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Neumarkt

Die Kreativität des Einzelnen ist gefragt

Was in Sachen Innovation möglich ist, schilderte Prof. Dr. Kathrin Möslein in einem Vortrag im Neumarkter Landratsamt.
Von Gerd Schlittenbauer

Prof. Kathrin Möslein referierte.
              Foto: Gerd Schlittenbauer
Prof. Kathrin Möslein referierte. Foto: Gerd Schlittenbauer

Neumarkt.„Offene Innovation“ – hinter diesem abstrakt klingenden Titel verbirgt sich eine spannende Geschichte, bei der die Kreativität jedes Einzelnen gefragt ist. Wer will, kann gar in Nürnberg in einen „normalen“ Laden gehen und seine Ideen in die Entwicklungsprojekte von Firmen einbringen.

Was in diesem Zusammenhang möglich ist, schilderte Prof. Dr. Kathrin Möslein vom Lehrstuhl Wirtschaftsinformatik der Friedrich-Alexander-Universität (FAU) Erlangen am Montagabend in einem leider viel zu spärlich besuchten, hochinteressanten Vortrag im Landratsamt.

„Offene Innovation“ ist eines der Lieblingsthemen der Vizepräsidentin der FAU. Die Ortsgruppe Neumarkt des Universitätsbunds hatte eingeladen. Viele Firmen entwickeln mit „geschlossener Innovation“. Hier, so sagte Kathrin Möslein, „innoviert jeder vor sich hin“. Nachteil: „Es wird immer teuerer, mit der Innovationsgeschwindigkeit der Außenwelt mitzuhalten.“ Vielmehr sei die Tendenz, sich zu „öffnen und Wissen vernetzen.“

Dies geschehe, so die Professorin, keineswegs nur zwischen verschiedenen Unternehmen, nein, jeder Interessierte kann sich über Foren beteiligen. „Offene Community“ heißt hier das Schlagwort. Zum Beispiel ließ die Firma Haribo im Internet fragen, welches Gummibärchen auf dem Markt noch fehle. Die User kamen zu dem Ergebnis, dass es noch nie ein „Blaubärchen“ gegeben habe. „Dieses blaue Bärchen war das erfolgreichste Gummibärchen der Geschichte“, erzählte Kathrin Möslein. Und es wurde entwickelt von einer „Community“.

Die klassische Version der Offenen Innovation seien eben diese Webseiten im Internet, es gebe aber noch vier weitere Werkzeuge, sagte Kathrin Möslein: Innovationswettbewerbe, Innovationsmarktplätze, Toolkits und Technologien, die das Objekt „auf die Straße bringen“.

Weil diese fünf Bausteine kombinierbar sind, „bauen wir ein globales Gedächtnis auf.“ Die Bewegung habe gewaltig „Schwung aufgenommen“ und werde immer beliebter. Und Kathrin Möslein hat sich überlegt, zusätzliche Reize zu schaffen: „Warum sollen Menschen, die sich nicht kennen, allein vor dem Computer entwickeln“, fragte sie – und schuf vor fünf Jahren zusammen mit dem Fraunhofer-Institut in der Nürnberger Innenstadt den Laden „Josephs“. Hier gibt es nicht nur Kaffee, nein, jeder Interessierte kann an fünf Plattformen Ideen einbringen. Diese „Inseln“ werden von Unternehmen für Info-Fragestellungen jeweils drei Monate lang gebucht. Und so arbeitet die Bevölkerung zum Beispiel an der Entwicklung von Schuhen oder Wollknäueln mit. „Bis zu 4000 tiefgreifende Infos erhalten Firmen in diesen drei Monaten“, sagte Kathrin Möslein. „Josephs“ läuft inzwischen super: „So bekommen Unternehmen die digitale Forschungsarbeit besser in den Griff.“

Veranstalter war die Ortsgruppe Neumarkt des Universitätsbundes Erlangen-Nürnberg, der vor 100 Jahren gegründet wurde.

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