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Musik

Die Mundharmonika ist der Star

Das Festival in Beilngries findet vom 26. bis 29. April zum 18. Mal statt. Heuer steht auch eine Weltmeisterin auf der Bühne.
Von Alexandra Nurtsch

Tourismus-Chef Christoph Raithel, Monika Rauch vom Tourismusbüro und der künstlerische Leiter Georg Fanderl (v.l.) stellten auf Schloss Hirschberg das Programm des 18. Altmühltaler Mundharmonika-Festivals vor. Foto: Nurtsch
Tourismus-Chef Christoph Raithel, Monika Rauch vom Tourismusbüro und der künstlerische Leiter Georg Fanderl (v.l.) stellten auf Schloss Hirschberg das Programm des 18. Altmühltaler Mundharmonika-Festivals vor. Foto: Nurtsch

Beilngries.Es ist ein kleines, unscheinbares Instrument, das in die Hosentasche passt und doch kann eine Mundharmonika einen Tonumfang fast wie ein Klavier haben. Von 26. bis 29. April dreht sich in Beilngries wieder alles um das vielseitige Instrument. Unter dem Motto „Blues.Folk& Mehr“ findet das 18. Altmühltaler Mundharmonika-Festival statt.

Beilngries ist in der Mundharmonika-Szene bekannt, denn deutschlandweit gibt es nur eine weitere vergleichbare Veranstaltung im sächsischen Klingenthal, die Musiker und Gäste aus ganz Deutschland und dem angrenzenden Ausland anlockt.

Zur Volljährigkeit haben sich die Veranstalter etwas Besonderes einfallen lassen. Erstmals wird Schloss Hirschberg in das Veranstaltungsprogramm einbezogen. Am Sonntag, 29. April, tritt dort Susan Sauter auf. Die Musikerin erspielte sich beim „World Harmonica Festival“ 2009 den Weltmeistertitel. Ihr Repertoire reicht von Klassik über Tango bis hin zu Jazz. Im Rittersaal wird sie klassische Werke zum Besten geben.

Künstler geben Können weiter

Doch den Auftakt am Donnerstag, 26. April, bilden der Auftritt von „Richter und Böhme“ im Kaiserbeck und der Bayerische Abend mit der Mundharmonika im Gasthof Schattenhofer. „Die beiden Veranstaltungen ergänzen sich gut und bilden einen lockeren Einstieg ins Festivalprogramm“, sagt Tourismus-Chef Christoph Raithel, der am Mittwoch zusammen mit dem künstlerischen Leiter des Festivals, Georg Fanderl, und Monika Rauch vom Tourismusbüro das Programm vorstellte. Da bei beiden Veranstaltungen der Eintritt frei sei, könnten Interessierte einfach hineinschnuppern und testen, ob Mundharmonika-Musik etwas für sie sei.

Auch Blues-Harps werden beim Festival erklingen. Foto: Nurtsch
Auch Blues-Harps werden beim Festival erklingen. Foto: Nurtsch

Am Freitag und am Samstag folgen zwei Workshops. Seit Anfang an sind sie Bestandteil des Festivals und werden sehr gut angenommen. Dafür haben sich bereits Gäste bis aus Erfurt, dem Schwarzwald und Südtirol angemeldet, berichtet Monika Rauch. Das Besondere an den Workshops: Künstler, die beim Festival auftreten, geben ihr Wissen weiter und die Teilnehmer können sich etwas abschauen.

Hier erfahren Sie mehr über das Mundharmonikafestival 2017.

Am Freitagabend wird das Festival offiziell eröffnet und das Trio Con Brio tritt auf. Die Musiker um Zygmunt Zgraja waren schon einmal beim Festival zu Gast und spielen in klassischer reiner Mundharmonikabesetzung mit Melodie-, Akkord- und Bassmundharmonika. Am Samstagabend stehen San2 & His Soul Patrol auf der Bühne im Haus des Gastes. „Das wird ein Highlight“, ist sich Raithel sicher und schwärmt von den Entertainerqualitäten des Musikers San2. Davor ist das traditionelle Mundharmonikaspieler-Treffen im Hotel Gams, zu dem jeder Interessierte zum Austausch, zum Fachsimpeln oder zum Vorspielen eingeladen ist.

