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Geschichte

Die Stadt Nürnberg versank in Millionen

In Nürnberg trat die Zwiespältigkeit der Zeit der Weimarer Republik besonders deutlich hervor. Das zeigt eine Ausstellung.
von Nikolas Pelke

Die Stadt druckte Notgeld im Sommer 1923, hier ein Fünf-Millionen-Notgeldschein.  Foto: Stadtarchiv Nürnberg
Die Stadt druckte Notgeld im Sommer 1923, hier ein Fünf-Millionen-Notgeldschein. Foto: Stadtarchiv Nürnberg

Nürnberg.Aufbruchstimmung hier, Rückbesinnung dort: In dieser Ambivalenz hat Nürnberg versucht, die Krisenjahre zwischen Inflation, Rezession, Sporterfolgen und Massenarbeitslosigkeit zu überstehen und die düsteren Vorzeichen der aufkommenden NS-Zeit zu vertreiben. Für eine Ausstellung unter dem leider etwas nichtssagenden Titel „Weimarer Republik Nürnberg 1918-1933“ hat sich das Stadtarchiv auf eine Spurensuche begeben und dabei viele Zeugnisse dieser prägenden Epoche für Nürnberg aus dem Archiv gegraben.

Der Übergang von der Monarchie zur Republik sei in Nürnberg im Vergleich zu München oder Berlin „eher in gemäßigten Bahnen“ verlaufen, schreiben die Ausstellungsmacher Daniela Stadler, Ulrike Swoboda und Steven M. Zahlaus vom Stadtarchiv. Todesopfer habe es freilich auch in Nürnberg in Folge der Novemberrevolution zu beklagen gegeben.

Während der Weimarer Republik stellte die SPD in Nürnberg die Stadtratsmehrheit. Interessanterweise haben die Sozis im „roten Nürnberg“ nicht den Oberbürgermeister gestellt. Der Chef im Rathaus sei sogar „gecastet“ worden. Per Zeitungsannonce hat Nürnberg nach dem Ersten Weltkrieg einen berufsmäßigen Ersten Bürgermeister gesucht. Aus den 32 Bewerbern hat der von der SPD dominierte Stadtrat der Bevölkerung mit Hermann Luppe ausgerechnet einen Vertreter der Deutschen Demokratischen Partei (DDP) vorgeschlagen.

Zunehmender Antisemitismus

Das Bündnis zwischen der SPD und dem liberalen Luppe habe allerdings per se „noch keine stabilen politischen Verhältnisse“ garantiert. Dies habe sich spätestens im Jahr 1924 nach dem erstmaligen Einzug der von Julius Streicher angeführten Nationalsozialisten in den Nürnberger Stadtrat gezeigt. Streicher habe bereits in dem seit 1923 von ihm herausgegebenen Hetzblatt „Der Stürmer“ gegen Luppe verbal scharf geschossen. Nach der Machtergreifung hat sich Streicher auf seine mehr als unsympathische Weise dafür gerächt. Luppe wurde 1933 verhaftet und erst wieder freigelassen, nachdem er seinen Rücktritt erklärt hatte.

Die Ausstellung

  • Ort: Das Stadtarchiv am Marientorgraben zeigt im Großen Foyer eine umfangreiche Schau zur Nürnberger Geschichte in der Weimarer Republik. Der Eintritt ist frei.

  • Vorträge: Im Rahmen der Ausstellung findet ein umfangreiches Begleitprogramm mit zahlreichen Vorträgen statt. Den Anfang macht Ursula Büttner am 20. Februar ab 19 Uhr.

Vielfältigen Anschuldigungen hätte sich nach dem Ersten Weltkrieg auch die jüdische Gemeinde ausgesetzt gesehen. In Nürnberg sei der wachsende Antisemitismus aus althergebrachten Motiven sowie dem Vorwurf der Schuld an der Niederlage im Krieg und an der Revolution gespeist worden. Im Krisenjahr 1923 habe die öffentliche Judenfeindlichkeit mit gewalttätigen Ausschreitungen ihren vorläufigen Höhepunkt. Ab 1930 sei das Leben der Juden in Nürnberg zunehmend schwieriger geworden.

Der politische Machtkampf in der Weimarer Republik ist auch in Nürnberg durch Wirtschaftskrisen und den Folgen der Inflation angestachelt worden. Zeitweise seien 20 000 Nürnberger arbeitslos gewesen. 1923 habe der Tageslohn eines Nürnberger Arbeiters gerade noch für einen Laib Brot ausgereicht. Der Mangel an Zahlungsmitteln veranlasste die Stadt Nürnberg, eigenes Notgeld zu drucken. Ab Sommer 1923 brachte die Stadt über eine Billion Papiermark in Umlauf.

Viele Lebensbereiche abgebildet

Von der Polizei, über das Militär bis zur Fürsorge und zur Wohlfahrtspflege beleuchtet die aktuelle Ausstellung im Stadtarchiv auch viele andere Lebensbereiche der Weimarer Jahre in Nürnberg. Auch der Wohnungsbau und die Stadtplanung darf im Stadtarchiv auf den reich bebilderten Schautafeln nicht zu kurz kommen. Besonders gefeiert wird die „Goldene Ära“ des 1. FC Nürnberg. Dass sogar die Situation der Archive und Bibliotheken detailverliebt dokumentiert wird, mag dem ein oder anderen Ausstellungsbesucher dann doch ein wenig zu weit gehen.

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