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Projekt

Die Klosterburg in Kastl wird umgebaut

Im Sommer 2019 sollen die ersten 60 Studenten der Polizeihochschule einziehen. Derzeit werden Schadstoffe beseitigt.
Von Eva Gaupp und Nicole Selendt

Die Bauarbeiten sind in vollem Gange auf der Klosterburg. Foto: Selendt
Die Bauarbeiten sind in vollem Gange auf der Klosterburg. Foto: Selendt

Kastl.Nach zehn Jahren im Dornröschenschlaf erfüllt in diesen Tagen Baulärm die altehrwürdigen Räume der historischen Klosterburg in Kastl. Der erste Bauabschnitt hat begonnen, damit im Sommer nächsten Jahres bereits die ersten 60 Studierenden der Hochschule für den öffentlichen Dienst - Fachbereich Polizei einziehen können. „Ja, der Zeitplan ist eng“, lacht Roman Beer. Auch der Planungsvorlauf sei schon kurz gewesen. Doch der Bereichsleiter Hochbau am Staatlichen Bauamt Amberg-Sulzbach ist optimistisch. Bisher befinde sich das Großprojekt voll im Zeitplan.

Freistaat investiert 37,4 Millionen

Im September 2016 hatte der damalige Finanzminister Dr. Markus Söder verkündet, die Klosterburg könnte mit der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung eine neue Nutzung bekommen - zumal sich ein Standort bereits in Sulzbach-Rosenberg befindet. Insgesamt 120 Studien- und Unterkunftsplätze sollen in dem historischen Gebäude Platz finden, wo einst das Europäisch-Ungarische Gymnasium untergebracht war. Für den ersten Bauabschnitt stellt der Freistaat 8,6 Millionen, für den zweiten nochmals 28,8 Millionen Euro zur Verfügung.

2016 war der damalige Finanzminister Markus Söder extra für einen Pressetermin nach Kastl gekommen

und informierte über das Vorhaben.

„Die komplette Anlage wird umgebaut“, sagt Beer. Bis zum Sommer 2019 werden im ehemaligen Mädcheninternat 60 Plätze für Studierende eingerichtet. Die großen Schlafsäle und Duschräume verschwinden, dafür entstehen überwiegend Einzelzimmer mit rund 15 Quadratmetern mit eigenem Duschbad auf modernstem Standard. Dem Bestand geschuldet müssen sich die Studierenden in 20 Zimmer jedoch ein Bad mit einer anderen Person teilen. Darüber hinaus stehen Teeküchen und Gemeinschaftsräume zur Verfügung. Da die Studierenden teilweise nur für Lehrgänge über wenige Wochen auf der Klosterburg wohnen, werden die Räume komplett möbliert.

Extra Zimmer für Familien

Im zweiten Bauabschnitt werden darüber hinaus Familienzimmer eingerichtet. Das sei wie bei der Bundeswehr, sagt Beer. „Da steht die Hochschule in Sachen Familienfreundlichkeit in nichts nach.“ Der zweite Bauabschnitt, der dann weitere 60 Unterkünfte umfasst, soll bis 2021 abgeschlossen sein. Verwaltung, Bibliothek, Speisesaal, Küche und Lehrräume werden ebenfalls in der Klosterburg eingerichtet. Und ein kriminaltechnisches Labor. Außerdem muss der Dachstuhl erneuert und statisch ertüchtigt werden, sagt der Mann vom Staatlichen Bauamt. „Bauen im Bestand ist immer mit Risiken verbunden“, sagt Beer. Immerhin stammten einige Gebäudeteile aus dem 8. Jahrhundert - andere seien erst 2006 errichtet worden.

Aufwendig gestaltet sich derzeit vor allem der Abbruch der Ein- und Umbauten aus den 60er-Jahren, denn die seien mit allerlei Schadstoffen wie Asbest und polycyclischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) behaftet. Deshalb ist ein erstes Gewerk die Entsorgung dieser Materialien. Es gilt, sie unter großen Schutzmaßnahmen der Mitarbeiter abzubrechen, zu sammeln, zu untersuchen und dann Deponien zuzuführen. „Aber damit haben wir gerechnet und einen entsprechenden Zeitpuffer eingebaut“, versichert Beer.

Die Klosterburg in Kastl stand zehn Jahre lang leer. Foto: Braun
Die Klosterburg in Kastl stand zehn Jahre lang leer. Foto: Braun

Ein kleines Risiko für den Zeitplan besteht noch durch die sehr gute Auftragslage auf dem Bau. Es sei nicht leicht, Handwerksbetriebe für alle Gewerke des Projekts zu finden. Doch bisher laufe alles gut und bislang seien für alle Aufträge Betriebe gefunden worden. Auch wenn Beer Nürnberger ist, ordnet er die Arbeiten an der historischen Klosterburg als „Premiumprojekt“ ein. So tolle große Anlagen einer neuen Nutzung zuzuführen, sei auch für ihn etwas Besonderes.

Für Kastls Bürgermeister Stefan Braun ist die Polizeihochschule „nicht nur der Jackpot, sondern der Euro-Jackpot“. Er habe sich riesig gefreut darüber, dass Kastl den Zuschlag bekommen hat. Denn die neue Einrichtung sei nicht nur für Kastl ein Segen, sondern für die ganze Region. Es entstünden neue Arbeitsplätze, die Schüler der Einrichtung nutzten die Gastronomie im Ort, gingen dort einkaufen. Und immerhin sei die Klosterburg das Wahrzeichen Kastls. Es verfallen zu sehen, sei nicht unbedingt erfreulich.

Das ungarische Avicenna College sollte einen Ableger in Kastl bekommen. Foto: Gaupp
Das ungarische Avicenna College sollte einen Ableger in Kastl bekommen. Foto: Gaupp

Darüber hinaus hält Braun es für die beste Lösung, ein staatliches Gebäude auch staatlich zu nutzen. Es weiterhin leer stehen zu lassen, wäre auf Dauer immer teurer geworden. Allein in den vergangenen zehn Jahren des Leerstands habe der Komplex mit seinen rund 9000 Quadratmetern Wohnfläche den Freistaat rund eine Million Euro Unterhalt gekostet. Es jetzt zu sanieren, ist seiner Meinung nach auf Dauer die wirtschaftlichste Lösung.

Noch immer fühlen sich die ehemaligen Schüler des ungeraischen Gymnasiums Kastl verbunden. Sie treffen sich meist einmal im Jahr.

Gedenktafeln erinnern an die unrühmliche Geschichte der Klosterburg während des Nationalsozialismus’. Damals waren die „gestohlenen Kinder“ – überwiegend aus Slowenien – dort untergebracht.

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