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Nostalgie

Die PC-Steinzeit schweißte sie zusammen

Drei PC-Freaks treffen sich nach 33 Jahren in Seubersdorf wieder. Sie blicken zurück in die der Urzeit der Computer.
Von Vera Gabler

Jürgen Segerer, Andreas Frank und Christian Ferstl haben auch nach mehr als 30 Jahren noch Spaß am Commodore C 64. Foto: Gabler
Jürgen Segerer, Andreas Frank und Christian Ferstl haben auch nach mehr als 30 Jahren noch Spaß am Commodore C 64. Foto: Gabler

Seubersdorf.Ein Familientreffen wie jüngst zur Weihnachtszeit oder ein Klassentreffen verspricht immer einen Ausflug in die Jugendzeit. Das erste Treffen von Andreas Frank, Christian Ferstl und Jürgen Segerer nach 30 Jahren hatte aber einen besonderen Stellenwert. Es war eine Reise in die Welt des Computers mit dem Commodore C 64.

„Unsere Leidenschaft war der C 64, bevor die Mädchen interessanter wurden“, erinnert sich Segerer und an die Zeit, als man so elf bis zwölf Jahre alt war. Die drei Jungs drückten alle die Schulbank daheim in Seubersdorf, und als sich die Wege durch weiterführende Schulen trennten, verbrachte man die Freizeit gemeinsam beim Schützenverein.

Atari war bald nicht mehr interessant

Und während die Eltern damals glaubten, ihre Sprösslinge würden sich nach dem Schießtraining auch noch über den Schießsport austauschen, rückte immer mehr das Wort „Computer“ in das Sprachfeld der Jugendlichen. „Kennen Sie noch den Atari VCS 2600, eine Spielkonsole die man an den Fernseher anschloss, um Tennis zu spielen?“, wird die MZ-Reporterin gefragt – die Jungs sind offenbar angekommen. Angekommen in ihrer damaligen Welt des Computers, wo der Atari aber bald nicht mehr interessant war.

Während einer Zugfahrt bekam man dann die Information, dass es einen Computer aus den USA gebe, mit dem man selbst Spiele programmieren könne. „Wir suchten in Zeitschriften nach mehr Informationen, Internet gab es ja nicht“, erinnert sich Frank lachend, und im Oktober 1984 kaufte sich Segerer seinen ersten Commodore 64 für 689 Deutsche Mark bei der Vögl Wally.

Dazu eine Datasette, ein in den 1980er Jahren weit verbreitetes Bandlaufwerk, um Computerdaten auf herkömmlichen Kompaktkassetten (CC) zu speichern. „Und die Kassetten, auf denen die Geschwister ihre 80er-Jahre-Hits gespeichert hatten, waren dann unsere“, ergänzt Ferstl. Die Nächte wurden fast nicht mehr zum Schlafen genutzt, es wurde gefachsimpelt und programmiert, was ging.

„Ich habe damals gelernt, was Geduld bedeutet.“

Jürgen Segerer

„Ich habe damals gelernt, was Geduld bedeutet“ erklärt Segerer, denn was heute unvorstellbar ist: Bis ein großes Programm vollständig geladen war, wartete man oft mehr als eine halbe Stunde. „Die wichtigsten Programmiersprachen für den C 64 waren das eingebaute BASIC und Assembler. Daneben gab es eine Vielfalt an Programmiersprachen und -dialekten für den C 64“, weiß Frank, der sich mit einem IT- und TK-Systemhaus früh selbstständig gemacht hat.

Ferstl ist Diplom-Physiker, beschäftigt sich aktuell viel mit neuen digitalen Technologien. Segerer wurde Diplom-Informatiker und gründete eine Internet-Agentur. Man habe aber nicht nur Spiele selbst programmiert, sondern auch den Commodore für Textverarbeitung verwendet. Zum Beispiel für Strafarbeiten für die Schule – die wurden gleich digital erstellt und als Ausdrucke auf Endlospapier abgegeben, was die Augenbrauen der Lehrer damals nach oben hob.

Man bedenke: Es gab zwar kein Internet, aber zum Beispiel in Krefeld einen Club, der die Erfahrungen und Tipps anderer Computerfreaks im Clubmagazin zusammenstellte, und damit die Jungs mit neuen Informationen belieferte. „Bis wir am 12. April 1986 selbst eine Ortsgruppe in Seubersdorf gründeten“, fällt Frank ein. Sieben Jungs sei man gewesen, die sich zum Beispiel mit dem Programmieren von Basic-Programmen beschäftigten oder mit „Turbo Tape“. „Das Programm Turbo Tape ist ein Segen für alle, die sich keine Floppy leisten können“, zitiert Ferstl eine Nachricht aus ihrem damaligen Clubmagazin.

Hobby zog weite Kreise

Das Hobby zog weite Kreise, man hatte Kontakt bis nach England, es war vornehmlich der Vater Willibald Frank, der das Hobby der Jungs unterstützte und damit auch die Telefonrechnung übernahm. Während sich die Gleichaltrigen dann 1988 doch für Mädels und Mopeds interessierten, unterhielten sich die drei Jungs über den Amiga 500, der noch mehr kreative Möglichkeiten zuließ, Software mit besserem Sound und realistischerer Grafik zu entwickeln.

Während Ferstl die Technologie interessierte, war Segerer der Mann für die Kreativität. „Hat sich bis heute nichts verändert, nur dass wir jetzt damit Geld verdienen.“ 33 Jahre habe man sich mehr oder weniger aus den Augen verloren, doch als Frank dann aus seinem Lager einen Commodore holt und mit dem Klappern der Tastatur beginnt, entsteht in den Männern ein Jungbrunnen. Auf das Programmieren wie in den Anfangszeiten verzichtet man beim Treffen. Das Lachen und das Erinnern stehen im Vordergrund.

Ein Blick in die Vergangenheit:

Test

Foto: Vera Gabler
Foto: Vera Gabler

Die zwölfjährigen Zwillinge Sebastian und Maximilian staunten nicht schlecht, als sie den „Oldtimer“ ihres Vaters mal testen durften. Für sie ist es unvorstellbar, dass man wegen so einer „Maschine“ sogar die Schule vernachlässigt hatte.

Quellen

Foto: Vera Gabler
Foto: Vera Gabler

Informationen über die Computer mit Zubehör und die Erstellung von Programmen holte man sich über „Fachzeitschriften“ die natürlich über den Postweg verschickt wurden. Auch das Festnetztelefon diente dazu, Informationen einzuholen, um diese dann zu testen.

Kreativität

Foto: Gabler
Foto: Gabler

Am 12. April 1986 wurde nicht nur eine Ortsgruppe in Seubersdorf gegründet. Es lag nahe, dass man auch die Clubmagazine bis hin zu Hausaufgaben über den Commodore C64 selbst erstellte, druckte und ausreichend verteilte.

Renner

Foto: Gabler
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Der Commodore C64 war bis Ende der 1980er Jahre der meistverkaufte Heimcomputer. Alle Programme mussten von externen Laufwerken, wie dem Kassettenlaufwerk Datasette geladen werden. Der Kassettenrekorder, sonst für Aufnahmen von Musik, wurde zweckentfremdet.

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