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Region Neumarkt
Freitag, 25. Mai 2018 23° 3

Autorenlesung

Die letzten Helden gegen Hitler

Tim Pröse las in Berngau aus seinem neuen Buch „Jahrhundertzeugen“ von Menschen, die den Krieg miterlebt haben.
Von Michael Schrafl

Autor Tim Pröse Foto: Schrafl

BERNGAU.Die Passagen, die Autor Tim Pröse am Sonntagnachmittag im Kulturspeicher aus seinem Buch „Jahrhundertzeugen. Die Botschaft der letzten Helden gegen Hitler“ vorträgt, gehen an den Zuhörern nicht spurlos vorüber. Es sind sehr berührende Geschichten – deshalb ist es mucksmäuschenstill im Kulturspeicher.

Mehr als 20 Jahre hat der Journalist aus München für den 2016 erschienenen Bestseller recherchiert. Dabei begegnete er unter anderem dem Manager Berthold Beitz, der Juden vor dem sicheren Tod bewahrte, der Witwe von Oskar Schindler, Ewald Heinrich von Kleist, den letzten beiden Hitler-Attentätern sowie Verwandten von Anne Frank und denen der ermordeten Geschwister Sophie und Hans Scholl.

Einige der letzten Zeugen hat Pröse über viele Jahre begleitet. Herausgekommen sind 18 Porträts von Holocaust-Überlebenden, Judenrettern und Widerstandskämpfern während der NS-Zeit. Die Lebenswege dieser besonderen Menschen beeindrucken gerade in unserer so unruhigen heutigen Zeit, so der Autor.

Pröse beginnt die Aufzeichnungen aus den letzten Stunden im Leben von Sophie Scholl, Mitglied der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“, vorzutragen. Abwechselnd liest er Passagen vom Tag der Beerdigung von Hans und Sophie Scholl (24. Februar 1943) vor und gibt dazu kurze Erläuterungen. Mit Gesten und Blicken versucht er, die Stimmung vor 75 Jahren wiederzugeben. Als er „Die Mutter streichelt die Särge ihrer beiden Kinder“ vorliest, streichelt Pröse den Tisch.

Anschaulich stellt er auch Szenen aus dem Gefängnis München-Stadelheim dar. So kämpft Sophie Scholl auch in den letzten Stunden ihres Lebens gegen die Nazis. Kurz vor ihrem Tod sagte sie: „Ich würde alles nochmal genauso machen.“

Ebenfalls erzählt der Autor an diesem sommerlichen Nachmittag Geschichten von Jurek Rotenberg, der von Berthold Beitz, dem späteren Chef von Krupp, vor der Gaskammer gerettet wurde. Und er berichtet von deren späteren Begegnungen. Pröse erzählt von Heinz Erdmann, dem späteren BMW-Vorstand, der im Kessel von Stalingrad eingeschlossen ist. Für ihn ist der Mond die Brücke zu seiner Heimat: „Das ist derselbe Mond, den meine Eltern zu Hause sehen.“ Stalingrad steht für ihn für all das Grauen, für das es keine Sprache gibt.

Pröse versucht während der Lesung immer wieder, die erdrückende und traurige Stimmung durch kurze Erzählungen über die Begegnungen mit Zeitzeugen, denen es schwer viel, über das Erlebte zu sprechen, aufzulockern. Das Buch ist ab sofort auch in der Berngauer Bücherei auszuleihen.

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