Programm wird ausgeweitet

Am Sonntag, 29. April, stehen ein Frühschoppen und die Mundharmonika-Börse auf dem Programm, bei der alte Schätze verkauft werden können. Sonst klang die Veranstaltung immer am Sonntagvormittag aus, heuer gibt es erstmals auch am Sonntagnachmittag und abends Konzerte. Nach dem Auftritt von Susan Sauter gestaltet die Band „Stompbox“ im Wirtshaus „Zur Mauth“ mit Rock- und Blues-Stücken den gemütlichen Ausklang des Festivals.

Karten für die Konzerte sind in der Tourist-Information im Haus des Gastes, Telefon (0 84 61) 84 35, erhältlich. Dort kann man sich auch für die beiden Workshops anmelden. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt. Konzertkarten und das ausführliche Festivalprogramm gibt es auch online unter www.beilngries.de/mundharmonikafestival.

Erstmals findet das Altmühltaler Mundharmonika-Festival in der Reihe „Musikzauber Franken“ statt. Das Qualitätssiegel tragen Konzertreihen mit hoher musikalischer Qualität, die man in besonderem Ambiente genießen könne, erklärt Raithel stolz.

Die Mittelbayerische Zeitung hat sich mit Georg Fanderl, dem künstlerischen Leiter und Initiator des Festivals, über die Mundharmonika unterhalten:

Seit wann spielen Sie Mundharmonika?

Ich spiele seit etwa 25 Jahren. Das war damals eher ein Zufall. Ich kannte keinen Mundharmonika-Spieler und habe mir trotzdem eine gekauft. Ich habe probiert und geübt, bis die Melodien gestimmt haben.

Was ist für Sie das Besondere am Instrument?

Das Besondere war damals die Kompaktheit des Instruments. Meine erste Mundharmonika hatte Platz für 20 Töne und die reichen aus, um das einfache Liedgut zu interpretieren.

Wie oft üben Sie?

Wenn man Mundharmonika lernen will, dann muss man täglich üben. Normalerweise lernt man sie mit einem Lehrwerk. Das ist scheinbar in der Öffentlichkeit nicht so bekannt, denn ich werde immer wieder gefragt, ob man Mundharmonika nach Noten spielen kann. Wenn man es kann, lässt die Häufigkeit nach.

Georg Fanderl ist der künstlerische Leiter des Festivals. Foto: Nurtsch
Georg Fanderl ist der künstlerische Leiter des Festivals. Foto: Nurtsch

Doch jetzt haben Sie wieder einen Grund zum Üben.

Ich soll beim Movie Night Orchestra in Eichstätt als Mundharmonika-Solist auftreten. Es ist ein großer Mangel in unserem Bildungswesen. Es gibt deutschlandweit keine staatliche Bildungseinrichtung, an der Mundharmonika gelehrt wird. Es gibt keinen Musiker, der aus einem Studium hervorgegangen ist, der eine Partitur auf der Mundharmonika spielen kann. Das ist ganz erstaunlich im Mutterland der Mundharmonika. Sie steht hier musikalisch im Abseits.

Vor 18 Jahren haben Sie das Musikfestival in Beilngries ins Leben gerufen.

Ich kannte damals keinen Mundharmonikaspieler. Ich war auf Musikantenstammtischen und war ein Exot. Ich wollte andere Mundharmonikaspieler hören. Darum habe ich zu einem Treffen nach Beilngries eingeladen. Beim ersten Mal kamen rund 50 Musiker, zum Teil bis aus Leverkusen. Da habe ich gemerkt, es herrscht ein Bedürfnis bei den Mundharmonikaspielern, sich mit anderen zu treffen und auszutauschen.

Beim zweiten Treffen hat Ihnen der damalige Touristik-Chef und heutige Bürgermeister Alexander Anetsberger die Unterstützung der Stadt angeboten.

Die Stadt wurde Veranstalter der Konzerte und seitdem gibt es neben dem Treffen Workshops und Konzerte. Es war Glück, dass sich die Stadt der Sache angenommen hat. Ich habe in der Szene gesehen, dass kaum eine Kommune an dem Thema Interesse hat. Für das Kulturgut Mundharmonika interessiert sich kaum jemand.

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