durch Mitarbeit in Haus und Garten aufstocken. Einmal Garage oder den Gehsteig fegen, bringt ihn schneller ans Ziel. Sein Album ist schon fast voll. 30 Sticker fehlen ihm noch. Aber gerade die Letzten sind besonders schwer zu finden.

Um 15 Uhr sollte eigentlich der Schlussgong ertönen. Aber Melanie Sturm hatte viel Geduld.

Das kostet ein befülltes Panini-Album:

Einkaufspreis: Ein Tütchen mit fünf Stickern kostet 90 Cent.

Theorie: Theoretisch käme so ein Gesamtpreis pro Album auf etwa 130 Euro.

Praxis: Eigentlich liegen die Kosten aber bei 500 bis 600 Euro. Denn viele Sticker sammelt man doppelt.

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